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Nr. 05/1999
Schwerpunkt: Rausch und Ekstase
Ein Projekt an der Salvator-Schule in Reinickendorf

Peer-Helper

Aus der Suchtprophylaxe-Forschung hat sich immer deutlicher die Erkenntnis ergeben, dass Suchtgefährdung vor allem eng mit dem Scheitern an Entwicklungsaufgaben und mangelnder Konfliktlösungskompetenz verbunden ist. Außerdem ist offenbar von großer Bedeutung, wie gut jemand ihre/seine Gefühle wahrnehmen und angemessen mit ihnen umgehen kann.

Es ist auch eine Tatsache, dass Jugendliche über Probleme und Schwierigkeiten eher mit etwa Gleichaltrigen sprechen – an Erwachsene (Eltern, LehrerInnen oder gar professionelle HelferInnen), wenden sie sich viel seltener. Diese Überlegungen führten bei uns zu der Idee, ein Peer-Helper-Projekt in Reinickendorf zu initiieren, das Beratung und Hilfestellung von Jugendlichen für Jugendliche zum Inhalt hat.

Anfang 1996 haben wir dazu ein Konzept entworfen und es an alle in Frage kommenden Schulen des Bezirks verschickt. Wir sind davon ausgegangen, dass die Peer-Helper mindestens 15 Jahre alt und nach der Ausbildung noch einige Jahre an der Schule sein sollten. Zum Konzept gehört, dass die Peers einen eigenen Raum in der Schule haben, sich einmal in der Woche dort für zwei Stunden treffen, zwei Mal pro Jahr ein Intensiv-Wochenende stattfindet und mindestens ein(e) Lehrerin in dem Projekt aktiv engagiert ist. Inhalte des Trainings sind u.a. Selbsterfahrung, Gesprächsschulung, Wissen über Sucht, Umgang mit Gefühlen und Problemen und das Kennenlernen professioneller Hilfsangebote. Dazu haben wir mit den Peers Beratungsstellen besucht, die sich mit Jugendproblemen befassen (NEUhland, Therapieladen, KIZ, Dick und Dünn, Lesben- und Schwulenberatung, sozialpädagogischer Dienst etc.). Die katholische Salvator-Schule konnte alle notwendigen Voraussetzungen für dieses Projekt erfüllen und so haben wir dann dort vor den Sommerferien in den 9. Klassen für das Peer-Modell geworben. Im Herbst 1996 haben wir nach Einzelgesprächen mit 12 Peer-Helpern begonnen. Die Peers haben Patenschaften für die jeweils neuen 7. Klassen übernommen, helfen den Kindern beim Eingewöhnen, begleiten die Klassen auf Wandertagen und Klassenreisen, machen Projekte zur Suchtprophylaxe und beraten Einzelne bei Problemen und Schwierigkeiten – persönlich oder schriftlich über den "Kummerkasten".

Leitung, Kollegium und Elternschaft der Schule haben die Peer-Helper-Idee von Anfang an begrüßt und unterstützt – auch dies eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg.

Wir vier LeiterInnen empfinden die Arbeit mit dieser Gruppe als sehr bereichernd und sind beeindruckt von dem Interesse und dem Engagement dieser Jugendlichen. Und die Peers bestätigen uns, dass sie neben dem guten Gefühl, etwas wirklich Sinnvolles zu tun, auch den persönlichen Gewinn erleben, dass ihnen das, was sie hier "spielend" über sich und andere lernen, "eine ganze Menge bringt".

Arbeitsgruppe Suchtprophylaxe
Ansprechpartnerinnen: Christel Büge/Beate Sichelschmidt

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