Mitgliederbereich

Passworthilfe

Honorarlehrkräfte

Protestaktion der Dozent*innen an Integrationskursen am  9. März 2016 vor dem Bundesministerium des Inneren
Quelle: Christian von Polentz (transitfoto)

Protest von Deutschlehrkräften am 9. März 2016

Getrieben von Krieg und Perspektivlosigkeit kommen derzeit viele Menschen nach Deutschland. Um ihnen hier eine Perspektive zu geben, sind ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache unabdingbar. Bildung ist das A und O, darüber sind sich alle einig. Doch investieren will die Politik nichts in die Integrationskurse. Die Arbeitsbedingungen für die mehr als 20.000 Dozentinnen und Dozenten in den Deutschkursen sind schlecht. Oft leben die akademisch gebildeten Fachkräfte selbst unter prekären Bedingungen.

Auf ihre miese Lage wollen die Deutschlehrerinnen und -lehrer gemeinsam aufmerksam machen. Unter dem Motto „Prekär ist nicht fair! Gegen schlechte Arbeits- und Lernbedingungen“ schließen sich die GEW BERLIN und ver.di Berlin-Brandenburg mit Dozent*innen der Freien Träger, mit der Berliner VHS-Dozent*innen-Vertretung und der Bundeskonferenz der Sprachlehrbeauftragten (BKSL) zusammen.

Die Dozent*innen fordern einen tarifgebundenen Angestelltenstatus wie Sprachlehrer*innen an staatlichen Schulen oder mindestens eine Verdoppelung des derzeit branchenüblichen Honorars. Zudem treten sie für flexiblere Kursformate und unbürokratischen Kurszugang auch für Geflüchtete ein und fordern ein fachliches Mitspracherecht der Dozent*innen bei Einstufungen, Kursinhalten und Prüfungen.

Protestaktion der Dozent*innen an Integrationskursen am  9. März 2016 vor dem Bundesministerium des Inneren 
Quelle: Christian von Polentz (transitfoto)

Flyer Prekär ist nicht fair


(pdf | 324,95 KB)

Aufruf gegen schlechte Arbeits- und Lernbedingungen in Integrationskursen


(pdf | 49,04 KB)

Honorarlehrkräfte auf der Strasse am 21.11.2015 in Berlin

Letzte Aktualisierung: 24.11.2015

Eine Aktion gegen Unterbezahlung und mangelhafte Absicherung bei Krankheit und im Alter hat am Samstag 21. November 2015 erfolgreich stattgefunden. Dazu haben mehrere Gruppen von Honorarlehrkräften aufgerufen mit der Unterstützung von ver.di Berlin-Brandenburg und der GEW BERLIN.

Vor der Expo-Lingua, einer großen Sprachenmesse in der Friedrichstrasse in Berlin, waren gegen 12 Uhr schon zahlreiche Honorardozent*innen aus Volkshochschulen, Hochschulen, Alfabetisierung- sowie Integrationskursen, aus privaten Schulen, etc.; so konnte die Aktion anfangen.

Im Laufe der zweistündigen Aktion habe sich Musik und Reden abgewechselt. Die Samba-Gruppe der GEW hat mit Trommeln und anderen Instrumenten auch dies Mal die Honorardozent*innen effektiv unterstützt. Sie haben dafür gesorgt, dass die Teilnehmenden mitspielte, mittanzten und Spass hatten, und gleichzeitig dafür, dass die Besucher*innen der Expo-Lingua die Aktion nicht überhören konnten.

Mehrmals ist der Rap der Lehrbeauftragten ausgeführt worden. Der Slogan „Gleicher Lohn für gleich Arbeit, das ist fair“ ist nach einem neuen, effektiven Rhythmus und abwechseldn auf Deutsch und auf Englisch „Equal pay for a workig day“ skandiert worden. Zudem hat ein Saxophonquartett, das in der Klasse von Detlev Bensmann, einem Lehrbeauftragten, vier UdK-Studierenden gebildet haben, für die gesammelten Honorarlehrkräfte gespielt. Sie haben nicht nur gut gespielt, sondern sie haben damit auch Solidarität zu ihrem Dozenten gezeigt.

Es gab mehrere Redebeiträge. Vertreter*innen der Gruppen der Honorarlehrkräfte haben die eigene Situation und Ziele sowie die Gemeinsamkeiten aller Honorarlehrkräfte dargestellt. Bei den Dozent*innen an den Volkshochschulen, Musikschulen und am Goethe-Institut ist der Kampf für einen Tarifvertrag angesagt, aber die Gegenseite, jeweils der Berliner Senat und der Vorstand des Goethe-Instituts, verweigern sich zu verhandeln. Vertreter*innen der Musik- und Sprachlehrbeauftragten sowie von Berlin LW GAS (Freelance Language Workers) haben auf die Lage und die Erwartungen ihrer Gruppen hingewiesen.

