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Nr. 29 / 2004 | Mittwoch, 22. September 2004
Zur OECD-Studie "Attracting, Developing and Retaining Effective Teachers"
Es stimmt, deutsche Lehrerinnen und Lehrer sind zu alt. Das gilt auch für Berlin. Hier liegt das Durchschnittsalter der Lehrkräfte inzwischen bei knapp 50 Jahren. Den Kolleginnen und Kollegen kann man das nicht vorwerfen, wohl aber den für die Bildungspolitik Verantwortlichen. So sind in den letzten zehn Jahren in Berlin durch pädagogische Verschlechterungen und Arbeitszeitverlängerungen in Berlin ca. 7 500 Neueinstellungen von jungen Lehrkräften verhindert worden.

Richtig ist auch, dass sich ein hoher Prozentsatz der Berliner Lehrerinnen und Lehrer psychisch überfordert fühlt. Wie in allen Berufsgruppen nimmt die Belastbarkeit mit steigendem Alter auch bei den Lehrkräften eher ab als zu.

Teuer sind sie auch, die alternden Berliner Lehrkräfte, teurer jedenfalls als die jüngeren, da das Einkommen mit dem Lebens- und Dienstalter nicht sinkt, sondern steigt. Die OECD hat aber LehrerInnengehälter im Eingangsamt miteinander verglichen. Sie ist ausdrücklich nicht auf Zulagen oder Alterszusätze eingegangen.

Sollten die Berliner Lehrkräfte tatsächlich fortbildungsunwillig sein, muss das Fortbildungsangebot unter die Lupe genommen werden. Wird hier zur richtigen Zeit von den richtigen Menschen das angeboten, was Lehrkräfte brauchen? Über 90 % aller Fortbildungen werden außerhalb der Unterrichtszeit angeboten. Wir wissen, dass Lehrkräfte durchaus bereit sind, am Wochenende oder in den Ferien z. B. an Computerkursen teilzunehmen. Allerdings werden viele von ihnen wegen fehlender Plätze abgewiesen. Und schließlich zur Arbeitszeit: Die Untersuchungen der Arbeitgeber haben immer wieder klargestellt: Im Vergleich zu allen anderen Beschäftigtengruppen im öffentlichen Dienst und der freien Wirtschaft arbeiten die Lehrerinnen und Lehrer recht lange. Für alle LehrerInnengruppen gilt: Die wöchentliche Arbeitszeitbelastung unter Einrechnung von Ferien und Feiertagen liegt deutlich über 40 Stunden die Woche.
 
Ulrich Thöne, Vorsitzender der GEW BERLIN: „Man kann die Diskussion um die Bildungsmisere in Deutschland – und auch in Berlin – auf zwei Arten führen. Man sucht nach den Sündenböcken oder man sucht nach konstruktiven Lösungen. Wir sind für die zweite Variante. Gegen die Überalterung der Lehrerkollegien helfen nur massive Neueinstellungen junger Kolleginnen und Kollegen. Sie in den kommenden Jahren in ausreichender Zahl zu finden, wird schwer genug. Wer jetzt die Lehrerinnen und Lehrer für die Missstände im Bildungssystem verantwortlich macht, trägt dazu bei, dass der Lehrerberuf noch unattraktiver wird.“

 


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