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Nr. 12 / 2007 Alles lief weiter – nur die Schule war plötzlich weg

Alles lief weiter – nur die Schule war plötzlich weg

Claus Guske über seine Aktivitäten im Ruhestand und sein anhaltendes Ausschlafbedürfnis

Das Interview führten Dieter Haase und Klaus Will

Claus, es ist schon eine Weile her, dass du in den Ruhestand gegangen bist. Wann war das eigentlich?

Das sind jetzt immerhin schon acht Jahre her, 1999 bin ich in den Ruhestand gegangen.

Du warst auch immer aktiv in der GEW. Machst du da auch noch etwas?

Ich hatte ja eine ganze Reihe von Funktionen in der GEW, ich war in der Bezirksleitung Reinickendorf, war Delegierter für die Landesdelegiertenversammlung. Das habe ich teilweise auch noch im Ruhestand weitergemacht. Aber seit etwa drei Jahren ist nun auch dieser Abschnitt zu Ende gegangen.

Ist denn damals bei deinem Eintritt in den Ruhestand alles so gelaufen, wie du dir das gedacht hast?

Ja, da hatte ich überhaupt keine Schwierigkeiten. Ich hatte mich auch vorher nie darauf vorbereitet oder mir Gedanken gemacht über die Zeit ohne Beruf. Alles ist weitergelaufen wie vorher: Familie, LabSaal, Blankenfelde – nur die Schule fehlte eben. Dafür konnte ich endlich ausschlafen – herrlich.

Eigentlich müsstest du doch inzwischen ausgeschlafen sein. Aber vor elf Uhr bekommt man bei dir immer noch keinen Termin!

Na ja, ich schlafe eben immer noch gerne aus. Jahrzehntelang konnte ich das wegen der Schule nicht. Das hole ich jetzt nach.

Du gehörst in Reinickendorf mit zu den Großgrundbesitzern: Du bist im Vorstand des Vereins Natur & Kultur (LabSaal Lübars e.V.), der den „Alten Dorfkrug“ und den Saalbau gekauft hat. Und du bist im Vorstand des Vereins StadtGut Blankenfelde, dem inzwischen das ehemalige Stadtgut gehört. Und das alles mit 73 Jahren! Wie bist du dazu gekommen?

Also im Labsaal bin ich schon seit 25 Jahren, damals war der Ruhestand also noch weit weg. Die andere Geschichte ist tatsächlich neu, das Projekt mit dem Stadtgut – wir schreiben uns ja StadtGut, also mit einem großen G in der Mitte – läuft jetzt fünf Jahre. Damals hatten wir ein Arbeitsessen des LabSaals beim Griechen, bei dem uns jemand über dieses Stadtgut gleich nebenan im Nachbardorf erzählte, zwar schon in Pankow, aber doch nur wenige Minuten von Lübars entfernt. Das stünde leer, eine Riesenanlage, ein ehemaliges Rittergut, das die Stadt Ende des 19. Jahrhunderts zur Rieselfeldbewirtschaftung gekauft hatte. Da könnte man doch was machen! Das dauerte dann allerdings eine Weile, bis wir tatsächlich etwas machten. Nach längeren Verhandlungen mit dem Liegenschaftsfonds bekamen wir dann im Rahmen einer Ausschreibung die gesamte Anlage für einen Euro, allerdings mit der Auflage, schadstoffbelastete Bereiche und Gebäude zu sanieren und die Anlage denkmalgerecht auszubauen. Das gesamte Stadtgut steht nämlich unter Denkmalschutz.

In welchem Zustand war die Anlage denn?

Tja, die war tatsächlich ziemlich lange nicht gepflegt worden und ziemlich heruntergekommen. Dachrinnen waren beispielsweise völlig zugewuchert und entwässerten nach innen. Wir mussten vieles säubern, sichern, reparieren, manchmal auch abreißen. Und fast alles wurde ehrenamtlich von den Vereinsmitgliedern geleistet. Jeden Samstag wird auf dem Stadtgut geschuftet. Aber jetzt geht es langsam voran, auch mit den ganzen Förderanträgen. Wir wollen ja zum Beispiel die Anlage energiesparend betreiben. Da wollen wir wegweisend sein: Energieeffizienz im Denkmal!

