| Im Jahr 2000 wird es etwa 1000 Qualifizierungsstellen weniger an den Berliner Universitäten geben als noch 1992. Das ist ein Abbau um fast 30 Prozent. Gleichzeitig nimmt der Trend zu Teilzeitbeschäftigung in der Qualifizierungsphase zu. Die Promotion wird zunehmend zum Privatvergnügen. Das sind Ergebnisse einer Untersuchung zur Stellen- und Personalentwicklung des akademischen Mittelbaus, die die GEW BERLIN im Juni vorgestellt hat.
Der Abbau der Qualifizierungsstellen ist vor dem Hintergrund der gesamten Kürzungen, insbesondere bei den Professuren zu sehen. Auffällig ist, dass die Universitäten in ihren Strukturplänen durchaus versuchen, den Mittelbau nicht überproportional zu kürzen. Die Planungen sehen daher für die nächsten Jahre ein günstigeres Verhältnis von Mittelbaustellen zu Professuren vor. An der FU sollen im Jahr 2003 auf eine Professur 2.57 Mittelbaustellen entfallen (1992 nur 2,02), an der TU 3,46 im Vergleich zu 2,06 im Jahr 1992. Das mag zunächst positiv klingen, kann aber über die absolute Reduzierung der Qualifizierungsmöglichkeiten in den Hochschulen nicht hinweg täuschen. Darüber hinaus ist fraglich, ob diese geplanten Mittelbaustellen auch tatsächlich besetzt, oder nicht doch zum Stopfen anderer finanzieller Engpässe genutzt werden. Der relativ stärkere Abbau der Professuren im Vergleich zum befristeten Mittelbau geht außerdem zu Lasten der Studienplätze, da die Lehrverpflichtung beim befristeten Mittelbau nur vier Semesterwochenstunden im Vergleich zu acht bei den Professuren beträgt. Besorgniserregend ist, dass die Förderung des wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchses in den Strukturplanungen von Land und Hochschulen kaum eine Rolle spielt. So enthalten die Hochschulverträge keine Vereinbarungen zur Nachwuchsförderung.
Vorschläge der GEW zur Nachwuchsförderung
Im Zusammenhang mit der Mittelbaustudie hat die GEW BERLIN ihre Vorstellungen zur Nachwuchsförderung präzisiert: Es bedarf einer gemeinsamen Anstrengung aller Beteiligten, um dauerhaft einen Einstellungskorridor für wissenschaftliche und künstlerische MitarbeiterInnen zur Promotion zu schaffen. In den Universitäten sollten zweckgebundene Fonds zur Nachwuchsförderung eingerichtet werden. In diese Fonds könnte ein Teil der Erlöse aus Grundstücksverkäufen einfließen. Das Land Berlin sollte Mittel aus dem "Zukunftsfonds" zur Verfügung stellen. Zusätzliche Gelder könnten gewonnen werden, wenn es gelänge, die hohen Mietausgaben der Hochschulen zu reduzieren. Land Berlin, Bund und Hochschulen sollten ein Konzept erarbeiten, wie landes- und bundeseigene Grundstücke und Gebäude im Umfeld für die Universitäten nutzbar gemacht werden können.
In einer Stiftung Nachwuchsförderung könnten verstärkt private Geldgeber gewonnen werden. Das Land Berlin muss sich mit Nachdruck für ein neues Bund-Länder-finanziertes Programm zur Nachwuchsförderung einsetzen. Das bisherige HSP III läuft Ende des Jahres 2000 aus. Noch ist kein Anschluss in Sicht.
Darüber hinaus könnten die Hochschulen auch einen Teil der durch die Nutzung der tariflichen Altersteilzeit freiwerdenden Mittel zweckgebunden zur Nachwuchsförderung verwenden.
Die GEW BERLIN wird in den nächsten Monaten mit den Hochschulleitungen Gespräche über die Realisierung dieser Vorschläge führen. Erfolge werden nur zu erreichen sein, wenn die Nachwuchsförderung insgesamt einen höheren Stellenwert bekommt und alle ihre Verantwortung wahrnehmen. Anregungen und Ideen sind hochwillkommen. Eine Dokumentation der Mittelbaustudie und der GEW-Forderungen kann in der GEW-Geschäftsstelle angefordert werden unter 219993-59 oder per mail. Einen Überblick gibt es auf den Internetseiten der GEW BERLIN (unter Hochschulen).
Matthias Jähne |