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Nr. 12 / 2007 Sind wir die Champions?

Sind wir die Champions?

Die Freie Universität hat sich exzellent vermarktet

von Folker Schmidt, Vorsitzender der Abteilung Wissenschaft

Berliner Universitäten und ihre MitarbeiterInnen leisten, wie viele andere bundesrepublikanische Universitäten auch, Hervorragendes. Berliner Universitäten sind aber auch in größeren Bereichen im mittleren Leistungsbereich und in einigen hinken sie hinterher. Dass die Freie Universität (FU) mit dem Etikett „Exzellenzuniversität“ ausgezeichnet wurde, hat sie im Wesentlichen der Vermarktungsstrategie ihres Präsidenten zu verdanken. Dieter Lenzen hat die seit Jahrzehnten bestehenden Kontakte zu anderen Universitäten in aller Welt (ich erinnere mich an das erste Abkommen mit Leningrad 1968) und die in den letzten Jahren vollzogenen Eröffnungen von Büros der Freien Universität in New York und Peking dazu genutzt, die tatsächlich bestehende Weltoffenheit der FU gut darzustellen und den Preisrichtern als Alleinstellungsmerkmal schmackhaft zu machen. Und zuletzt kam noch die Grundsteinlegung für ein Konferenzhotel hinzu, das von einer privaten Kette gebaut und vor allem ohne Beteiligung der FU finanziert wird. Die Idee kam allerdings von Lenzen.

Nicht nur die FU ist gut

Natürlich kann auch die Internationalität ein Gütezeichen sein. Aber Wissenschaft zeichnet sich vor allem in anderen Feldern aus. Und da haben auch andere Berliner Universitäten etwas vorzuweisen. Die anerkannten Exzellenz-Cluster und Graduiertenzentren verteilen sich – mit einem kleinen Vorsprung für die FU – fast gleichmäßig auf die drei großen Universitäten. Einige Cluster werden sogar gemeinsam verantwortet. Dass die Freie Universität nun formal „gewonnen“ hat, stört mich deshalb ein wenig, macht mich aber im hintersten Winkel meines Herzens doch etwas stolz. Jedenfalls ist es für einen FU-ler besser, gewonnen als verloren zu haben.

Die Lehre gerät noch mehr in Rückstand

Viel problematischer ist, dass sich das Verhältnis von Forschung und Lehre weiter zugunsten der Forschung verschiebt. Während der Forschung zusätzliche Mittel in anerkennenswerter Höhe zufließen, ist für die Lehre eher zu erwarten, dass sie hinter der Forschung zurückstehen muss. Man kann nämlich beim besten Willen nicht erkennen, was die Graduiertenzentren für das Grundstudium bringen werden, obwohl sie für die Absolventen sicher prinzipiell von Vorteil sind; dazu hat sich ja die PromovendInnen-Initiative der GEW kürzlich geäußert („Baustelle Promotion – Ein Haus braucht ein Dach“, Graduiertenzentren-Konzept der Promovierenden in der GEW, September 2007). Aber wenn BewerberInnen Schwierigkeiten haben, in Berlin wegen des Numerus Clausus überhaupt noch einen Studienplatz zu ergattern, geschweige denn in ihrem Wunschfach, hilft ihnen der Exzellenztitel für die FU nichts. In den letzten 15 Jahren ist in Berlin rechnerisch eine große Universität gestrichen worden. Die Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge im Rahmen des Bolognaprozesses hat gezeigt, dass diese sehr betreuungsintensiven Abschlüsse zusätzliches Personal und damit höhere Mittel erfordern. Da Berlin aber die Zuschüsse an die Hochschulen stark gekürzt hat, führt das zum Verlust weiterer Studienplätze. Die nochmalige „Untertunnelung“ des Studierendenberges hat zur Folge, dass die Veranstaltungen voller, die Betreuung weniger intensiv und damit die Studiendauer verlängert wird. Sehr zu Recht hat der Asta bei der letzten Immatrikulationsfeier der FU darauf hingewiesen.

Dass für diese Missstände der Präsident der FU gescholten wird, hat er seinem Erfolg im Exzellenzwettbewerb der Forschung zu verdanken. Dass er an den Kürzungen der letzten Jahre schuld sei, kann man wirklich kaum behaupten. Eine Ausnahme bildet hier das Tutorenprogramm der FU, dass vom Präsidium gestrichen wurde, obwohl der Akademische Senat gegenteilige Beschlüsse gefasst hatte. Aber der Einsatz für bessere Studienbedingungen könnte auch von Lenzen und vor allem von der Politik gefordert werden. Senator Zöllner hat in Gesprächen kurz nach seinem Amtsantritt erkennen lassen, dass er etwas Ähnliches wie den jetzigen Exzellenzwettbewerb auch für die Lehre anstrebt. Das wäre ein Weg, der im Erfolgsfall immerhin wieder einigen Studierenden zugute käme.

Exzellente Wünsche

Der breiten Studierendenschar wäre damit aber wieder nicht geholfen. Es kommt nämlich darauf an, das allgemeine Niveau der Lehre an allen Hochschulen anzuheben. Ich verweise hier nochmals auf die OECD-Forderungen nach höheren Hochschulabschlussquoten eines Jahrgangs und die Klage der Wirtschaft über den Fachkräftemangel (gegen den die Wirtschaft natürlich längst selbst hätte vorgehen können). Eine Gesellschaft zeichnet sich doch gerade dadurch aus, dass sie alle Begabten fördert und mitnimmt. Nur so kann erreicht werden, dass Elite nicht die kleine Spitze einer sich aus sich selbst rekrutierenden Akademikerschicht mit dem nötigen finanziellen und sozialen Durchsetzungsvermögen bleibt. Das wäre dann wirklich mal einen Exzellenztitel wert.

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