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Nr. 25/2003 | Freitag, 11. April 2003
GEW BERLIN begrüßt die Verschiebung der Oberstufenreform
Zahlreiche Rückmeldungen von Lehrkräften, Schulleitungen und pädagogischen Koordinatoren von Berliner Gymnasien, die die GEW BERLIN noch bis gestern erreicht haben und Inhalt von Gesprächen waren, stärken eindeutig unsere Position: Die Verschiebung der Entscheidung über die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur ist positiv.

Am 03.04.03 hat der Schulausschuss des Abgeordnetenhauses einer Verschiebung der neuen VOGO zugestimmt. Die GEW BERLIN begrüßt ausdrücklich, dass das Abgeordnetenhaus seine politische Aufgabe der Kontrolle der Exekutive wahrgenommen und Koalitionsrücksichten zurückgestellt hat.

Der Entwurf war von der Senatsschulverwaltung nahezu ohne Änderungen eingebracht worden, obwohl nicht nur die GEW BERLIN, sondern auch der Landesschulbeirat und sogar der Philologenverband massive und detailliert begründete Kritik daran formuliert und den Entwurf abgelehnt hatten.

Für die GEW BERLIN sind folgende Punkte entscheidend:

  • Bildungsreform muss von unten erfolgen und kann nicht am Ende der Schulzeit ansetzen.
  • Jede Reform der gymnasialen Oberstufe muss zum Ziel haben, die Zahl qualifizierter Absolventen zu erhöhen. Im vorliegenden Entwurf ist eine Unterstützung dieses Ziels nirgends zu erkennen. Im Gegenteil, die Auslese wird durch die Verkürzung der Einführungsphase, die Verdichtung des Schultages durch erhöhte Wochenstundenzahlen sowie die Einschränkung der Wahlmöglichkeiten eher verschärft. Außerdem lässt die Reform die Aufbaustufen außen vor.
  • Eine neue pädagogische Qualität ist ausschließlich in Ausgestaltung einer zusätzlichen fünften Prüfungskomponente zu erkennen; diese wird aber im Regelfall nur eine zusätzliche Prüfung sein und den Druck auf die Schüler sowie die Belastung der Schulorganisation und der Arbeitskraft der Lehrkräfte erhöhen.
  • Die vielseitig gewünschte Zeitersparnis von 2 bis 3 Monaten wird im Regelfall weder die frühere Aufnahme eines Studiums noch einer Berufsausbildung ermöglichen und rechtfertigt deswegen in keiner Weise die genannten Verschlechterungen.
  • Die Lehrkräfte sollen die während der zwei- bis dreimonatigen Verkürzungszeit entfallende Unterrichtsbelastung durch Mehrarbeit während der Vorbereitungszeit auf das schriftliche Abitur ausgleichen, wenn sie ohnehin stark belastet sind. Dies ist sicher kein Beitrag zur Qualitätsverbesserung.
  • Die erforderlichen neuen Rahmenpläne liegen noch nicht vor und werden mit heißer Nadel unter Ausschluss der öffentlichen Diskussion erstellt.


Ulrich Thöne, Vorsitzender der GEW BERLIN: „ Die Bildungsreform muss einem Gesamtkonzept folgen. Nur mit Einzelentscheidungen vorzupreschen ist der Gesamtsache nicht dienlich. Deswegen begrüßt die GEW BERLIN die Entscheidung des Schulausschusses, die eine neue Chance für inhaltliche Diskussionen eröffnet. Die GEW hält es dabei für besonders wünschenswert, dass der Senator die Möglichkeit nutzt und sich nunmehr den Argumenten der Vertreter der Lehrerschaft sowie der Schüler und Eltern stärker öffnet als den Vorstellungen einiger weniger Schulaufsichtsbeamter.“

 


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