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Schulstrukturreform: GEW BERLIN fordert ausreichende Rahmenbedingungen für das Gelingen
Vorläufige Stellungnahme der GEW BERLIN zum Gesetzentwurf

Stand: 24.06.2009 (pdf / 41 kb)

Die GEW BERLIN ist überzeugt, dass nur ein inklusives Schulsystem in der Lage ist, Chancengleichheit und hohe Leistungsfähigkeit gleichermaßen zu ermöglichen. Daher setzt sie sich mit Nachdruck für Eine Schule für alle ein.

Die GEW BERLIN unterstützt alle Bestrebungen, das Modell Gemeinschaftsschule auszuweiten und und wirbt bei den Schulen für eine Teilnahme an der Pilotphase, um die Auflösung des gegliederten Schulsystems zugunsten eine inklusiven Schulsystems auf den Weg zu bringen.

Ein auf Auslese statt Förderung gerichtetes hierarchisch gegliedertes Schulsystem benachteiligt Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten und bildungsfernen Familien, besonders wenn sie einen Migrationshintergrund haben. Es wirkt sich negativ auf die Motivation, das Selbstwertgefühl und die soziale Kompetenz der Jugendlichen aus, ohne für die notwendige größere Zahl von Absolventen mit qualifizierten Abschlüssen oder gar Spitzenleistungen zu sorgen. Aktuelle Studien zeigen erneut die fehlende Chancengleichheit im Bildungssystem. Der UN-Sonderberichterstatter stellte sogar fest, dass das deutsche Bildungssystem gegen elementare Menschenrechte verstößt.

Die negativen Folgen des Auslesesystems treten am offensichtlichsten in der Hauptschule zutage, in der systembedingt die leistungsschwächsten und sozial am meisten benachteiligten Jugendlichen konzentriert werden. Die Krise der Hauptschule ist also eine Krise des Systems. Zweifelsohne müssen die Hauptschulen abgeschafft werden, aber das alleine reicht nicht aus.

Eine Reform der Schulstruktur muss dazu führen, dass alle davon profitieren – insbesondere die Schülerinnen und Schüler. Durch die Veränderung der Schulstruktur allein kann ein Chancenausgleich nicht erreicht werden kann. Es geht auch darum, den Unterricht auf erfolgreiches Lernen in heterogenen Gruppen umzustellen und das Lernen mit individueller Förderung in den Mittelpunkt der Unterrichtsorganisation zu stellen, so dass Begabungspotenziale von Kindern aus bildungsfernen Bevölkerungsgruppen mobilisiert, Lernschwierigkeiten beseitigt und Bildungsambitionen gefördert werden können.

Schulstrukturen sind kein Selbstzweck, sondern haben in erster Linie eine der Pädagogik dienende Funktion. Für die vom Senat geplante „Entwicklung der Schulstruktur“ zu einem Zwei-Säulen- Modell gibt es keine pädagogische Begründung; ausschließlich kurzfristige taktisch-politisch Erwägungen führen zu dieser Entscheidung. Die soziale Selektion besteht auch in einem zweigliedrigen Schulsystem weiter.

Dennoch muss sich die GEW BERLIN im Interesse ihrer Mitglieder mit den durch den Berliner Senat geschaffenen Tatsachen auseinandersetzen. Ob die veränderte Schulstruktur mit Sekundarschulen und Gymnasien zu höheren Leistungen und ansatzweise zu größerer Chancengleichheit führen kann, hängt von den Rahmenbedingungen ab. Die Strukturreform darf die Lehrkräfte nicht überfordern, wenn sie Akzeptanz gewinnen will. Die Verantwortung für die Lösung der bisher noch offenen pädagogischen, personellen und finanziellen Probleme darf nicht auf die Schulen übertragen werden.

(aus dem LDV-Beschluss vom 04.06.2009)


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