| Der rot-rote Senat will offensichtlich weiter an der Daumenschraube für die Berliner Kitas drehen: Krippenplätze für unter Dreijährige, Ganztagsplätze und eine Erhöhung der Elternbeiträge stehen auf der Kürzungsliste des Finanzsenators.
Wiederum hat der Finanzsenator den Ausstattungsvergleich mit Hamburg bemüht: Nach seiner Auffassung gibt Berlin 350 Mio. € mehr aus als Hamburg, nach Aussage von Bildungssenator Böger sind es nur 100 Mio. €. Die GEW BERLIN hält beide Zahlen für fragwürdig, denn auch hier werden wieder Äpfel mit Birnen verglichen: Berlin hat wesentlich mehr Alleinerziehende als Hamburg, eine andere Sozialstruktur, größere Armut. Dazu kommt, dass in den Hamburger Zahlen z.B. die Ausgaben für Tagesmütter nicht enthalten sind sowie durch die Hamburger ‚verlässliche Halbtagsgrundschule’ eine andere Versorgung von Hortkindern gegeben ist, die ebenso wenig in die Kosten für die Kitas eingehen.
„Intelligente Ausgabensenkung bei der Kinderbetreuung: Tagesmütter und Tagesstätten in freier Trägerschaft“, so wird offenbar laut Tagesspiegel in der Senatsverwaltung für Finanzen geplant.
Krippenplätze durch Tagesmütter zu ersetzen, ist nach Auffassung der GEW BERLIN eine zutiefst rückwärtsgewandte Politik. Wissenschaftliche Forschungen zeigen immer deutlicher, wie wichtig frühkindliche Bildung und Erziehung ist – auch und gerade für Kinder unter drei Jahren. Ebenso einmütig wird eine verbesserte Ausbildung von ErzieherInnen gefordert, um diesen hohen Anforderungen gerecht zu werden. Erzieherinnen nun durch Tagesmütter zu ersetzen, die keine sozialpädagogische Ausbildung haben, ist nicht der geeignete Weg, um aus der bildungspolitischen Misere zu kommen. Berliner Kinder brauchen aufgrund der städtischen Wohnverhältnisse darüber hinaus auch die Kindertagesstätte samt Garten als Raum zum Spielen und Lernen.
Ulrich Thöne, Vorsitzender der GEW BERLIN: „Erst zu Beginn des Jahres sind in den Berliner Kitas 1.200 Erzieherstellen gestrichen worden. Weniger Erzieherinnen und Erzieher und größere Belastungen für Kitaleitungen tragen schwerlich dazu bei, die pädagogische Qualität in der Bildungseinrichtung Kita weiterzuentwickeln. Das ist aber dringend erforderlich, wenn Berlin aus der Bildungsmisere heraus will. Es ist müßig, über unzureichende Deutschkenntnisse von Kindern zu lamentieren, wenn gleichzeitig der Kita-Besuch eingeschränkt werden soll. Sprachförderung ist eine zentrale Aufgabe der Kindertagesstätten. Sie sollte so früh wie möglich beginnen. Dafür ist hoch qualifiziertes Fachpersonal von Nöten. Setzt der Senat die Pläne von Sarrazin, z.B. Krippenplätze durch Tagesmütter zu ersetzen, um, kann Berlin die nächsten Pisa-Ergebnisse mit Spannung erwarten.“
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