Senator Zöllner hat zum Jahresbeginn mitgeteilt, dass er zur Bewältigung des Erzieher-Fachkräftebedarfs QuereinsteigerInnen aus handwerklichen Berufen für die Kitas (und vielleicht auch die Schulen?) anwerben möchte. Dieses sei nach Zöllner keine Notlösung sondern eine pädagogisch sinnvolle Erweiterung der Möglichkeiten, Erfahrungen unterschiedlicher Menschen für die sozialpädagogische Arbeit mit den Kindern zu nutzen.
Die GEW BERLIN sieht das sehr kritisch.
Es hat sich in der Fachwissenschaft längst durchgesetzt, dass die Anforderungen der sozialpädagogischen Tätigkeit in der Kita und der Schule (Stichwort: Bildungsprogramme) derart verändert haben, dass die bisherige landläufige Fachschulausbildung für ErzieherInnen nicht ausreichend ist; alle ExpertInnen im Bereich der frühkindlichen Bildung und Erziehung fordern perspektivisch eine akademische Ausbildung für ErzieherInnen.
Eine höhere Qualifizierung der ErzieherInnen ist also das Ziel und nicht die Dequalifizierung oder Aufsplitterung des Berufsfeldes in verschiedene „Haupt- und Hilfstätigkeiten“ wie AssistentInnen, PflegerInnen, HelferInnen, Unausgebildete oder Teilausgebildete. Die besonderen Erfahrungen von Menschen, die andere als einschlägige sozialpädagogische Ausbildungen haben, in den Kitas oder den Schulen sinnvoll zu nutzen, ist die eine Seite des Problems. Dagegen spricht nichts, da es in der Arbeit der sozialpädagogischen Fachkräfte ergänzend und bereichernd sein kann, handwerkliche, künstlerische oder sonstige Fähigkeiten in den Alltag der Kita oder Schule sinnvoll zu integrieren.
Darum geht es hier allerdings nicht!
Die „QuereinsteigerInnen“ sollen nicht zusätzlich in den Einrichtungen arbeiten, sondern als sozialpädagogische Fachkräfte. Noch sind genaue Details nicht bekannt; aus Sicht der GEW BERLIN ist es allerdings zwingend erforderlich, dass vom bisherigen Ausbildungsniveau keine Abstriche gemacht werden und die in Frage kommenden Personen nicht von Beginn der (berufsbegleitenden) Ausbildung an, auf den Personalschlüssel angerechnet werden dürfen.
Die zweite Seite des Problems ist die Tatsache, dass Senator Zöllner wie so oft zu spät und unzureichend reagiert.
Vor einem guten Jahr hat die GEW BERLIN vor dem schon damals zu erwartenden Fachkräftemangel in Kitas und Schulen gewarnt – die Senatsverwaltung hat noch Anfang 2009 behauptet, es gäbe diesen Mangel nicht und er sei auch nicht zu erwarten. Die Reaktionen auf die zu spät erlangte Erkenntnis erfolgten entsprechend auch zu spät – der Ausbau der Kapazitäten der Ausbildung hätte vor Jahren erfolgen müssen; dann stünden die ausgebildeten Fachkräfte jetzt zur Verfügung.
Das Grundproblem des ErzieherInnenberufs bearbeitet Zöllner wiederum nicht:
ErzieherInnen sind gemessen an ihren Aufgaben notorisch unterbezahlt und sie arbeiten in gesundheitlich belastenden Situationen oftmals gegen ihren Willen in Teilzeit und/oder befristeten Arbeitsverhältnissen. Hier endlich einmal sinnvoll zu agieren als zuständiger Senator heißt, den ErzieherInnen unbefristete Vollzeitverträge anzubieten und das Gehalt deutlich zu erhöhen. Die zur Zeit stagnierenden Tarifverhandlungen in Berlin bieten Zöllner eine Chance, sich endlich einmal deutlich zu erklären. Perspektivisch ist das ein probates Mittel gegen den wachsenden Fachkräftemangel.
Klaus Schroeder