Kaum zu glauben – es tut sich was
Über die Honorare der Lehrbeauftragten im Wintersemester
von Herwig Grote und Linda Guzzetti, Lehrbeauftragte
Seit dem letzten blz-Beitrag im Oktober 2008 zur Forderung nach höheren Honoraren der Lehrbeauftragten der Sprachenzentren der Universitäten hat sich sowohl an den Fachhochschulen als auch den Sprachzentren der Universitäten einiges bewegt.
Beispielhaft für die Berliner Fachhochschulen ist die aktuelle Situation an der Alice-Salomon-Hochschule (ASH). Die ASH befindet sich in einer Modernisierungsphase: Sie hat sich national wie auch international einiges Ansehen erworben und die Ziele des Bologna-Prozesses zügig umgesetzt. Diese Veränderungen hatten ihren Preis. Die Raumkapazitäten sind unzureichend, Seminarbelegungen von 50 und mehr StudentInnen im Grundstudium sind der Regelfall. Die Studienangebote der »klassischen« Sozialarbeiterausbildung wurden stark ausgedünnt. Im vergangenen Jahr boykottierten die StudentInnen erfolgreich das Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE-Ranking) aus Protest gegen eine neoliberal ausgerichtete Hochschulpolitik.
Den Preis für diese Entwicklung zahlen aber auch die Lehrbeauftragten der Hochschule, deren Anzahl auf etwa 170 angestiegen ist und die rund 50 Prozent der Lehre abdecken. Ein solch hoher Anteil von Honorarbeschäftigungen ist keine Ausnahme für eine Fachhochschule, sondern ein Baustein der Berliner Bildungspolitik: Billiger und flexibler ist das Motto.
Gegen diese ungeschützten Vertragsverhältnisse ist der Widerstand schwierig zu organisieren, aber für die Gremienwahlen im Januar fanden sich trotzdem unter den Lehrbeauftragten ausreichend viele KandidatInnen, was wegen fehlender Vergütung des Zeitaufwandes keineswegs selbstverständlich war.
Die Honorare an der ASH wurden auf Beschluss des Rektorats zum Sommersemester um 10 Prozent erhöht. Lehrbeauftragte mit Diplom erhalten somit um die 26 Euro, mit Promotion 32 Euro und habilitierte Dozenten etwa 36 Euro pro Unterrichtseinheit. Wichtig ist an dieser Stelle der Hinweis, dass bei den Honoraren der Lehrbeauftragten die Vor- und Nachbereitungszeit sowie die StudentInnenberatung inklusiv sind, sodass viele Lehrende real kaum ein Honorar von 12 Euro pro Stunde erreichen. Vergütet wird aber die Teilnahme der Lehrbeauftragten an einer für sie organisierten Informationsveranstaltung zum Semesterbeginn sowie die einmalige Teilnahme an einer Fachkonferenz pro Semester. Für die Abnahme von Prüfungen wird eine Aufwandsentschädigung gezahlt. Der eigentliche Skandal ist, dass eine Hochschule, deren AbsolventInnen zunehmend in prekäre Beschäftigungsverhältnisse entlassen werden, ihre Modernisierung auf ebensolchen Ausbeutungsformen begründet.
An den Sprachenzentren der Universitäten sind ganz unterschiedliche Entwicklungen zu verzeichnen. An der TU ist die Bezahlung der Lehrbeauftragten für die ganze Universität neu geregelt worden. Nachdem die Lehrbeauftragten des Sprachenzentrums und der mathematischen Fakultät höhere Honorare gefordert hatten, diskutierte im Juli 2008 der Akademische Senat einen Antrag, den Hannelore Reiner von der ver.di-Liste für die Reformfraktion eingebracht hatte. Der Akademische Senat berief eine Kommission ein, der auch VertreterInnen der Fakultäten, der Zentraleinrichtung Moderner Sprachen (ZEMS) und des Personalrats angehörten und die sich auf eine Erhöhung geeinigt hat. Am 4. Februar 2009 hat der Akademische Senat den Vorschlag der Kommission ange-nommen: Die Lehrauftragsvergütung wird auf mindestens 25 Euro, bei Sprach-unterricht 30 Euro für Standardkurse beziehungsweise 35 Euro für Fach-sprachen erhöht. Das Kuratorium hat am folgenden Tag zugestimmt. Am 1. April ist die Erhöhung in Kraft getreten.
An der FU gab es keine universitätsweite Anpassung der Honorare der Lehrbeauftragten. Am Sprachenzentrum war im Sommersemester 2008 ein Honorar in Höhe von 28,40 Euro gefordert worden. Das wurde nicht akzeptiert, aber zum Wintersemester wurde die Lehrbeauftragtenvergütung gleichmäßig für alle Sprachkurse von 21,40 auf 25 Euro erhöht.
Am Sprachenzentrum der HU hatten die Lehrbeauftragten am Ende des Wintersemesters 2007/2008 eine Erhöhung der Honorare von 21,40 auf 25 Euro für normale Sprachkurse und auf 28 Euro für Kurse mit einem erhöhten Vorbereitungsaufwand gefordert. Im April 2008 hat das Direktorium des Sprachenzentrums beschlossen, lediglich die Honorierung der Kurse auf Niveau C1 (fortgeschrittenen) der nicht-europäischen Sprachen von 21,40 auf 23 Euro zu erhöhen. Für alle anderen Kurse, also die Mehrheit, bekommen die Lehrbeauftragten weiterhin nur 21,40 Euro. Deswegen bereiten die Lehrbeauftragten einen neuen Erhöhungsantrag vor.
Es ist in den vergangenen Monaten eini-ges erreicht worden. Wichtig aber ist, den Druck aufrechtzuerhalten und darüber hinaus auch Verbesserungen der arbeitsrechtlichen Stellung anzustreben.
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