GEW Berlin
GEW BERLIN
Home  
Aktuelles  
Adressen  
Downloads  
GEW-Zeugnis  
Gruppen|Gremien  
Informationen  
Inhalt  
Lehrproben  
Mitgliederportal  
Mitglied werden  
Seminare  
Service  
Themen  
Veranstaltungen  
Zeitschrift (blz)  
Impr./Kontakt  
Nr. 02/1999
LehrerInnen arbeiten zu lange
Expertenanhörung im Rahmen der Diskussion über neue Arbeitszeitmodelle

Nach Prof. Dr. Klaus Klemm müsste die Lehrerarbeitszeit z.B. am Gymnasium auf 20 oder 21 Pflichtstunden gesenkt werden.

Für den 15. Januar hatte die Senatsschulverwaltung Prof. Dr. Klaus Klemm (Uni Essen) und Prof. Dr. Peter Hübner (FU Berlin) als Experten geladen. Sie sollten zu neuen Arbeitszeituntersuchungen sowie zum Problem der Arbeitszeit- und Belastungsgerechtigkeit referieren. Sollte die Senatsschulverwaltung im Beisein von Senatorin Stahmer damit die Hoffnung verbunden haben, Argumente für eine Verlängerung der Lehrerarbeitszeit oder für die Übernahme zusätzlicher Aufgaben zu erhalten, ging dies gründlich schief.

Prof. Dr. Klaus Klemm stellte die Ergebnisse der Jahresarbeitszeit-Untersuchung in Nordrhein-Westfalen vor. Diese Untersuchung, von der NRW-Kultusministerin Behler in Auftrag gegeben, war als Tamagochi-Untersuchung bekannt geworden. Denn mit einem ausgeklügelten Verfahren wollte die Unternehmensberatungsagentur Mummert & Partner für die 4,5-millionenteuere Untersuchung sicherstellen, dass Lehrerinnen und Lehrer bei den Auskünften über ihre Arbeitszeit nicht schummeln können. Endlich sollte hieb- und stichfest bewiesen werden, was an jedem Stammtisch bekannt ist: Lehrkräfte haben den bestbezahlten Halbtagsjob der Welt.

Aus der Sicht der Auftraggeber ist das Ergebnis niederschmetternd. Denn alle Lehrkräfte unabhängig ihrer Schulform arbeiten in NRW länger als die 1.700 Stunden Jahresarbeitszeit des öffentlichen Dienstes. Besonders krass ist die Selbstausbeutung der Lehrkräfte an Gymnasien und Gesamtschulen (1.890 Stunden). So machte denn auch Prof. Dr. Klaus Klemm schnell deutlich, dass eigentlich die Lehrerarbeitszeit z.B. am Gymnasium auf 20 oder 21 Pflichtstunden gesenkt werden müsste, "was aber leider angesichts der Haushaltslage der Länder illusorisch ist." Mit Blick auf eine Faktorisierung der Lehrerarbeitszeit könne es nur darum gehen, einzelne Lehrergruppen zu entlasten; es sei nicht akzeptabel, im Gegenzug anderen Lehrergruppen eine höhere Pflichtstundenzahl zu verordnen.

Empirisch untersucht wurde auch die besondere Belastung von KlassenleiterInnen. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass sie (was eigentlich ja auch jeder wusste) erheblich mehr arbeiten. Aufs Jahr bezogen addieren sich ihre zusätzlichen Stunden gegenüber einem Fachlehrer in der Grundschule auf 60, in der Hauptschule auf fast 90, am Gymnasium auf immerhin 137 und an der Berufsschule auf 128 Stunden.

Prof. Dr. Peter Hübner erläuterte die signifikante Übereinstimmung der Ergebnisse aus Nordrhein-Westfalen mit seinen eigenen Berliner Untersuchungen, die er 1994 und 1996 im Auftrag der GEW BERLIN mit Unterstützung der Max-Traeger-Stiftung durchgeführt hatte. Er warnte davor, bei der Frage neue Arbeitszeitmodelle in eine Falle zu tappen, "weil Leistung nicht nur über die Dauer der Tätigkeit gemessen werden kann." Er plädierte dafür, sehr viel stärker die Qualitätsdebatte zu führen. Die Aussagen von Prof. Dr. Klemm ergänzte er, indem er darauf hinwies, dass 54 bis 64 % der Berliner Lehrkräfte Überlastungssymptome zeigen. Darüber hinaus arbeiten teilzeitbeschäftigte Lehrkräfte, was auch durch die NRW-Studie bestätigt wird, überproportional lang. Dies bezeichnete Prof. Dr. Hübner als "Selbstausbeutung".

Offensichtlich beeindruckt von der Darstellung der beiden Wissenschaftler erklärte Tom Stryck als Leiter der AG "Neue Arbeitszeitmodelle" der Senatsschulverwaltung, er frage sich, ob die Bemessung der Jahresarbeitszeit überhaupt tauge zur Festlegung der Pflichtstunden! Für die GEW BERLIN machte ich deutlich, dass diese Argumentation ausschließlich interessegeleitet sei. Wenn die NRW-Untersuchung ergeben hätte, Lehrkräfte arbeiteten erheblich weniger als sonst im öffentlichen Dienst üblich, wäre dies selbstverständlich als Steilvorlage für geplante Arbeitszeitverlängerungen argumentativ verwendet worden. Auch im Namen der Verbände des Beamtenbundes machte ich deutlich, dass vor der Erarbeitung von konkreten Arbeitszeitmodellen Konsens bestehen müsse, dass die Gesamtbelastung der Lehrkräfte nicht weiter gesteigert werden dürfe und die Übertragung zusätzlicher Aufgaben durch arbeitsentlastende Maßnahmen kompensiert werden müsse.

Vor weiteren Gesprächen wollen jetzt die Verbände des Deutschen Beamtenbundes (Philologenverband, VBE, Verband deutscher Realschullehrer, Bundesverband der Lehrer an berufsbildenden Schulen und Verband der Lehrer an Wirtschaftsschulen) und die GEW BERLIN die weiteren Schritte und die kommenden Verhandlungen miteinander abstimmen. Zuletzt gab es erhebliche Irritationen, weil kleinere Verbände Positionspapiere in die Diskussion brachten, die gegen andere Lehrergruppen verwendet werden konnten. Die GEW BERLIN strebt mit den anderen Verbänden eine Übereinkunft an, ob und wie unter Verhandlungsführerschaft der GEW BERLIN die gemeinsamen Interessen der Berliner Lehrkräfte einheitlich und offensiv vertreten werden können.

Erhard Laube
zurück nach oben
Login
Registrieren
Hilfe
Beitragsquittung für 2011 ausdrucken
Mitmachen: Projekte
blz - die Zeitschrift der GEW BERLIN
Mediadaten
Terminplan
2012
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
Wir über uns
Kalender 2012/2013 bestellen
Service und Beratung
Ich möchte Mitglied werden
Mitglieder werben Mitglieder
Markt / Kleinanzeigen
Zeugnisprogramm