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Nr. -- | Montag, 4. Oktober 2004
Horte - Zukunft oder Chaos

Gemeinsame Presseerklärung von Büdnis 90/Grüne, DaKS, GEW BERLIN, LEAK und VER.DI


Bündnis 90/Grüne, Dachverband Kinder- und Schülerläden (DakS), GEW BERLIN, Landeselternausschuss Kita (LEAK), und ver.di  nehmen Stellung zu dem drohenden Qualitätsverlust in der Ausgestaltung der künftigen Platzangebote für Kinder im Grundschulalter:
Nach den Vorstellungen des Berliner Senats sollen die Kita-Hortplätze zum 1.08.05 an den Schulbereich übertragen werden. An allen Berliner Grundschulen soll die verlässliche Halbtagsgrundschule (VHG) mit Öffnungszeiten von 7:30 bis 13:30 Uhr eingeführt werden. Zusätzlich zur VHG soll es unterschiedliche Hortangebote wie Früh-/ Spät- und Nachmittagsbetreuung (offener Ganztagsbetrieb/OGB) geben. Außerdem werden an 35 Grundschulen insgesamt für nur 75 Züge Gebundene Ganztagsgrundschulen eingerichtet.

Zielvorgabe des Senats ist es, diese Umstrukturierung kostenneutral zu gestalten. Das ist nach unserer Auffassung ohne erhebliche Qualitätsverluste nicht möglich, da mit denselben Mitteln künftig nicht nur die Ganztagsangebote in gebundener oder offener Form finanziert werden sollen, sondern auch noch die für alle Kinder verbindliche VHG. Außerdem ist mit einem Bedarfsanstieg an Hortplätzen zu rechnen.

Um die Zielvorgabe „Kostenneutralität“ erfüllen zu können, muss die Personalausstattung mit ErzieherInnen für den Hort verschlechtert werden. Aus dem bisherigen Personalschlüssel ( 1 Erzieherin – 22 Kinder) soll die Personalausstattung für die VHG herausgerechnet werden. Besonders erschreckend ist, dass die bisherige Personalausstattung der Kitahorte für die Integration behinderter Kinder, Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache sowie für Kinder aus sozial belastenden Gebieten in den Schulen noch nicht sichergestellt ist.

An vielen Schulen kann nicht gewährleistet werden, dass für die sozialpädagogischen Angebote geeignete Räume zur Verfügung stehen. Doppelraumnutzung wird an der Tagesordnung sein.

Der Umstrukturierungsprozess verläuft im Chaos. Bestehende Kita- und Hortstrukturen werden zerstört, ohne dass das Neue inhaltlich konzeptionell entwickelt ist. Noch ist nicht geklärt, wie die Angebote personell und räumlich ausgestattet sein werden, wie die Finanzierung der Träger gestaltet sein wird, ob auch kleine Träger weiterhin Angebote machen können, wie ausreichend Platzangebote in den verschiedenen Regionen gewährleistet sein können, ob es eine gesunde Ernährung geben wird. Trotzdem soll die Übertragung der Hortplätze auf den Schulbereich mit dem 1. August 2005 stattfinden.

Um die in der Jugendhilfe vorhandene Qualität der Hortplätze erhalten zu können, fordern wir:

  • Das Tempo muss aus dem Umstrukturierungsprozess genommen werden. Die Übertragung der Horte auf die Schulen ist mindestens um ein Jahr zu verschieben.
  • Die in der Jugendhilfe bestehenden personellen und räumlichen Standards müssen auch in den Schulen erhalten bleiben.
  • Die Integration behinderter Kinder muss durch den Erhalt kindbezogener Zuschläge gesichert werden.
  • Ein gemeinsam entwickeltes inhaltliches Konzept der Zusammenarbeit von Schul- und Sozialpädagogik muss Voraussetzung für die geplante Umstrukturierung sein.
  • Die Elternbeteiligung und Elternvertretung muss gesichert und ausgebaut werden.
  • Die Zielvorgabe der Kostenneutralität muss modifiziert werden. Eine quantitative Ausweitung des Angebotes darf nicht zu Lasten der Qualität gehen. 

AnsprechpartnerInnen bei Rückfragen:
Elfi Jantzen (Bündnis 90/Grüne)  Tel.: 2325 2414
Klaus Schroeder (GEW BERLIN)  Tel.: 015114257300
Robert Podolski (LEAK)   Tel.: 017624111167
Heidrun Westkemper (ver.di)  Tel.: 8866 5354
Roland Kern (DakS)   Tel.: 2529 13 00


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