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Nr. 12 / 2008: Interview mit Werner Gollmer

Ich muss immer was machen

Werner Gollmer ist seit zehn Jahren Ruheständler und als GEW-Spezialist für Rentenfragen ständig unterwegs

Das Interview führten Dieter Haase und Klaus Will

Werner, du bist Jahrgang 1938 und hast gerade im Oktober deinen 70. Geburtstag gefeiert. Einen nachträglichen Glückwunsch von uns!
Danke!

Als die Wende kam, warst du gerade im besten Alter, also Anfang 50. Das war beruflich für dich nicht ganz einfach.

Na ja, auf jeden Fall waren es neue Herausforderungen, man musste sich umstellen.

Ich war gewissermaßen der letzte Mitarbeiter des Zentralvorstandes der Gewerkschaft Unterricht und Erziehung (GUE) in Liquidation und bin im Januar 1996 endgültig ausgeschieden. Die Liquidation der Gewerkschaft selbst dauerte aber noch eine Weile länger. 1997 habe ich dann noch einige Monate hauptamtlich für den Verein »Kiek in« Berlin gearbeitet. Das ist ein Verein für Sozialberatung und Jugend- und Familienbetreuung, der nach der Wende Ende 1992 gegründet wurde. Da bin ich auch heute noch ehrenamtlich im Vorstand aktiv. Mit 60 Jahren bin ich dann in die Rente gegangen, also 1998.

Du bist ehrenamtlich auch in der GEW aktiv. Seit einiger Zeit als Leiter der AG-Alterssicherung, aber darüber hinaus machst du auch noch Beratungen in unserer Rechtsschutzstelle.

Nach der Wende traten unsere Mitglieder in die GEW ein und die Liquidatoren der GUE beabsichtigten, eine Stiftung »Bildung und Erziehung« zu gründen. Aber daraus wurde nichts, weil die Gewerkschaft Unterricht und Erziehung in Liquidation (i.L.) unter treuhänderische Verwaltung gestellt wurde. Als Alternative wurde im Juni 1992 dann der Förderverein »Initiative Bildung« gegründet, um die mit der Auflösung der GUE getroffene Festlegung recht schnell noch realisieren zu können. Sie bestand darin, vor allem die ehemaligen Mitglieder der GUE mit den neuen Erfordernissen in Schule und Kita nach der Wiedervereinigung vertraut zu machen. Wir haben zu arbeitsrechtlichen und bildungspolitischen Fragen Kurse und Seminare organisiert.

Die Arbeit für die GEW war da ähnlich, auch hier habe ich mich mit den Problemen, die entstanden waren, auseinandergesetzt. Es waren ja auch meine eigenen Probleme. Deswegen habe ich mich dann auch letztlich in der »Renten-AG »engagiert.

Fachlich hattest du da keine Schwierigkeiten?

Da ich ab 1986 als Abteilungsleiter für Arbeit, Arbeitsrecht, Sozialpolitik in der GUE sehr viel mit arbeitsrechtlichen Fragen zu tun hatte, verfügte ich über einiges an Vorwissen und Erfahrung, weswegen ich mich dann relativ schnell in die neuen Bestimmungen einarbeiten konnte. Das habe ich dann auch genutzt, um KollegInnen zum Beispiel auch in der GEW-Rechtsschutzstelle zu beraten und zu helfen bei ihren Problemen mit der Rente. Zu beantworten waren die vielfältigen Fragen mit der Überführung der Sozialversicherungsrente und der Zusatzversorgung der Pädagogen in die gesetzliche Rente der BRD nach dem Sozialgesetzbuch VI. Dieser Prozess ist bis heute noch nicht abgeschlossen.

Du leitest die AG inzwischen auch.

Ja. Und anders als am Anfang kümmern wir uns inzwischen nicht mehr nur um die Ost-Renten, sondern um die Altersversorgung generell. Deshalb nennen wir uns jetzt auch AG Altersversorgung, vorher nannten wir uns Renten-AG. Unser Konzept ist, für und mit der GEW zusammen Forderungen zu entwickeln und durchzusetzen. Wir warten also nicht einfach ab, ob die GEW was für uns tut, sondern machen klar, was wir wollen, wo die GEW in unserem Sinne aktiv werden soll und muss.

