| Wenn wir schon die Lernmittel streichen und die Eltern pro Kind pro Schuljahr mit 100,00 € zur Kasse bitten, dann brauchen wir in den Berliner Oberstufenzentren auch keine Bibliotheken mehr, müssen sich die “Sparlakaien” in der Bildungsverwaltung gesagt haben. Denn im Jahr 2004 sollen alle 10 Stellen wegfallen.
”Es ist totaler Irrsinn, erst für die Berufsschülerinnen und –schüler die Lernmittelfreiheit zu streichen und die Eltern der anderen Jugendlichen mit 100 Euro an den Lernmitteln zu beteiligen und dann die Fachkräfte für unsere OSZ - Bibliotheken wegzusparen. Die OSZ sind aufgefordert, Lernfeld-Konzeption und handlungsorientierten Unterricht entsprechend der Rahmenvorgaben der KMK umzusetzen. Wenn diese Vorgaben umgesetzt werden sollen, müssen für die Lehrenden und Lernenden die gut sortierten und gepflegten Bibliotheken erhalten bleiben. Wie sollen die Schüler/innen zu eigenständigerem Lernen gebracht werden, wenn ihnen der Zugang zur Literatur erschwert wird und sie ihre Recherchen für den Unterricht nicht mehr an den Internet-Arbeitsplätzen in den Bibliotheken machen können? Wir brauchen die Bibliotheksfachkräfte dringend, denn ohne sie werden die OSZ- Bibliotheken innerhalb kürzester Zeit nicht mehr nutzbar sein,” sagt Rosemarie Pomian, Leiterin des Referats für berufliche Bildung und Weiterbildung der GEW BERLIN.
Mit 10 Stellen werden derzeit die Bibliotheken an 14 Oberstufenzentren aufrecht erhalten, einige nur mit einer halben Stelle. Es sind einzigartige Bibliotheken, denn sie sind mit der zu dem jeweiligen Berufsfeld passenden Schwerpunktfachliteratur ausgestattet. Diese wird nicht nur gepflegt, sondern auch auf den neuesten Stand gebracht. Sie stehen allen Schüler/innen an den Oberstufenzentren zur Verfügung, den BerufsschülerInnen genauso wie den FachoberschülerInnen. Als Präsenzbibliotheken können sie von allen Berliner/innen genutzt werden, ausleihen können allerdings nur die Lehrkräfte, die anderen MitarbeiterInnen und alle SchülerInnen des jeweiligen Oberstufenzentrums.
Wer heute die OSZ-Bibliotheken schließen will, weil er sie für überflüssigen Luxus hält, sei an den Weimarer Bibliotheksdirektor Goethe erinnert, der sich in einer Bibliothek ”wie in der Gegenwart großen Kapitals” fühlte, ”das geräuschlos unberechenbare Zinsen spendet.”.
|