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Nr. 03/3000
Die Katze ist aus dem Sack
In einem Offenen Brief an die GEW gibt Schulsenator Böger die Arbeitszeitverlängerung bekannt und beendet damit die achtjährige Phase einer gemeinsame Verantwortung für die Organisation von Schule in Berlin.

   Die Vorsitzende des Gesamtpersonalrats Rose-Marie Seggelke stellt Schulsenator Böger im Roten Rathaus zur Rede
Foto: Christian von Polentz/transit

"Sehr geehrter Herr Thöne,

...sicher stimmen wir darin überein, dass die Aufgabe, die schulische Versorgung der Kinder und Jugendlichen zu 100 Prozent zu gewährleisten, die oberste Priorität für alle bildungspolitischen Ansätze hat... Mit Ihrer nachdrücklich bekräftigten Verhandlungsbereitschaft bezüglich der Verbesserung der Qualität von Schulen verbinden Sie den Anspruch, sowohl hinsichtlich der im Rahmen der Aufstellung des Haushaltsplans 2000 notwendigen Festlegungen als auch bezüglich der Lehrerarbeitszeit keine Einschränkungen hinzunehmen. Im Rahmen der Haushaltsberatungen stehen Entscheidungen an, die auch den Lehrerstellenplan betreffen. Angesichts der prekären Haushaltslage des Landes Berlin kann dieser Bereich nicht ausgenommen werden. Oberstes Ziel bleibt dabei die Sicherung der Unterrichtsversorgung und der Qualität des Unterrichts im Interesse gegenwärtiger und zukünftiger Bildungschancen aller Schülerinnen und Schüler. Die Einsparungen im Personalbereich des Landes Berlin von 450 Mio. DM entsprechen den Haushaltseckdaten, wie sie in der Koalitionsvereinbarung festgelegt worden sind.

Dabei werden die Lehrerstellen nur zur Hälfte in die Berechnungen einbezogen. Darüber hinaus haben wir die Sparquote im Lehrerbereich so begrenzen können, dass der Bildungsauftrag gesichert wird. Wir werden in diesem Schuljahr Einstellungen im Umfang von 500 Stellen vornehmen und im nächsten Schuljahr im Umfang von 600 Stellen, mit denen gerade auch jüngere Lehrerinnen und Lehrer eine Chance zur Einstellung bekommen, und die Notsituation in den Mangelfächern abgemildert werden kann... Die Erhöhung der Arbeitszeit der Lehrkräfte um eine Stunde ist notwendig, um keine Abstriche an pädagogischen Standards machen zu müssen. Es wird also keine Absenkung der Stundentafel, keine Erhöhung der Klassenfrequenzen und eine deutliche Verminderung des Unterrichtsausfalls geben. Ich bitte Sie, die notwendigerweise anstehenden Entscheidungen mit zu tragen und mich in meinem Bestreben zu unterstützen, die Interessen der SchülerInnen und Schüler, ihrer Eltern sowie der Lehrkräfte abzuwägen und sich den Überlegungen zur Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung in einem im Vergleich zu den anderen Bundesländern zumutbaren Umfang von einer Stunde nicht zu verschließen... Meiner Verantwortung für alle im Bildungswesen dieser Stadt Beteiligten werde ich mit vollem Engagement folgen, und ich setze dabei auf Ihre konstruktive Mitarbeit.

Klaus Böger / 26.01.2000"

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