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Nr. 04-05/2000
Reform der LehrerInnenbildung: Diskussion in der GEW angekommen!
Drei Tage lang trafen sich Kolleginnen und Kollegen, um über eine Reform der LehrerInnenbildung zu diskutieren und zu streiten. Gekommen waren 160 VertreterInnen aus unterschiedlichen GEW – Bereichen und Funktionen. Alle Landesverbände waren vertreten. (Fast) alle Mitglieder des Geschäftsführenden Landesvorstands (GV) aus Frankfurt waren anwesend.

Die GEW-Projektgruppe LehrerInnenbildung, die diese Tagung zusammen mit Gerd Köhler vom GV vorbereitet hatte, wertet es als Erfolg, die Diskussion über die Ausbildung von LehrerInnen endlich aus dem Kreis von ExpertInnen herausgeführt und in eine breite Debatte innerhalb der GEW überführt zu haben. Gründe für diese Debatte gibt es mehr als genug und nicht erst, seitdem eine gemischte Kommission der KMK Ende des Jahres 1999 einen umfassenden Bericht zu den „Perspektiven der Lehrerbildung in Deutschland“ vorgelegt hat. In diesem Bericht wurden zwar die bisherigen Stärken der fundierten fachwissenschaftlichen Ausbildung gelobt, aber eindeutige Defizite in der pädagogischen Professionalisierung durch die Universitäten („Ende der Beliebigkeit“), in der zweiten Phase („eine vernachlässigte Phase“) und während des Berufseinstieges festgestellt.

Diese Mängel sind seit vielen Jahren bekannt und benannt, sie haben jedoch nicht zu konsequenten inhaltlichen und curricularen, organisatorischen und strukturellen Veränderungen geführt. Das Beharrungsvermögen, die Verteidigung von „Besitzständen“, der finanzielle Kürzungsdruck und die Behauptung (nicht nur) der Kultusministerien auf Länderebene, die jeweils „beste“ LehrerInnenausbildung zu haben und verteidigen zu müssen, verhinderten jegliche grundlegende Reformen.

Genügend Zündstoff für die Diskussion

Aber auch die Diskussionslage innerhalb der GEW ist bislang nicht so eindeutig vorwärts weisend, gibt es doch auch unter uns genug Zündstoff und unterschiedliche Positionen, die nicht rasch auf einen Nenner zu bringen sind. Deutlich wurde das in der Diskussion sowohl innerhalb der Projektgruppe als auch in der Auseinandersetzung um die „Hamburger Thesen zur LehrerInnenbildung“, die die Projektgruppe als Zwischenstand ihrer Beratungen in Hamburg vorgelegt hatte:

  • Pädagogische Professionalität und lebenslanges Lernen – als abstrakte Forderung aufgestellt – findet große Zustimmung. Wenn es aber darum geht, die fachwissenschaftliche Ausbildung zu Gunsten eines Erwerbs pädagogisch-sozialer Kompetenzen in ihren quantitativen Anteilen in der Erstausbildung an der Universität zu kürzen, ist der Konsens zerbrochen;
  • Die Aussage, an alle LehrerInnen werden Anforderungen gleich hoher Komplexität gestellt und alle benötigen in gleicher Weise strukturiertes professionelles Wissen, wird unterstützt, obwohl da doch die leise oder laut geäußerte Vorstellung eingeflochten wird, dass GymnasiallehrerInnen wohl etwas „wissenschaftlicher“ und länger ausgebildet werden müssten (mit der Konsequenz einer höheren Besoldung, natürlich). Dabei wird offensichtlich „wissenschaftlich“ ausschließlich mit dem Studium der den Schulfächern verwandten „Fachwissenschaften“ assoziiert.
  • Die Kritik an einem hierarchischen, dem Beamtenrecht entsprungenen System des Referendariats, das die „Auszubildenden“ in Abhängigkeit hält und einen starken Anpassungsdruck ausübt, wird geteilt. Wenn dann konsequenterweise die Abschaffung der Zweiten Phase auf die Tagesordnung gesetzt wird, regt sich auch bei GEW-KollegInnen der Widerstand. Insgeheim schlägt dann doch die Vorstellung durch, die noch „unfertigen“ ReferendarInnen erst auf die Realitäten der Schulpraxis zurichten zu müssen.
  • Fehlen dem einen konkrete Vorschläge zur Umsetzung, sind dem anderen die Forderungen schon zu festgelegt und berücksichtigen zu wenig die jeweiligen Situationen und den Diskussionsstand im Landesverband.

Querschnittsaufgabe für die ganze GEW

Auf jeden Fall waren die Diskussionen in Hamburg lebhaft und haben Hinweise für die notwendige Weiterarbeit innerhalb der GEW an diesem Thema gegeben. Es wird sich zeigen, ob die gut begonnene Auseinandersetzung, die in einen Antrag für den nächsten Gewerkschaftstag münden soll, als Querschnittsaufgabe aller GEW-Bereiche weiterhin akzeptiert bleibt oder wieder marginalisiert wird. Angesichts der Prognosen für den LehrerInnenarbeitsmarkt in den nächsten zehn Jahren ist ein nicht unbeträchtlicher Einstellungsschub (auf jeden Fall in den westlichen Bundesländern) zu erwarten und damit eine Chance für die Unterstützung von Schulreformen und Schulentwicklungen durch anders und für diese Aufgabe professioneller ausgebildete KollegInnen eröffnet. Allerdings dürfen die Reformen nicht lange auf sich warten lassen, sie sind jetzt notwendig!

Brigitte Reich

P. S. Die „Hamburger Thesen zur LehrerInnenbildung“ sind bei Brigitte Reich, Tel. 324 32 18 oder per e-mail: reich@eugwiss.hdk-berlin.de anzufordern.

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