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Nr. 04-05/2000
Standpunkt: Was passiert, wenn sich nichts ändert?
Am 11.3.2000 fand in Berlin der Sternmarsch 2000 statt. Trotz Regen und Wind fanden sich 40.000 Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer ein, um auf die sich dramatisch verschlechternde Situation in den Berliner Schulen aufmerksam zu machen.

Wir alle sind sehr besorgt und fordern die Berliner Politiker auf, sehr schnell zu reagieren und umgehend eine Verbesserung der Schulsituation in Angriff zu nehmen. Die Zukunft unserer Kinder steht auf dem Spiel. Der Regierende Bürgermeister Herr Diepgen sprach in seiner Regierungserklärung von Berlin als wissenschaftlicher und kultureller Metropole! Wer soll diese Visionen mit Leben erfüllen, wenn nicht bald der Zusammenhang zwischen Wissenschaft, Zukunft und Bildung hergestellt wird. Diese Stadt entwickelt sich rasant, trifft aber keine Vorsorge um in einigen Jahren genügend junge gut ausgebildete Menschen aus dem eigenen Umfeld in verantwortungsvolle Aufgaben einbinden zu können. Die Green-Card darf und kann nicht die Lösung sein. Aber sie zeigt uns zurzeit sehr deutlich, wohin mangelnde Vorausschau und sparpolitische Gegenwartsund Zukunftsplanung führt. Es steht zu befürchten, dass die Berliner Schülerinnen und Schüler im bundesweiten Studienplatz-Wettbewerb auf der Strecke bleiben. Ganz zu schweigen von den vielen jungen Menschen, die die Schule ohne Abschluss verlassen müssen und ohne Chancen und Perspektiven ins Erwachsenenleben eintreten. Wird diese Situation weiterhin ignoriert, gefährden wir den sozialen Frieden und die im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung für Jedermann. Und sollte die persönliche Betroffenheit junger Menschen keine ausreichende Argumentationsbasis darstellen – noch eine Vision: Stehen keine eigenen gut ausgebildeten Bewerber für vakante Stellen zur Verfügung, hole ich sie mir aus den Firmenniederlassungen der anderen Bundesländer. Vorsicht! Viele Familien mit schulpflichtigen Kindern informieren sich sehr gut über das schulpolitische System und über das Bildungs-Niveau, in das sie umschulen, und sind durchaus bereit, auf ihre eigene Karriere zu Gunsten der Ausbildung ihrer Kinder zu verzichten. Auch der Industrie- und Wirtschaftsstandort Berlin ist gefährdet. Möglicherweise entscheiden sich Familien in einer solchen Frage auch zu einer Wochenendbeziehung!

Das Gesicht der Weltstadt Berlin wird dann geprägt von Männern in Nadelstreifen und von Frauen in Kostümen und kleinen Aktentaschen. Wir brauchen nur noch Apartments, keine Spielplätze, keine Kindergärten. Schulen nur noch als private Einrichtungen. Der Ärger mit den unzufriedenen Eltern hat dann auch endlich ein Ende. Sicherlich ist einiges überspannt, aber wehret den Anfängen. Es ist wirklich höchste Zeit!

Birgit Goßler
Elterninitiative Aktion Bildung

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