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Schulkritik:

Unsere Schulkritik hat zwei Perspektiven: Erstens kritisieren wir die schulischen Rahmenbedingungen, die Struktur des Bildungswesens und seine ungenügende Finanzierung. Bei vielen SchülerInnen und Studierenden gibt es eine Überlastung aufgrund steigender Zahl von Unterrichts- bzw. Semesterwochenstunden und von Leistungsüberprüfungen. Lernen wird durch Leistungsdruck und Benotung nicht unterstützt, sondern verhindert. Ein Anfang für eine strukturelle Verbesserung unseres Bildungssystems wäre die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems - besonders des elitären Gymnasiums. Handlungsbedarf sehen wir auch in Bezug auf die zunehmende Privatisierung von Bildung. Der Einzug des "Marktdenkens" im Bildungswesen bei gleichzeitigem Rückgang der staatlichen Verantwortung vollzieht sich auf vielen Ebenen und in steigender Geschwindigkeit.
Die zweite Perspektive unserer Schulkritik bezieht sich auf die konkrete Arbeit von LehrerInnen. Wir hinterfragen unsere persönliche Bildungs- und Unterrichtspraxis und prüfen diese beispielsweise im Hinblick auf die Möglichkeit der Mitbestimmung aller Beteiligten, insbesondere der SchülerInnen.

Die Umstrukturierung der Hochschulen:

Die Durchsetzung des "Bolognaprozesses", für den vor allem neue, international nicht kompatible Studienordnungen ("Bachelor" und "Master") und der schrittweise Abbau der sowieso geringen studentischen Mitbestimmung charakteristisch ist, führt zu einer schleichenden Zerstörung der akademischen Bildung. In der LehrerInnenausbildung in Berlin sind die Zustände besonders übel. Die meisten angehenden LehrerInnen absolvieren nur noch einjährige Masterstudiengänge und werden anschließend durch ein einjähriges Referendariat gehetzt. Die Qualität der Ausbildung bleibt dabei auf der Strecke.

Arbeitszeit (-verteilung):

Der Trend ist, dass ArbeitnehmerInnen für immer weniger Geld immer länger arbeiten müssen. Dadurch werden die Profite der Konzerne, die Kürzungen in den öffentlichen Haushalten oder aktuell die Rettung maroder Banken und Unternehmen finanziert. Besonders massiv zeigt sich diese Tendenz in zunehmend prekären Beschäftigungsverhältnissen in den Schulen und Hochschulen, aber auch im außerschulischen Bildungsbereich. Konkret bedeutet diese Entwicklung eine Verschlechterung der Qualität von Bildung und noch weniger Möglichkeiten, im Bildungsprozess auf individuelle Bedürfnisse einzugehen.
Die Verlängerung von Arbeitszeit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse führen letztlich auch zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit, weil immer weniger Menschen für immer weniger Geld immer mehr Arbeit leisten müssen.

Arbeits- und Einkommensbedingungen angestellter Lehrkräfte in Berlin

Am 16. Februar 2012 haben Mitglieder der jungen GEW Berlin mit Mitgliedern der Gruppe "Bildet Berlin" über Arbeits- und Einkommensbedingungen angestellter Lehrkräfte diskutiert. Diskussionsgrundlage waren die "Überlegungen" der GEW BERLIN

und das Manifest von "Bildet Berlin". Die Junge GEW begrüßt die Initiative von "Bildet Berlin", auch wenn wir in einigen wichtigen Fragen nicht mit dem Manifest einverstanden sind. Wir kritisieren die Einseitigkeit des Manifests, das sich ausschließlich auf Entgeltfragen bezieht und andere Probleme (besonders die übergroße Arbeitsbelastung an Schulen) nicht erwähnt. Die Verbeamtung von Lehrerinnen und Lehrern sehen wir grundsätzlich sehr kritisch, da Beamte auf zentrale Bürgerrechte verzichten müssen und keinen Beitrag zur Sozialversicherung leisten.

In vier Punkten bestand am 16. Februar Einigkeit unter allen Diskutierenden:

  • Der Gehaltsunterschied zwischen angestellten und verbeamteten Lehrkräften muss dauerhaft und verlässlich ausgeglichen werden. Angestellte Lehrkräfte dürfen nicht vom Arbeitsbeginn bis zur Verrentung in der gleichen Gehaltsstufe hängen bleiben. Wenn möglich, muss es eine tarifliche Lösung geben.
  • Die GEW BERLIN hat mit ihren "Überlegungen zur Verbesserung der Einkommens- und Arbeitsbedingungen für angestellte Lehrer/innen" bereits 2009 umfassende Vorschläge gemacht. Seitdem hat sie viel zu wenig getan, um die Überlegungen in der Praxis durchzusetzen. Die Interessen junger Lehrkräfte wurden bisher in der Strategie der GEW zu wenig berücksichtigt.
  • Junge Lehrkräfte sind momentan in den Gremien der GEW BERLIN und besonders in der Tarifkommission stark unterrepräsentiert. Es wurden aber bereits erste Schritte unternommen, um das zu ändern.
  • Auch wenn es verschiedene Meinungen in einzelnen Fragen gibt,dürfen wir uns nicht spalten lassen. Für gemeinsame Anliegen wollen wir gemeinsam kämpfen.