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Nr. 01 / 2009 | Donnerstag, 15. Januar 2009
Der Brandbrief aus Mitte: Ist jemand überrascht?
„Wir halten folgende Weichenstellungen als erste Schritte für unverzichtbar:
Verbesserungen für Schulen in sozialen Brennpunkten
  • deutliche Ausstattungsverbesserungen für Schulen in sozialen Brennpunkten in Höhe von 30% der Personalmittel zur Frequenzsenkung, für Doppelsteckung und außerunterrichtliche Aufgaben,
  • Stärkung der Schulen bei ihrer Schulentwicklung u.a. durch Fortbildung uns Supervision,
  • bevorzugte bauliche Instandsetzung mit dem Ziel attraktiver und gepflegter Schulanlagen.“

Dies ist kein aktueller Forderungskatalog; dies ist ein Auszug aus dem „Aktionsprogramm der GEW BERLIN zur Veränderung und Verbesserung der Berliner Schule“ von Juni 2001.

Die Vorsitzende der GEW BERLIN, Rose-Marie Seggelke: „Die Probleme sind wahrlich seit Jahren bekannt. Wir haben aber in Berlin eine Schulpolitik, die den Problemen hinterherläuft. Der Hinweis von Finanzsenator Sarrazin auf die im Vergleich zu anderen Bundesländern bessere Ausstattung ist nur zynisch und erklärt letztendlich die Schulleitungen und Kollegien zu den Schuldigen, weil sie trotz der ‚üppigen Mittel’ immer noch Probleme hätten. Es ist sehr einfach: Wo die Probleme besonders groß sind, muss besonders viel getan werden.“

Noch etwas hat sich in den letzten Jahren nicht geändert: das Verhalten der Verwaltungen. Genau wie der Rütli-Brief lag auch dieser Brandbrief einen Monat beim Bezirksamt; nichts geschah. Erst als er publik wurde, setzte hektische Betriebsamkeit ein. Und wenn Bildungssenator Zöllner erklärt, er habe schon vor Weihnachten den Schulleitungen einen Gesprächstermin angeboten, muss auch er sich fragen lassen, weshalb der Termin erst nach dem öffentlichen Aufschrei zustande kommt.

Rose-Marie Seggelke: „Viele der jetzt gemachten Vorschläge zeugen von Hilflosigkeit und kommen Jahre zu spät, so z.B. der Vorschlag zur Umverteilung der baulichen Mittel. Das wäre vor Jahren vielleicht noch sinnvoll gewesen; inzwischen ist der Investitionsbedarf nach jahrelanger Vernachlässigung überall gleich groß, ob es sich um ein Gymnasium in Steglitz oder eine Grundschule in Moabit handelt. Und das Hin- und Herschicken von Schülerinnen und Schülern zwischen den Bezirken, um einen sozialen Ausgleich zu schaffen, ist ebenfalls perspektivlos. Es hilft nichts: Die Schulen müssen vor Ort für das soziale Umfeld und für die Eltern so attraktiv werden, dass sie ihre Kinder gerne dort anmelden. Das kostet Geld; aber das ist die einzig langfristig sinnvolle Investition.“


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