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Nr. 11 / 2007: Erzieherinnen und Sozialarbeiter haben mehr verdient

Erzieherinnen und Sozialarbeiter haben mehr verdient

Harte Tarifauseinandersetzungen stehen bevor

von Norbert Hocke, Leiter Jugendhilfe und Sozialarbeit der GEW

Als 1990/91 der neue Eingruppierungsvertrag Sozial-und Erziehungsdienst für den öffentlichen Dienst und in Anlehnung auch für die freien Träger abgeschlossen wurde, lagen harte gesellschaftspolitische Auseinandersetzungen hinter den sozialpädagogischen Fachkräften. War es einigermaßen gelungen, die Erzieherinnen der Tageseinrichtungen für Kinder gehaltsmäßig besser zu stellen, war dies im übrigen Bereich der Kinder- und Jugendhilfe nicht gelungen.

Die gesellschaftlichen Anforderungen an die Beschäftigten der Kinder- und Jugendhilfe, sei es im Bereich der Schulsozialarbeit, der Tageseinrichtungen für Kinder, der Ganztagsschulen, der Hilfen zur Erziehung, der offenen Jugendarbeit oder der Jugendämter, spiegeln sich nicht im Tarifgefüge wieder. In vielen Bereichen sind Beschäftigungsverhältnisse, die eine qualifizierte und unbefristete Arbeit benötigen, umgewandelt worden in befristete prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Die wissenschaftlichen Entwicklungen und die in den letzten Jahren geführten Qualitätsentwicklungsdiskussionen sowie die Weiterbildungsmaßnahmen der Beschäftigten finden sich nicht in der Gehaltsstruktur wieder. Das Gegenteil ist der Fall: Immer mehr Erzieherinnen und Sozialarbeiter/ Pädagogen können mit einer halben Stelle von ihrem Einkommen weder sich selbst noch eine Familie ernähren.

600.000 Beschäftigte von der Kita bis in die Erwachsenenbildung und bei unterschiedlichen Trägern müssen sich in den anstehenden tariflichen Auseinandersetzungen zusammenraufen. Tarifverhandlungen werden nicht von Tarifkommissionen entschieden, sie werden vom gemeinsamen Kampf der Beschäftigten auf der Straße entschieden, wenn es nicht im Vorfeld bei Verhandlungen zu Ergebnissen kommt.

Der gesellschaftliche Auftrag, durch Bildung, Erziehung, Betreuung und Beratung mehr Chancengleichheit und Teilhabe in dieser Gesellschaft zu erzielen, muss endlich anerkannt werden, nicht durch Sonntagsreden der Politiker, sondern im Portemonnaie der Beschäftigten.

Die anstehenden Tarifverhandlungen im Bereich des Bundes, der Länder und der Kommunen sowie Hessen und Berlin werden sowohl von der GEW als auch von ver.di, aber in erster Linie von den Beschäftigten selbst eine harte Auseinandersetzung abverlangen. Jahrelang haben sie sich mit Lohn- und Gehaltssteigerungen zurückgehalten und die neue Gehaltsstruktur des TVöD und TV-L bleibt bei weitem hinter den Erwartungen der Arbeitnehmer zurück. Es kann nicht sein, dass Erzieherinnen in Kitas nach EG 6 eingruppiert werden, sie müssen in die EG 8/9 kommen. Die Bachelor- und Masterabschlüsse müssen von den kommunalen Arbeitgebern voll umgesetzt (EG 9 und 13) und die Aufstiege des alten Tarifvertrages müssen in das neue Tarifgefüge eingebaut werden. Durch die neue Gehaltsstruktur darf keiner weniger verdienen als vorher!

Bildung, Erziehung, Betreuung und Beratung ist der Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe. Gute Bezahlung unser Recht. Für dieses Recht müssen Erzieherinnen, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen notfalls auch für kurze Zeit ihre Arbeit niederlegen und streiken. Pädagogische Diskussionen sind in der Tarifauseinandersetzung nicht angesagt. Tarifauseinandersetzungen sind Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Oft scheint es, dass sozialpädagogische Fachkräfte diesen Arbeitnehmerstatus verdrängt haben. Die GEW wird diese Tarifauseinandersetzung mit aller Kraft durchführen. Es bedarf aber der tatkräftigen Unterstützung durch die Betroffenen selbst, damit sie wieder mehr verdienen, als sie zurzeit bekommen.

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