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blz 3-4/2009: Leserbrief
betr. „Denn Glaube allein versetzt keine Berge“ (blz 02/2009)
In Sigrid Baumgardts Glosse „Denn Glaube allein versetzt keine Berge“ fehlen grundsätzlich drei Aspekte:
  1. Die christlichen Religionsgemeinschaften wollen die Kosten für ihre Lobby-Arbeit auf den Staat, d.h. auf jeden Steuerzahler abwälzen. Die Religionslehrer im Staatsdienst werden nicht mehr – auch nur teilweise- von den Kirchen bezahlt, sondern vom Staat, der dafür Kürzungen im Sozial- Kultur- und/oder Bildungsbereich vornehmen wird.
  2. Die christlichen Gemeinschaften wollen keinen ökumenischen Religionsunterricht einführen, sondern sie wollen einen katholischen und einen evangelischen Unterricht - vom Staat protegiert und bezahlt - bekommen. Die Kehrseite dieser sektiererischen Haltung ist, dass auch andere Religionsgemeinschaften das Recht haben werden, ihre Religion in ihren besonderen Facetten in die Schulen zu bringen, z. B., Sunniten, Schiiten, Aleviten, Hindus, Buddhisten. Die Kosten für die Verwaltung, die Einführung (incl. Studium) und die Durchführung eines Schulfaches Religion würden ins Unüberschaubare steigen. Streit um Inhalte und Pfründe zwischen den Religionsgemeinschaften würde es – angesichts des einen, gemeinsamen Gottes – logischerweise nicht geben!
  3. Die Aufnahme eines Schulfaches Religion mit  zwei Unterrichtsstunden in der Woche in den Fächerkanon von Klasse 1 bis 12 bedeutet, dass das Stundensoll in anderen Fächern gekürzt werden muss, da den Schülern nicht 2 zusätzliche Schulstunden zugemutet werden können. So wurde in den letzten Jahren – ohne Protest von irgendeiner Seite – der Erdkunde- und der Musikunterricht im 8. Jahrgang der Gesamtschulen um 1 Stunde auf eine Stunde gekürzt, weil 2 Stunden Ethik in die Stundentafel eingebaut werden mussten. Welche Fächer sind in der Primarstufe oder in der Oberstufe so unwichtig, dass man sie für Bibel- oder Koranunterricht zeitlich beschneiden dürfte?

Für Gedächtniskünstler und Nachbeter hätte das Fach Religion allerdings auch einen positiven Aspekt: Das Anheben des Notendurchschnitts. Vielleicht würde sich der Berliner Schnitt auf die Weise sogar dem bayerischen Notendurchschnitt annähern.

Anne Schmidt

 

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