Vom Unmut zum gemeinsamen Handeln
KollegInnen ergreifen die Initiative und vertreiben so Frust und Resignation
von Hartmut Schurig, Mitglied der GEW-Gruppe an der Bouché-Schule
Seit nunmehr eineinhalb Jahren gibt es eine recht aktive GEW-Gruppe an der Bouché- Grundschule in Berlin-Treptow. Sie arbeitet auch mit VBE-Mitgliedern und ErzieherInnen zusammen und hat einiges bewirkt. Was waren die Beweggründe der KollegInnen? Was kann mit einer solchen Gruppe erreicht werden? Wir möchten mit diesem Artikel anregen, selber aktiv zu werden und GEW-Schulgruppen aufzubauen.
Die ständigen Verschlechterungen der Arbeits- und Lernbedingungen führten auch an der Bouché-Grundschule dazu, dass KollegInnen sich extremem Stress ausgeliefert sehen. Häufig entlädt sich der Unmut im Lehrerzimmer. Was sich Schulreform nennt, entpuppt sich als Verschlechterung der Arbeits- und Lernbedingungen.
Integration in den ersten beiden Jahrgängen? Gestrichen. Schulanfangsphase mit ausreichend Lehrerstunden, Doppelsteckung? Denkste! Abhängen von Überstunden oder wenigstens Vergütung? Das war einmal. Der Lehrermangel, der jedes Jahr wieder ins Gegenteil umgelogen wird – der fachfremde Einsatz von völlig unmusikalischen Kollegen z. B. in Musik – und nicht zuletzt der Dreck an unserer Schule, der von viel zu wenigen, mit Dumpinglöhnen ausgebeuteten Reinigungskräften gar nicht bewältigt werden konnte – all dies führte dazu, dass einige KollegInnen nicht mehr nur meckerten, sondern etwas dagegen unternehmen wollten.
Aller Anfang ist schwer
Sie suchten Gleichgesinnte und so wurde der Gedanke geboren, eine GEW-Gruppe zu bilden. Aber woher die Zeit nehmen? Einige entschlossen sich bewusst, nicht ausschließlich die zahlreichen Gremien der sogenannten Schulreform als Forum für Veränderungen zu nutzen, sondern sich auch gewerkschaftlich zu engagieren, unsere Interessen zu vertreten und zu verteidigen. Zum ersten Treffen kamen acht LehrerInnen und ErzieherInnen. Es ist nicht übertrieben, dass bei diesem Treffen Tränen flossen – zu groß war der Druck, den einige KollegInnen hier los zu werden hofften. Die andauernde nervliche Belastung führte bei einer ganzen Reihe von KollegInnen dazu, dass sie krank wurden. Unser erstes Treffen zeigte uns, wie gut es tut, sich untereinander einmal in Ruhe austauschen zu können, und verhalf uns zu der Erkenntnis: Wir müssen Widerstand entwickeln – für unsere Gesundheit und zur Schaffung von besseren Lernbedingungen für die Kinder.
Wir beteiligten uns an verschiedenen GEW-Aktionen, besorgten uns Fahnen und organisierten eine Flugblattaktion vor der Schule zum Warnstreik der Angestellten. Hier machten wir interessante Erfahrungen in Gesprächen mit Eltern, die durchweg solidarisch waren und Verständnis dafür zeigten, dass Lehrer auch zum Mittel des Streikes greifen. Die GEW-Gruppe beteiligte sich auch an der bundesweiten Demo gegen Sozialraub und Hartz IV am 13. Oktober in Berlin. Richtig begeistert waren alle, die an der großen Demo des öffentlichen Dienstes am 19. September teilnahmen.
Kraft durch Solidarität und erste Erfolge
Eine Umfrage unter einigen aktiven GEW-Mitgliedern ergab folgende Statements: „Es gibt drei Gruppen im Kollegium, die eine Gruppe sagt zu allem Ja und Amen, die größere Gruppe schimpft nur, die dritte Gruppe möchte etwas verändern. Ich bewirke lieber was und mache etwas Konkretes.“ Aus diesem Grunde hat sich diese Kollegin in der GEW-Gruppe engagiert. Eine andere Kollegin sagte auf unserem letzten Treffen: „Ich habe einen Platz gesucht, wo ich mich artikulieren kann und wo ich ähnlich denkende Mitstreiter finde. Ich will mit Gleichgesinnten etwas bewegen.“ Eine Kollegin stellte fest, dass die Schulleitung, nachdem es einige heftige Auseinandersetzungen mit ihr gegeben hat, nicht mehr ganz so selbstherrlich mit uns umgegangen ist. Eine der Initiatorinnen für die Gründung der GEW-Schulgruppe fasste ihre Motive so zusammen: „Seitdem ich im Schuldienst arbeite, bin ich in der GEW und setze mich für eine kämpferische Gewerkschaftsarbeit ein. Nur organisiert können wir etwas erreichen. Wir haben bei den Dienstbesprechungen die Erfahrung gemacht, dass es viel wirksamer ist, gemeinsam dort Standpunkte zu vertreten.“
Auch wenn wir noch nicht mit allen unseren Aktivitäten erfolgreich waren, so haben wir doch erste gute Erfahrungen gesammelt und Mut gefasst. Wir wissen: Wer verändern will, braucht einen langen Atem – wir haben uns mit der GEW-Gruppe dafür eine gute Basis geschaffen und Rückhalt gefunden. Das Gefühl, alleine dazustehen – hat sich aufgelöst. Und das hat bereits zu einer Verbesserung der Arbeitsatmosphäre im Kollegium geführt.
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