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Jahrgangsübergreifendes Lernen: Vorstellung des Schulversuchs
Letzte Aktualisierung: 15.01.1999
Ansprechpartner/in bei Rückfragen: Sabine Dübbers (030 / 219993-57)




Die Ausschreibung für den Modellversuch (pdf / 78 kb)

Erläuterungen zum Modellstart (pdf / 78 kb)



Der Aufruf zum Modellversuch (aus blz 01/1999)
Schon sehr ungewöhnlich und etwas einzigartig Neues: Die GEW BERLIN schreibt einen pädagogischen Modellversuch aus! Ist es denn nicht die Aufgabe der Senatsschulverwaltung, sich für pädagogische Innovation einzusetzen? Müssen sich nicht die Schulen selbst um die Durchsetzung reformpädagogischer Ansätze bemühen und diese gegenüber der Senatsschulverwaltung durchsetzen  

Wir in der GEW BERLIN wissen, wie engagiert und veränderungsbereit in vielen Berliner Schulen gearbeitet wird. Wir wissen aber auch, daß nur zu oft Schulen an den hohen Hürden der Bürokratie gescheitert sind. Wir wissen, wie schwierig die Durchsetzung eines Modellversuches sein kann und wieviel schwieriger noch die zufriedenstellende Klärung der Ressourcenfrage ist.

Deshalb hat die GEW BERLIN in monatelangen Gesprächen auch unter Einbeziehung der Senatsschulverwaltung und der HdK den Modellversuch "Grundschule mit jahrgangsübergreifenden Lerngruppen" erarbeitet. Mit Hilfe dieser Vorgabe können Grundschulen wagen, was es bisher nur an der Peter-Petersen-Schule und an der Clara-Grunwald-Schule gibt: die Heterogenität durch jahrgangsübergreifendes Lernen als Chance zur Veränderung von Schule nutzen.
Um einem Missverständnis vorzubeugen: Die GEW BERLIN ist nicht etwa der Meinung, alle Berliner Grundschulen müssten jetzt jahrgangsübergreifend organisiert werden. Wir wollen vielmehr Schulen, die in diese Richtung bereits denken oder auf der Suche nach einem reformpädagogischen Ansatz sind, Hilfe und Unterstützung geben. Denn an dem beschriebenen Modellansatz können sie sich orientieren. Die Festsetzung zusätzlicher Lehrerstunden erfolgt in einem Projektvertrag zwischen der Senatsschulverwaltung und der beteiligten Schule (siehe Brief der Schulsenatorin Stahmer). Die Zahl der pädagogisch notwendigen zusätzlichen Lehrerstunden wurde mit dem Grundschulreferat der Senatsschulverwaltung abgestimmt. Die erforderlichen Informationen sind bei der GEW BERLIN zu erhalten, so dass die Schulen im Vorfeld den Gestaltungsrahmen kennen.

Die GEW BERLIN will mit der Ausschreibung dieses Modellversuchs anknüpfen an die Tradition, Motor der pädagogischen Entwicklung zu sein und bildungspolitisch Einfluss zu nehmen. Einen solchen Modellversuch im Konsens mit der zuständigen Senatsverwaltung, der HdK und dem BIL auszuschreiben, ist jedoch ein völlig neuer gewerkschaftlicher Ansatz. Auch auf Bundesebene gibt es hierfür kein Beispiel.  

Natürlich stellt sich die Frage der Legitimation. Hat es die Senatsschulverwaltung nötig, bildungspolitische Reformen von der GEW BERLIN anstoßen zu lassen? Ist es überhaupt die Aufgabe einer Bildungsgewerkschaft, sich so konkret um die Durchsetzung pädagogischer Reformen zu bemühen und bereits im Vorfeld materielle Rahmenbedingungen zu sichern? "Dürfen" der Arbeitgeber Schulverwaltung und die Gegenmacht GEW überhaupt im Interesse der Schulen im Konsens vorgehen?

Ich verstehe dieses Projekt als Versuch, solidarische Interessenvertretung auf dem schwierigen Feld pädagogischer Schulentwicklung zu leisten. Dabei hoffe ich, dass hierüber die Diskussion geführt wird und fände es toll, mit dieser Vorleistung Schulen konkrete Hilfen gegeben zu haben.

Erhard Laube

(Fotos: H. Greif-Groß (Peter-Petersen-Schule/Berlin-Neukölln)

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