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Nr. 06 / 2009: Es hätte schlimmer werden können

Es hätte schlimmer kommen können

Absicherung der Schulstrukturreform beschlossen

von Rose-Marie Seggelke, Vorsitzende der GEW BERLIN

Im zweiten Anlauf haben die Berliner Regierungsfraktionen am 12. Mai 2009 beschlossen, wie die geplante Schulstrukturreform in der Stadt finanziell und personell abgesichert werden soll. Das Ergebnis hätte schlechter ausfallen können. Wir sind erst einmal ganz zufrieden, dass die Zumessungsfrequenz in den Sekundarschulen bei 25 SchülerInnen liegen wird. Noch im Februar hatte der Senatsvertreter Siegfried Arnz in einer GEW-Veranstaltung öffentlich erklärt, dass eine Absenkung der Zumessungsfrequenz auf 27 nicht finanzierbar sei. Hier hat unsere Beharrlichkeit dazu geführt, dass sich zunächst die Linke und dann auch die SPD-Fraktion unserer Forderung nach einer deutlichen Absenkung angeschlossen haben. Die geforderte Zumessungsfrequenz von 24 haben wir zwar nicht durchsetzen können, aber es hätte ohne unsere guten Argumente wesentlich schlimmer kommen können.

Als Erfolg für die GEW BERLIN verbuchen wir auch, dass die Pflichtstundenzahl für Lehrkräfte einheitlich auf 26 festgelegt worden ist. Das bedeutet seit Jahren erstmals wenigstens für die Haupt- und Realschullehrkräfte eine Absenkung ihrer Pflichtstunden. Bis auf die Grund- und Sonderschullehrkräfte gilt ab 2009/10 nun eine einheitliche Pflichtstundenzahl. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wir werden weiter darum kämpfen müssen, dass den massiv gestiegenen Anforderungen mit einer Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung für alle Berliner Lehrkräfte begegnet wird.

Die strukturelle Förderung, das ist die Förderung von SchülerInnen mit nichtdeutscher Herkunftssprache oder mit Lernmittelbefreiung, soll nach dem Senatsbeschluss in den Sekundarschulen um mehr als das Doppelte verbessert werden. Das klingt gut, aber wir befürchten nach wie vor, dass hier Personal aus den Grundschulen abgezogen wird. Senator Zöllner hat in einem Gespräch mit der GEW BERLIN am 13. Mai erklärt, dass dieser Topf erhöht wird, wir werden das sehr aufmerksam verfolgen. Es kann nicht sein, dass die bessere Förderung an den Sekundarschulen zulasten der dringend erforderlichen Frühförderung an den Grundschulen geht.

Bei der Zumessung von allgemeinen Förder- und Teilungsstunden wird es nach dem Senatsbeschluss lediglich für die Real-schülerInnen Verbesserungen geben. Insgesamt aber konstatieren wir, dass an den Sekundarschulen Lerngruppen mit einer Frequenz von deutlich unter 25 eingerichtet werden können. Das kann hoffentlich die Akzeptanz bei SchülerInnen, Lehrkräften und Eltern für die Sekundarschule erhöhen.

Hier liegt der Knackpunkt: Die Schulstrukturreform in Berlin kann nur gelingen, wenn das pädagogische Personal vor Ort motiviert wird, sie auch umzusetzen. Zurzeit überwiegt die Reformmüdigkeit unter den PädagogInnen. Viele wollen aufgrund ihrer Erfahrungen der vergangenen Reformen und Reförmchen nicht mehr mitziehen. Sie befürchten, dass ihnen ausschließlich Mehrbelastungen aufgebürdet werden, die sie nicht mehr verkraften können. Der Senator muss klarstellen, dass die Sekundarschule eine attraktive Schule für SchülerInnen und Lehrkräfte wird.

Dass ab dem Schuljahr 2009/10 ein umfangreiches Fortbildungsprogramm zum Umgang mit heterogenen Lerngruppen für die Sekundarschulen entwickelt wird, be-grüßen wir ausdrücklich. Wie die Pädago-gInnen für die Teilnahme an diesen Fortbildungsveranstaltungen motiviert und entlastet werden, darüber muss man in der Beuthstraße noch intensiv nachdenken. Senator Zöllner hat zugesagt, am 30.Juni 2009 an einer Veranstaltung der GEW BERLIN zum Thema »Sekundarschule, eine attraktive Schule für SchülerInnen und PädagogInnen« teilzunehmen. Wir freuen uns auf euch am 30. Juni 2009 um 18 Uhr im OSZ Handel in der Kreuzberger Wrangelstraße.

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