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Nr. 09 / 2007: Wozu Profession - es zählt immer weniger

Wozu Profession – sie zählt immer weniger

Zur prekären Beschäftigungssituation im sozialen Bereich.

von Andreas Kraft, Vorsitzender der Fachgruppe Kinder-, Jugendhilfe und Sozialarbeit

Obwohl die Sozialbranche in den vergangenen Jahren auf Wachstumskurs war, gelten soziale Dienstleistungsberufe als „Zukunfts- und Risikoberufe“ zugleich.

Die Beschäftigung im Sozialbereich unterlag in den vergangenen Jahrzehnten einem ständigen Wandel. Das betrifft die Anzahl der Arbeitsplätze, Arbeitszeitregelungen, Arbeitsinhalte sowie Qualitätsanforderungen und nicht zuletzt die Entlohnungssituation. Der politische Deregulierungsdruck auf die Branche erhöht in den letzten Jahren die Geschwindigkeit des Wandels. Das hat zur Folge, dass sich ein Vorzeichenwechsel in der Beschäftigungspolitik der Unternehmen im sozialen Bereich vollzieht. Dies wiederum führt zu einer zunehmenden Verunsicherung bei den Unternehmen und vor allem bei den beschäftigten KollegInnen.

Betrachtet man die Stellenzahlen im Bereich der Sozialarbeiter und Sozialpädagoginnen, so haben sie sich zwischen 2000 und 2005 von 16.659 Stellen auf 8.666 fast halbiert. Schon seit einigen Jahren lässt sich feststellen, dass zunehmend Teilzeitstellen angeboten werden, während Vollzeitstellen rückläufig sind. Zudem ist die Sozialwirtschaft eine der wichtigsten Branchen für Mini-Jobs, Ein-Euro-Jobs und Ehrenamt. Der soziale Sektor gilt insbesondere unter der Maßgabe des Ausbaus zum „Niedriglohnbereich“ als zukunftsträchtig.

Gleichzeitig nehmen Komplexität und Anforderungen an soziale Dienstleistungen zu. Dabei handelt es sich bei den zu verrichtenden Dienstleistungen nicht um sogenannte „Einfacharbeitsplätze“ und daher um niedrig entlohnte Arbeit, sondern um „anspruchsvolle“ Aufgaben, die lediglich niedrig entlohnt werden. Dies wurde unter anderem durch eine Studie des Bundesarbeitsministeriums aus dem Jahr 2005 bestätigt.

Weniger Lohn – mit oder ohne Ausbildung

Bei der Finanzierung von sozialen Dienstleistungen stehen sowohl die bisherigen Finanzierungslage- und Vergütungsmodelle als auch die materielle Vergütung zur Disposition. Dies führte zu einem Dammbruch: BAT und Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) werden als Fixpunkt zur Regulierung der Arbeitsbedingungen und zur Festlegung der Löhne und Gehälter immer mehr außer Kraft gesetzt. Viele Arbeitgeber der Sozialbranche reagieren auf den Systemwechsel mit Ausgründungen von Betriebsteilen, Outsourcing, Gründung von Leiharbeiterfirmen, Rationalisierung der betriebsinternen Handlungsabläufe und nicht zuletzt mit dem Ausstieg aus der Entlohnungsnorm BAT/ TVöD. Zudem zeichnet sich ein Trend zur Trennung von Formalqualität und tariflicher Ein-gruppierung ab. So hat der Arbeiterwohlfahrtsverband (AWO) inzwischen einen neuen Rahmentarifvertrag entwickelt und zur Verhandlung vorgelegt, der eine weitgehende Entkoppelung von Ausbildung und betrieblicher Vergütung vorsieht. Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) möchte 2007 eine bundesweite gültige Vergütung entwickeln, mit der eine Trennung von Ausbildung und Bezahlung, wie sie viele Träger und Einrichtungen fordern, durchgesetzt werden soll.

Um jeden Preis

Ausgerechnet in einem Bereich also, der keineswegs unumstritten dem „freien Wettbewerb“ ausgesetzt wurde und in dem „Tariftreue“ bisher nie als Problem galt, unterbieten sich die Träger und Einrichtungen nun wechselseitig bei ihren Personalkosten. Solche Individualstrategien tragen letztlich zur Selbstzerstörung der Anbieter und zu einer Auflösung der Trägerlandschaft „von innen“ bei. Aber es ist realistischerweise nicht zu erwarten, dass sie sich in dieser Hinsicht selber Schranken auferlegen, auch wenn die oft rabiate Personalpolitik an die Grenzen der eigenen Leitbilder und der gesellschaftspolitischen Überzeugungen stößt.

Der Verweis der Träger darauf, dass ihnen angesichts der staatlichen Unterfinanzierung sozialer Dienste nichts anderes übrig bleibe, als mit sinkenden Personalkosten zu reagieren, entbehrt nicht der Heuchelei. Denn nicht die Forderung nach einheitlichen Wettbewerbsbedingungen im Tarifsektor, die auch den Unternehmen einheitliche Ausgangsbedingungen garantieren würden, prägt die Praxis der Träger und Einrichtungen, sondern die Suche nach Lösungen um jeden Preis, wenn es die betriebswirtschaftliche Logik gebietet.

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