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Nr. 02 / 2006: Gegen hohe Arbeitsbelastung und Mobbingquoten

Gegen hohe Arbeitsbelastung und Mobbingquoten

Mit Gefährdungsanalysen könnten frühzeitig Belastungen erkannt werden.

von Ulrike Eichinger, Fachgruppe Kinder-, Jugend- und Sozialarbeit

Alle ArbeitgeberInnen sind gesetzlich nach den Paragrafen 5 und 6 Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, regelmäßig die Arbeitsplätze hinsichtlich ihrer körperlichen und psychosozialen Belastungsmomente zu beurteilen. Ziel ist es, Belastungen festzustellen und die Ergebnisse im Betrieb bekannt zu machen, um anschließend Maßnahmen zur Reduzierung dieser Belastungsmomente entwickeln zu können. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen soll regelmäßig überprüft werden. Eine Gefährdungsanalyse ist somit ein zentrales Instrument für die Arbeitgeberlnnen, den Betriebsrat oder Personalrat und die KollegInnen, um Arbeitsbelastungen zu erkennen und zu reduzieren. Leider zeigen Untersuchungen, dass sich dieses Instrument noch längst nicht in allen Branchen etabliert hat. Dies ist umso erstaunlicher, wenn man berücksichtigt, dass Berufsgenossenschaften nur verpflichtet sind, für Folgekosten aufzukommen, wenn das Arbeitsschutzgesetz eingehalten wurde. Im Dienstleistungsbereich sowie grundsätzlich in kleinen Betrieben, in denen es z.B. keine Betriebsräte gibt, ist der Handlungsbedarf besonders hoch. Auffällig ist, dass trotz hoher Arbeitsbelastung, wie sie in der Kinder-, Jugendhilfe und Sozialarbeit Alltag ist, der Einsatz von Gefährdungsanalysen nicht verstärkt wird. Dabei gilt dies Berufsfeld aufgrund der Mehrfachbelastung durch Faktoren wie ungünstige Arbeitszeiten, hohe Verantwortung, Zeitdruck und Arbeitsverdichtung als überdurchschnittlich belastend. SozialarbeiterInnen weisen laut einer Studie der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) Belastetheitswerte von etwa 25 Prozent über dem Bevölkerungsdurchschnitt auf.

Gefährdungsanalysen können weiter ein Instrument sein, um Mobbingrisiken zu erkennen und zu entschärfen. Diese nehmen bei Umstrukturierungen, wie sie derzeit im sozialen Dienstleistungssektor stattfinden, zu. Mobbing wird u.a. durch unklare Aufgaben und Verantwortungsteilung sowie durch mangelhaftes Führungsverhalten (z.B. untransparente Entscheidungen, geringe Mitarbeiterbeteiligung bei konzeptionellen Fragen, fehlende konstruktive Konfliktbewältigungsstrategien) sowie Konkurrenzverhalten und das Äußern unerwünschter Kritik befördert. Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin stellt fest, dass SozialarbeiterInnen bzw. SozialpädagogInnen ein 2,8faches Mobbingrisiko tragen im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt der ArbeitnehmerInnen. Zu Mobbing zählen Handlungen, die über einen längeren Zeitraum Kommunikation manipulieren, indem sie die Möglichkeiten, sich zu äußern, einschränken oder stetige Kritik an der Arbeit oder am Privatleben von Mitarbeitenden geübt wird. Weiterhin, wenn verleumdet wird und Gerüchte verbreitet werden oder keine oder disqualifizierende Arbeitsaufgaben für Mitarbeitende bestimmt werden.

Unklare Rechtslage

Es gibt keine formalen Richtlinien, die vorschreiben, wie eine Gefährdungsanalyse zu gestalten ist. Bekannt ist jedoch, dass der Einsatz und Erfolg des Instruments u.a. von einer positiven Haltung der ArbeitgeberInnen zum Gesundheitsschutz und zu einer nachhaltigen Personalpolitik begünstigt wird. Außerdem sind ein engagierter Betriebsrat, der durch eine externe Beratung unterstützt wird, und das konsequente Einbeziehen der MitarbeiterInnen wichtig für eine erfolgreiche Umsetzung. Vermutlich gibt es noch große Unkenntnis, was die rechtlichen Handlungsmöglichkeiten in diesem Zusammenhang angeht. Diese gilt es Stück für Stück zu verringern und gewerkschaftliche Strukturen zu schaffen. Auch sind KooperationspartnerInnen bei den zuständigen Berufsgenossenschaften zu suchen, die diesen Prozess unterstützen. Herzstück jedoch können und sollten die MitarbeiterInnen und die Personal- bzw. Betriebsräte aus der Praxis sein, die den Einsatz dieses Instruments einfordern und den Prozess konstruktiv begleiten.


Literatur: Ahlers, Elke, Brussig, Martin: Gefährdungsanalysen in der betrieblichen Praxis. In: WSI Mitteilungen 9/ 2005. Muschkutat, Stackelbeck, Langenhoff: Der Mobbing Report. Eine repräsentative Studie für die Bundesrepublik Deutschland. Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2002. Nolting, Berger, Niemann u.a.: BGW-DAK-Stress- Monitoring 2001. Überblick über die Ergebnisse einer BGW-DAK-Studie zum Zusammenhang von Arbeitsbedingungen und Stressbelastung in ausgewählten Berufen 2001.

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