| Die GEW BERLIN will die Leistungs- und Qualitätsstandards der Berliner Schule erhalten und ausbauen. Dazu werden jetzt Verhandlungen mit dem neuen Schulsenator aufgenommen.
Wir wollen die seit 1992 bestehende Vertragspraxis im Interesse aller an Schule in Berlin Beteiligten fortsetzen. Die vom Landesvorstand gewählte Verhandlungskommission hat sich auf folgende Zielsetzungen verständigt:
Personalplanung
Nur durch die kontinuierliche Neueinstellung von jungen Lehrkräften jährlich im Umfang von mindestens 1. 000 Stellen kann sichergestellt werden, dass eine ausgewogene Altersstruktur in der Berliner Schule sich wieder herausbilden kann.
Fachbedarf in Mangelbereichen
Durch geeignete und öffentlich geförderte Maßnahmen der beruflichen Weiterqualifikation insbesondere im Bereich Sonderpädagogik und berufsbildende Schulen sind ausreichend Lehrkräfte zu gewinnen. Durch eine Liberalisierung der Anerkennungspraxis für Lehrerexamen aus anderen Bundesländern und aus anderen europäischen Ländern und für Seiteneinsteiger, insbesondere im berufsbildenden Bereich, sind die Einstellungsmöglichkeiten zu erweitern. Durch geeignete Maßnahmen sind die Studienanfängerzahlen zu zählen. Die Ausbildungskapazität in der 2. Phase ist deutlich zu steigern.
Arbeitszeitmodelle
Einführung neuer Arbeitszeitmodelle nur auf freiwilliger Basis und in einer mindestens zwei- bis dreijährigen Erprobung.
Wie das Gutachten von Mummert und Partner ausweist, ist dringend davon abzuraten, Arbeitszeitmodelle von oben zu verordnen. Neue Arbeitszeitmodelle können nur auf der Grundlage der von der Landesdelegiertenversammlung beschlossenen und mit der Senatsschulverwaltung bereits abschließend abgestimmten Eckpunkte modellartig erprobt werden, bevor sie nach festgestellter Bewährung und Eignung eingeführt werden.
Sicherung des Stellenrahmens
Durch den drastischen Stellenabbau seit 1995 sind in der Berliner Schule mehr als zehn Prozent der Stellen abgebaut worden. Dies hat zu einem erheblichen Qualitätsverlust in der Berliner Schule geführt, der sich heute in erhöhtem Unterrichtsausfall ausdrückt. Eine Qualitätssicherung bzw. -steigerung ist nur denkbar, wenn der Stellenrahmen mindestens gesichert wird. Dazu gehört auch, dass der Stellenrahmen ausfinanziert wird und das LSA nicht die Unterfinanzierung der Stellen durch eigene Mittel ausgleichen muss.
Verlässlichkeit für Lehrerarbeit
In den vergangenen acht Jahren wurde die Arbeitsplatzund Arbeitszeitsituation für Berliner Lehrkräfte immer wieder verschlechtert. Durch Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung, durch die Einführung von Arbeitszeitkonten, durch Streichung von Anrechnungstatbeständen, die Erhöhung der Frequenzen oder durch Kürzung der Stundentafel ist der Arbeitsdruck auf die Berliner Lehrkräfte kontinuierlich erhöht worden. Dies kann nicht fortgeführt werden, die Belastungsgrenze ist überschritten. Jede weitere Verschlechterung hätte verheerende Folgen für die pädagogische Qualität an den Berliner Schulen. Dies schließt jede Überlegung zu einer Erhöhung der Pflichtstunden aus.
Verlässliche Schule
Der Unterrichtsund Erziehungsauftrag der Berliner Schule ist in einem verlässlichen Rahmen in Kooperation von Lehrkräften und Erzieherinnen und unter Einbeziehung von Einrichtungen der Jugendhilfe zu organisieren.
Erhalt der Klassenleiterermäßigung
Das Gutachten von Mummert und Partner hat erneut nachgewiesen, dass die Klassenleitertätigkeit eine merkbare zusätzliche Aufgabe für Lehrkräfte ist, die nur durch Anrechnung auszugleichen ist. Dem tragen mehrere Bundesländer vom Schuljahresbeginn 2000/2001 durch die Einführung der Klassenleiterermäßigung Rechnung. Gerade die in der letzten Zeit auch im Zusammenhang mit Gewalt an Schulen diskutierte Aufgabenstellung für die Berliner Schule verbietet die Streichung derartiger Anrechnungen.
Finanzierung zusätzlicher Aufgaben
Wenn die Politik zusätzliche Aufgaben für die Berliner Schule beschließt, muss sie auch verantwortlich dafür sorgen, dass die entsprechenden personellen und finanziellen Ressourcen dafür zur Verfügung gestellt werden.
Sinnvolle Personalsteuerung
Wie in allen anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes auch gilt für die Berliner Schule, dass ein sinnvoller Generationswechsel ermöglicht wird, indem Altersteilzeit in allen Bereichen der Berliner Schule antragsgemäß bewilligt, Zwangsteilzeitbeschäftigung beendet und Teilzeit auf freiwilliger Basis erleichtert wird.
Die Verhandlungsdelegation:
Rose-Marie Seggelke, Ilse Schaad, Marion Leibnitz, Monika Dobkowitz, Thomas Isensee, Holger Dehring, Knut Langenbach, Dieter Haase, Klaus Schröder, Ronald Rahmig, Ulrich Thöne, Pit Rulff |