Ihr wollt auf der Anlage eine ganze Reihe von Projekten verwirklichen: Hofcafé, Handwerksbetriebe, Naturschutzstation und auch das Projekt „Generationsübergreifendes Wohnen“. Kannst du uns dieses Projekt noch etwas erläutern?

In diesem Projekt sollen zwischen 30 und 40 Wohneinheiten entstehen. Das soll ein gemeinschaftliches Wohnprojekt werden mit Kinderbetreuung und Altenpflege. Also nicht nur gemeinsames Wohnen, sondern es soll in starkem Maße auch eine Gemeinschaft werden, die sich gegenseitig hilft. Übrigens wird ein Teil dieser Wohnungen in einem Gebäude sein, das Anfang des 20. Jahrhunderts für bedürftige Wöchnerinnen errichtet worden war, das sogenannte Kurhaus. Dort gibt es auch noch einen großen Gemeinschaftsraum, also alles eigentlich ideal für unser generations übergreifendes Wohnen.

Wirst du da auch mit einziehen?

Jein! Ich kann mir ja durchaus vorstellen, dass ich da gut wohnen könnte. Aber ich kann mir gar nicht vorstellen, da auszuziehen, wo wir jetzt schon so lange wohnen. Allerdings sind jetzt auch schon alle geplanten Wohnungen vergeben. Zwar treten immer wieder mal Leute zurück, weil es ihnen mit den Wohnungen zu langsam vorangeht, aber wir haben trotzdem eine lange Liste von Leuten, die da einziehen wollen.

Und wie ist bei denen die Altersstruktur?

Also die ist recht gemischt. Da sind sowohl junge Familien mit Kindern, aber auch ältere Menschen.

Wann soll es soweit sein: Wann kann man da einziehen?

Na ja, es dauert doch schon länger, als wir es gedacht hatten. Das Gutshaus bewohnen schon mehrere Familien, aber der Ausbau des Kurhauses wird noch eine Weile dauern.

Claus, wir danken für das Gespräch und wünschen dir weiterhin viel Erfolg mit dem Projekt!

Claus Guske

ist inzwischen 73 Jahre jung. Er war Grundschullehrer in Reinickendorf. In der GEW BERLIN war er lange Jahre als Bezirksvorsitzender, als Delegierter und im Personalrat aktiv.

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DAS STADTGUT BLANKENFELDE

Das denkmalgeschützte Stadtgut Blankenfelde liegt in der Mitte des Dorfes Blankenfelde im Bezirk Pankow am Rande Berlins und ist umgeben vom Landschaftsschutzgebiet und Teil des Naturparks Barnim. Es besteht aus 17 Gebäuden, Scheunen und Werkstätten und umfasst eine Fläche von 50.000 Quadratmetern. Seit 1995 stand das Stadtgut bis auf wenige Stallgebäude und Scheunen leer und war vom Verfall bedroht. Der gemeinnützige Verein StadtGut Blankenfelde e.V. will die Anlage unter Berücksichtigung ökologischer Belange denkmalgerecht sanieren und mit vielen Einzelprojekten neu beleben. Eingerichtet werden unter anderem eine Naturschutzstation, ein Landarbeitermuseum, Veranstaltungs- und Gruppenräume für einen Kulturverein, Hofladen und Café, Gemeinschaftspraxis für alternative Medizin und Physiotherapie, mehrere Werkstätten sowie das Projekt Generationsübergreifendes Wohnen mit 25-30 Wohneinheiten verschiedener Größen.
Wer das Projekt unterstützen möchte, melde sich bei dem Verein Stadtgut Blankenfelde e.V., c/o Oskar Tschörner, Backnanger Str. 6, 13467 Berlin. Kontakttelefon: Ruth Mahlke, Tel.: 40 91 05 33, Dr. Claus Guske, Tel.: 401 70 68, Oskar Tschörner, Tel.: 404 20 14. Weitere Infos: www.stadtgut-blankenfelde.de

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