| Am Mittwoch, dem 13. November 2002, will Schulsenator Klaus Böger in einem Pressegespräch die Ergebnisse seiner Erhebung zur Zahl der Schulversäumnisse präsentieren.
Wer die Anzahl von Schulverweigerern oder schuldistanzierten Jugendlichen erhebt, muss darüber hinaus bereit sein, eine genaue Analyse der Ursachen vorzunehmen und Konsequenzen daraus zu ziehen, Gegenmaßnahmen wie spezielle Betreuungs- und Förderangebote fest in die Schule zu integrieren.
Ulrich Thöne, der Vorsitzende der GEW BERLIN: „Einfache Schlüsse helfen hier nicht weiter. Die Ursachen für Schulverweigerung sind vielschichtig. Jugendliche bezweifeln zum Teil den Sinn einer guten Schulbildung, weil die Gesellschaft sie sowieso nicht braucht. Dazu kommen überforderte Elternhäuser, die Verlockungen der Spaßgesellschaft und natürlich auch die sinkende Identifizierung mit der eigenen Schule, das mangelnde Interesse am Unterricht. Wird eine steigende Zahl von Schulverweigerern konstatiert, müssen natürlich auch Schule und Unterricht auf den Prüfstand. Der Schule mangelt es z. B. ganz klar an individuell ansetzenden Fördermaßnahmen. Diese bedürfen aber personeller Ressourcen. Hier geht es um Investitionen von Seiten der politisch Verantwortlichen. Prävention ist kein Nullsummenspiel, sie kostet Geld. Fehlende Prävention kostet aber im Nachhinein auf jeden Fall mehr.“
Zu den Aufgaben von Lehrkräften zählt es selbstverständlich auch, sich um die Probleme der SchülerInnen zu kümmern. D.h. intensive und kontinuierliche Einzelgespräche mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen führen, Kontakt zu den Eltern aufnehmen, Klassenkonferenzen einberufen usw. Die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung der PädagogInnen ließe für solche Aufgaben immer weniger Spielraum. Deswegen ist derzeit eher mit einer Verschärfung der Problemlage zu rechnen.
In diesem Kontext muss auch darauf verwiesen werden, dass Schulverweigerung häufiger der Einstieg in kriminelle Karrieren ist. Das beginnt beim Ladendiebstahl und kann in der Folge auch zu schwereren Delikten führen.
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