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Nr. 12 / 2007 Karin Birnkott-Rixius

Karin Birnkott-Rixius

Ein Nachruf auf eine Pionierin der zweisprachigen Alphabetisierung

von Eda Brandmayer

Von der „zweisprachigen Alphabetisierung“ in einer Kreuzberger Grundschule zum Projekt eines „antiimperialistischen Deutschunterrichts“ für ausländische Frauen von heute. Ihr Leben lang engagierte sie sich für die Verständigung der beiden Kulturen und für die Rechte und die Würde der bei uns lebenden Ausländer. Bildung und Identitätsfindung durch die Muttersprache hielt sie – wie viele andere später – bereits in den 70er Jahren für die Grundlage eines sinnvollen und erfolgreichen Heranwachsens der zweiten Generation der „Gastarbeiter“. Im Zusammenhang mit ihrer Arbeit im damals noch sozial schwachen Arbeiterbezirk Kreuzberg konnte sie nicht umhin, die Auswirkungen des in der geteilten Stadt zwar gemilderten, aber doch auch zerstörerischen Kapitalismus zu erkennen und sich links von der damals regierenden SPD zu betätigen. Den sozialistischen Ideen und Utopien hat sie dann bis an ihr Lebensende die Treue gehalten, wenn auch in abgewandelter Form.

Die zweisprachige Alphabetisierung praktizierte sie zusammen mit ihrer türkischen Kollegin Leyla Kubat, die vor einigen Jahren nach langer Krankheit starb. Sie entwickelten gemeinsam Materialien, die über ihre Schule hinaus Verbreitung fanden. Die von ihr intendierte Einführung dieser Unterrichtsmethode an Schulen mit hohem Ausländeranteil wurde nur punktuell verwirklicht. Sie konnte jedoch ihre Vorstellungen in ihren letzten Berufsjahren an der Deutsch-Türkischen Europaschule praktisch umsetzen. Um Ideen einer gemeinsamen Erziehung von Grundschulkindern, die dann auch auf der weiterführenden Schule zusammenbleiben, wird heute mal wieder gerungen. Karin sah in diesem Weg einen wichtigen Schritt in Richtung einer demokratischen Schule.

Wegen einer ersten Krebserkrankung musste sie mit der geliebten Arbeit aufhören. Sie wandte sich neben ihrem Engagement als Mutter zweier heranwachsender Kinder ihrer Familiengeschichte zu, in der sie die Wurzeln ihres Widerstandes gegen die herrschenden Verhältnisse aufdeckte und erkannte. Ein reformpädagogischer, sozialistischer Großvater, ein im antifaschistischen Widerstand engagierter kommunistischer Onkel, dem sie noch kurz vor ihrem Tod zusammen mit ihrem Mann Bruno einen Stolperstein in Köln erkämpfen wollte.

Beim Kampf gegen den neuen Krebs sah sie Zusammenhänge zwischen diesem und dem gegen eine ungerechte Gesellschaft und wollte sich mit erneutem Engagement in die Politik stürzen, wenn sich die erhoffte Heilung einstellen würde. So entstand das oben genannte Projekt, in dem sie einen Kurs, der Migrantinnen einen neuen Ansatz des Spracherwerbs ermöglicht, im Rahmen des Nachbarschaftsheims Kotti e.V. anbieten wollte. Leider war Karin nicht mehr in der Lage, ihre Pläne zu verwirklichen, da sie einsehen musste, dass sie trotz Therapien nicht mehr lange zu leben hatte. Am Ende war ihre Kraft verbraucht. Sie starb zu Hause von Familie und Freunden begleitet.

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