Es gab auch Solidaritätsbeiträge von drei Kolleg*innen aus der Initiative „Keine prekäre Arbeit und tariffreien Bereiche im Verantwortungsbereich des Landes Berlin“. In vielen Arbeitsbereichen verursacht die Politik des Berliner Senats Tarifflucht, Lohndumping und ungesicherte Arbeitsverhältnisse; das geschieht im Bildunsgbereich, aber auch in den Krankenhäusern, in den sozialen und pädiatrischen Diensten, am botanischen Garten, am technischen Museum etc.

Zuerst hat die Aktion auf dem Bürgersteig stattgefunden; mit der Polizie war vereinbart, dass wären die Teilnehmenden zahlreich genug, die Polizei die Strasse blockieren würde. Gegen 13 Uhr waren sie über ein Hundert und so konnte das Saxophonquartett mitte auf der Friedrichstrasse spielen. Anschließend hat sich eine Ringeltanz nach dem Rhythmus von „Gleicher Lohn für gleich Arbeit“ entwickelt.

Schon vor und dann während der Aktion haben einige Kolleg*innen Flyer der diversen Gruppen verteilt. Als es gegen 13:45 Uhr nach leichtem Regen aussah, waren noch wenige Flyer auf dem Tisch übrig, die geräumt werden sollten.

Mit den Aktionen am 5.10.15 (Weltlehrertag) und vor der Expo-Lingua am 21.11.15 haben die Honorarlehrkräfte in Berlin eine Kampagne gegen die niedrigen Honorare und die mangelhafte Absicherung bei Krankheit und im Alter gestartet. Der Weg ist sicher noch lang und nicht leicht, aber es ist gut, dass viele Kolleg*innen gezeigt haben, zusammen halten zu wollen.

Weitere Infos zur Situation der Honorarlehrkräfte und der Lehrkräfte in der Weiterbildung

Honorarlehrkräfte protestieren gegen skandalöse Unterbezahlung

Informationen auf den Seiten des GEW-Hauptvorstandes

Schwarzbuch 2: Arbeit in Integrationskursen

Der Hauptvorstand der GEW hat ein neues Schwarzbuch Weiterbildung zum Thema Prekäre Beschäftigung in Integrationskursen unter dem Namen "Schwarzbuch 2: Arbeit in Integrationskursen" Ende September 2012 veröffentlicht. Schon in ihrem ersten Schwarzbuch zur Beschäftigungssituation in der Weiterbildung von 2010 wurden prekäre Arbeitsverhältnisse im staatlich organisierten Weiterbildungsbereich aufgezeigt und bessere Rahmenbedingungen für die Weiterbildung gefordert.
 
Im nun vorliegenden Schwarzbuch weist die GEW auf den Skandal hin, dass die Lehrkräfte, die für die Vermittlung der deutschen Sprache für Migrantinnen und Migranten im Rahmen der Integrationskursverordnung (IntV) tätig sind, selbst ins soziale Abseits gedrängt werden. Dieses Unrecht geschieht in staatlicher Regie auf Bundesebene, denn die Steuerung der Integrationskurse erfolgt durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), das wiederum den Weisungen des Bundesinnenministeriums (BMI) zu folgen hat.
 
Warum von sozialem Abseits gesprochen werden kann, wird in diesem Schwarzbuch nachgewiesen und zwar von denjenigen, die selbst in Integrationskursen arbeiten: Für ihre Arbeit in Integrationskursen erhalten akademisch qualifizierte Lehrkräfte Vergütungen am Rande des Existenzminimums, ohne soziale Absicherung durch den staatlichen Auftraggeber, eine eklatante Ungerechtigkeit im Vergleich zu anderen Lehrkräften im öffentlichen Dienst! Altersarmut ist vorprogrammiert. Ungerecht ist auch, dass die pädagogische Arbeit in Integrationskursen ähnlich reglementiert ist, wie im staatlichen Schulsystem und dennoch am freiberuflichen Status der Lehrkräfte festgehalten wird, auch bei vollberuflichem Einsatz. Dagegen wurde schon mehrmals geklagt, wie letztlich in Schleswig-Holstein. Dieses Gerichtsverfahren wird im Schwarzbuch 2 dargestellt und der freiberufliche Status der Lehrkräfte aus juristischer Sicht kritisiert.
 
Die betroffenen Lehrkräfte wehren sich, gemeinsam und mit gewerkschaftlicher Unterstützung. Sie erheben ihre Stimme, machen Aktionen, wenden sich an politisch Verantwortliche, bis hin zum Bundespräsidenten und zur Bundeskanzlerin. Auch darüber und über die konkreten Forderungen zur Verbesserung der Situation informiert das Schwarzbuch 2.
 
Die GEW will mit ihrem aktuellen Schwarzbuch sowohl die parlamentarischen Initiativen im Deutschen Bundestag unterstützen, die Lage der Lehrkräfte in Integrationskursen zu verbessern, sowie die verantwortlichen Entscheidungsträger auffordern, die skandalöse Unterbezahlung und soziale Unsicherheit für die Lehrkräfte in Integrationskursen endlich zu beenden. Auch die Bildungsträger sollten ein Interesse daran haben, ihren Lehrkräften gute Arbeitsbedingungen zu bieten.