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Nr. 05 / 2006: Verlorene Arbeitsplätze

Verlorene Arbeitsplätze

Zur Krise der sozialen Arbeit in Deutschland.

von Herwig Grote, Fachgruppe Kinder-, Jugendhilfe und Sozialarbeit

Das 20. Jahrhundert war eine Erfolgsgeschichte der sozialen Arbeit. Durchaus im Konflikt mit den herrschenden Verhältnissen begehrte diese, hinsichtlich ihrer Motivation und ihrem Handlungsverständnis in sich zerrissene Berufsgruppe von Sozialarbeitern und Sozialpädagogen, in den sechziger und siebziger Jahren erfolgreich auf.

Noch in der Mitte der neunziger Jahre gab es für diese Berufsgruppe, auch infolge des Nachholbedarfs in den östlichen Bundesländern, eine durchaus günstige Lage am Arbeitsmarkt.

Freie Stellen sind Mangelware!

Damit ist es nun und wohl auch auf Dauer vorbei. Bereits Ende der neunziger Jahre war in den neuen Bundesländern ein erheblicher Rückgang von Arbeitsplätzen zu verzeichnen. Die teils gravierenden Haushaltskürzungen, in Berlin ab dem Jahr 2003, bewirkten ein Übriges. Nun ist auch der Arbeitsmarkt in den westdeutschen Ballungsgebieten, den Städten mit erheblichen sozialen Brennpunkten, eingebrochen.

Im Jahr 2004 stieg die Zahl der Arbeitslosen dieser Berufsgruppe um 16,2 Prozent auf 10.000 gemeldete Arbeitslose und das Stellenangebot sank im gleichen Zeitraum um 31 Prozent. Jährlich verlassen 9.000 Absolventen die Fachhochschulen. Da der Arbeitsmarkt sie kaum aufnehmen kann, wird für sie die Schwelle zur Berufstätigkeit unüberbrückbar.

Haushaltspolitik vernichtet Arbeitsplätze

Die 68er Pioniergeneration kann bei vergleichsweise günstigen Beschäftigungsbedingungen innerhalb des öffentlichen Dienstes ihrem Ruhestand gelassen entgegen sehen. Folge des seit Anfang 1990 fast durchgängigen Einstellungsstopps ist jedoch nicht nur die Überalterung im öffentlichen Dienst, sondern auch, dass Arbeitssuchende nur noch eine Chance auf einen Arbeitsplatz bei den freien Trägern der Wohlfahrtspflege haben. Diese geraten aber durch die immer stärker um sich greifende rigide Haushaltspolitik der öffentlichen Hand ebenfalls unter Druck.

Durch die weitgehend fehlende Tarifbindung der freien Träger, führt der Überschuss von zum großen Teil hochqualifizierten Fachkräften zu allen Formen des Sozialdumpings und des Abbaus von arbeitsvertraglichen Rechten. Bedenklich ist auch die Zunahme von schlecht vergüteten Honorar- und Zeitverträgen. Eine Trendwende ist nicht in Sicht, wenn auch die Arbeitsmarktdaten für 2005 mit Spannung erwartet werden. Mit Ausnahme der Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und mit Einschränkung auch Hessen, wo sich der Arbeitsmarkt noch relativ gut präsentiert. In allen anderen Bundesländern wird zur Stabilisierung der Haushaltslage entgegen aller Vernunft auch in Innovationsbereichen wie z.B. der Schulsozialarbeit erheblich gespart werden.

Betroffen sind wieder einmal hauptsächlich Frauen, die in diesem Arbeitsfeld rund 75 Prozent der Beschäftigten stellen. Absehbar ist auch, dass eine zunehmende Zahl von Fachkräften nur im Bereich der Arbeitsförderung eine Chance auf Beschäftigung haben wird. Damit ist eine weitere Krisenspirale für diese Berufsgruppe eröffnet.

Wie lange wollen wir uns diese Sparerei noch leisten? Bis Schulen nur noch unter Polizeischutz betreten werden können? Oder bis in den sozialen Brennpunkten unserer Städte Häuser und Autos brennen? Wir sind nicht mehr weit von solchen Szenarien entfernt, mancherorts gibt es sie schon.

 Informationen zu den Arbeitslosenzahlen unter: www.arbeitsagentur.de/content/de

 

 

 

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