Bist du denn sonst noch aktiv in der Seniorenarbeit der GEW?

Nein, dazu habe ich einfach keine Zeit mehr. Ich mache ja nicht nur die AG und die Beratung in der Rechtsschutzstelle, sondern bin im Verein »Kiek in« tätig als Vorstandsmitglied und Verantwortlicher für die Finanzen. Und dann auch noch im Förderverein »Initiative Bildung«, obwohl es dort so langsam ausläuft. Also das reicht dann auch.

Und außerdem bist du ja auch noch auf der Bundesebene aktiv, jetzt zum Beispiel bist du mit dabei bei der Erstellung des Rentenratgebers.
Ja, aber das fällt ja mehr zusammen mit den Bereichen, in denen ich ohnehin arbeite. Aber außerhalb dieses Gebietes kann ich eben in der Seniorenarbeit nichts machen, weil das zeitlich einfach nicht mehr geht. Ich will ja auch ab und zu noch meine Familie sehen. Ich habe jetzt zwar keine 5-Tage-Woche mehr, aber eine 3-4-Tage-Woche ist es auch, die ich mit ehrenamtlichen Sachen verbringe.

Also mit anderen Worten: so ruhig ist dein Ruhestand gar nicht. Und Langeweile gibt es bei dir auch nicht, oder?

Nein, aber es ist auch so: Ich muss immer was machen!

Und was treibt dich an zu deinem umfangreichen ehrenamtlichen Engagement?

Wie gesagt, ich muss immer etwas tun. Ich stelle meine Kenntnisse aber auch gern anderen zur Verfügung und freue mich, wenn ich anderen helfen kann, wenn ich selbst mithelfen kann, etwas zu verändern. Dann ist das ja auch eine gewisse Befriedigung. Da macht die ehrenamtliche Arbeit auch Spaß.

Werner, du bist zwar vielen KollegInnen aus der SeniorInnenarbeit bekannt, aber weniger den Mitgliedern, die noch nicht so weit sind. Kannst du kurz deinen Werdegang skizzieren?

Ich habe nach dem Abitur Lehramt in Dresden studiert: Mathematik, Geografie und auch noch Astronomie – das war ein Fach, das an der gerade eingerichteten zehnjährigen polytechnischen Oberschule neu dazugekommen war. Nach dem Studium bin ich dann Ende 1959 an eine Schule in Karl-Marx-Stadt gekommen und bin auch gleich in die Gewerkschaft eingetreten, in die Gewerkschaft Unterricht und Erziehung (GUE). Neben meiner Lehrertätigkeit war ich ziemlich schnell ehrenamtlich als Vorsitzender des Jugendausschusses aktiv. Nach sechs Jahren Lehrtätigkeit bin ich dann 1965 zum BGL-Vorsitzenden gewählt worden, später hieß das dann Kreisvorsitzender.

Also für ganz Karl-Marx-Stadt zuständig?

Nein, nein, nur für einen der drei Stadtbezirke in Karl-Marx-Stadt. Ich war also jetzt hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionär und nicht mehr an der Schule. Das habe ich bis 1974 gemacht und bin dann zum Institut für Leitung und Organisation des Volksbildungswesens in Potsdam, einem Institut der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften gegangen, um dort einen Diplomabschluss zu erwerben. Als ich da nach einem Jahr fertig war, habe ich dann das Angebot bekommen, als Mitarbeiter des Zentralvorstandes der GUE zu arbeiten. Das habe ich natürlich angenommen. Ich war ab 1975 dort anfangs hauptsächlich für die Lehreraus- und Lehrerweiterbildung zuständig. Im Laufe der Zeit kamen noch andere Aufgabengebiete dazu. Und wie bereits erwähnt, war ich bis zur Wende als Abteilungsleiter und danach als Mitarbeiter der GUE i. L. dort tätig.

Werner, wir danken dir für das Gespräch!

 

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