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Nr. 02/2000
Gewalt gegen Lehrkräfte
Der Vorsitzende der GEW Thüringen, Jürgen Röhreich: „Es ist an der Zeit über Gewalt an Schulen mit Schülern, Eltern, Lehrern und gesellschaftlichen Kräften offen zu reden.” Leicht gesagt, aber: Worüber soll gesprochen werden? Wo ist der Platz in der Schule, um über Gewalt zu reden? Was ist notwendig, um Gewalt zu verhindern oder sich vor ihr zu schützen?

Die Betrachtung der vielfältigen Ursachenbeschreibungen von Gewalt bietet einige Ansatzpunkte ihr zu begegnen. Medienkonsum und die permanente Präsenz von Bluttaten in den Medien lässt die Hemmschwelle sinken. Am Medienkonsum wäre nur etwas zu ändern, wenn den Kindern und Jugendlichen Alternativen geboten würden. Aber diese werden systematisch abgebaut. Was bleibt, ist das Thematisieren und Aufarbeiten der Medienangebote im Unterricht: Was heißt es für dich, wenn dein gesellschaftlicher Alltag so aussähe? Was wünschst du Dir für dein Leben mit anderen Menschen?

Ziel dabei muss sein, die Regeln und das Grundverständnis vom Miteinander im Zusammenleben von Menschen klarzulegen.

Schule und Lehrer-innen übernehmen im Leben der Kinder und Jugendlichen eine teils veränderte, teils immer bedeutendere Rolle. Eine Folge davon ist, dass sich Gewaltphantasien verstärkt auch gegen Schule und Lehrer-innen richten. Eine Reihe von Schulen haben daraus schon Konsequenzen gezogen und sind mit ihren Präventionsmodellen gegen Gewalt erfolgreich. Die blz hat darüber berichtet.

Aber was kann und sollte man bei Gewaltvorfällen tun?

Eindeutig ist: Gewaltvorkommnisse dürfen nicht verschwiegen werden! Der Grad der Öffentlichkeit muss mit den Betroffenen besprochen werden, dazu bedarf es professioneller Hilfe. Das Landesschulamt hat bereits in einem Schreiben vom 5. November 1998 an alle Schulen auf die Verfahrensweisen nach Gewaltvorfällen hingewiesen:

  • Zur Beratung kann man sich an die Diplompsychologin Bettina Schubert wenden, die sich im LSA seit Jahren mit Gewaltvorkommnissen und Gewaltprävention auseinandersetzt. (Stellenzeichen LSA PA, Tel. 90 26 65 13, Fax 90 26 60 06) Sie bietet an:
    • telefonische Beratung bei aktuellen Gewaltvorfällen an Schulen, z.B. bei Fällen von Waffeneinsatz, Bedrohungen von außen, extremistisch motivierten Vorfällen, bei Gruppentätern, bei aktuellen Auseinandersetzungen.
    • Beratung vor Ort in bedrohlichen Situationen und Teilnahme an Dienstbesprechungen und Konferenzen.
    • Hilfen für Lehrer-innen und Lehrer, die sich z.B. auf Klassenreisen durch Gruppen bedroht fühlen und eine psychologisch erfahrenen Ansprechpartnerin suchen.
    • vertrauliche Einzelberatung für Opfer von Gewaltvorfällen. Ein rechtzeitiges Hilfeangebot (innerhalb des ersten Monats nach dem Geschehen) ist sehr wichtig für eine erste Verarbeitung der Vorkommnisse.
  • Sehr häufig wird es notwendig sein, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Das sollte man aber nicht als Privatperson tun, schon um sich vor Racheakten zu schützen.
    • Das Amt erstattet im Rahmen seiner Fürsorgepflicht im Auftrag des Landes Berlin die Strafanzeige. Die Betroffenen sollen sich an die zuständige Schulaufsicht wenden und das Amt um die evtl. notwendige Anzeigenerstattung bitten. Über die GEW-Rechtsschutzstelle kann die notwendige anwaltliche Beratung erfolgen: Tel. 21 99 93 45. Auch die Personalräte und die Frauenvertreterinnen können Hilfe leisten.
  • Zur Gewaltprävention und zur Aufarbeitung bieten auch folgende Stellen ihre Unterstützung an:
    • Am BIL (Berliner Institut für Lehrerfort- und –weiterbildung und Schulentwicklung die Arbeitsgruppe “Schule ohne Gewalt”: Tel. 90 17 21 97 (Frau Schneider) und Tel. 90 17 21 41 (Frau Hagedorn).
    • Das Zentrum demokratische Kultur, Regionale Arbeitsstelle für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule e. V., Chausseestr. 29, 10115 Berlin, Tel. 282 30 79, Fax 238 43 03.

    Gemeinsam gegen Gewalt

    Im Fall der Morddrohungen gegen einen Berliner Lehrer wurde deutlich: besonders hart ist es, wenn Gewalt, in welcher Form auch immer, die Betroffenen völlig unerwartet trifft. Sie reagieren mit Schock, sind traumatisiert. Sie fühlen sich allein gelassen oder gar mitschuldig. Schon deswegen ist es wichtig, frühzeitig das Kollegium einzubeziehen: Gewalt gegen Lehrer ist kein individuelles Problem! Mit der Gewalt gegen einen Einzelnen in der Schule werden eklatant die Regeln des Miteinander verletzt, deshalb geht dies alle an: Lehrer, Schüler und Eltern. Nur wenn alle Beteiligten informiert sind, können auf der Basis gemeinsam besprochener Positionen Strategien zum weiteren Vorgehen entwickelt werden. Alles ist hier vorstellbar: Projekttage, Einschaltung von professionellen Helfern, Informieren der Öffentlichkeit. Nur eins hilft nicht: Schweigen!

    Sigrid Baumgardt
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