Wie die Mauer in den Gewerkschaften fiel
Ein Rückblick auf die Zeit Ende 1989 bis 1990
das Interview führte Sigrid Baumgardt, verantwortliche Redakteurin der blz
Erhard Laube war am 9. November 1989 der Vorsitzende der GEW BERLIN, Ilse Schaad Leiterin des Referats Beamten- und Angestelltenrecht, Tarifpolitik und Dieter Haase Lehrer an der 16. POS in Mitte.
9. November 1989, ein historisches Datum, insbesondere auch für die BerlinerInnen hüben und drüben. Wie habt ihr den Tag, die Nacht, den folgenden Morgen erlebt?
Ilse: Ich habe am Abend zwischen 9 und 10 Uhr Radio gehört und da wurde gesagt, dass ab sofort für die Bürgerinnen und Bürger der DDR-Reisefreiheit besteht. Daraufhin habe ich meine Kinder, damals 6 und 9 Jahre alt, aufgeweckt und bin mit ihnen zum Checkpoint Charlie gefahren, später zum Brandenburger Tor. Die Menschen standen auf der Mauer, jubelten, tobten herum ... um 2 Uhr waren wir wieder zu Hause. Ich hab damals gedacht, das ist ein Moment, den meine Kinder nie in ihrem Leben vergessen werden und das bestätigen sie mir auch heute noch.
Erhard: Ich saß mit GEW-KollegInnen in einer Wohnung zusammen, als eine Kollegin verspätet zu uns stieß und sagte: »Habt ihr schon gehört, die Mauer ist auf.« Wir haben den Sinn erst gar nicht erfasst, sondern weitergearbeitet und daraufhin wiederholte sie den Satz etwas später. Da begriffen wir langsam, was passiert ist. In der Nacht bin ich zur Bornholmer Straße gefahren. An den folgenden Tagen war ich ständig in der City unterwegs und genoss das unglaubliche Treiben auf den Boulevards.
Dieter: Ich war an diesem Abend in der Kongresshalle am Alexanderplatz zu einer Veranstaltung die von Eltern, Ärzten, Pädagogen zu möglichen Veränderungen in der Bildungspolitik der DDR durchgeführt wurde. Es war eine offene, bunte Diskussion, wie ich sie vorher noch nie erlebt hatte. Es war wie ein Dammbruch. Mit dem Fortschreiten des Abends begann auf einmal das Publikum, von den hinteren Reihen anfangend den Raum zu verlassen. Die, die vorne saßen, konnten sich überhaupt nicht erklären, warum trotz spannender Diskussion die Leute gingen. Gegen 22 Uhr haben wir etwas frustriert die Veranstaltung beendet. Erst als ich nach Hause kam und meine Freunde aus West-Berlin anriefen und mich fragten, wo ich denn bleibe, wurde mir klar, wohin das Publikum gegangen war. Wie war die Ausgangslage in der DDR? Dieter, du hast gerade angedeutet, dass es schon eine bildungspolitische reformorientierte Debatte gab? Wie und wo wurde sie geführt? Was waren die Inhalte der Debatte?
Dieter: Eine Vielzahl von PädagogInnen war durch die neue politische Situation verunsichert und paralysiert. Andere jedoch sahen in dieser Entwicklung die Chance, eine demokratische Schule zu entwickeln, ohne den ideologischen Ballast unter Beibehaltung der positiven Elemente des Bildungssystems der DDR wie zum Beispiel die zehnjährige gemeinsame Schule, die Hortbetreuung, die Schulspeisung und anderes mehr.
Nun zum Westteil. Wie sah die Situation im November 89 im Westteil der Stadt aus? Zeitgleich zum Mauerfall fand der große Kita-Streik statt und du, Erhard, warst frisch im Amt als Berliner GEW-Vorsitzender.
Erhard: Die historische Dimension dessen, was da auf uns zu kam, hatten wir nicht erfasst. Wir streik-ten für Vor- und Nachbereitungszeiten von Erzieherinnen und Erziehern. Wir wollten nicht wahrhaben, dass ein erfolgreiches Ende des Streiks völlig unrealistisch geworden war. Plötzlich standen ganz andere Themen auf der Tagesordnung der Politik in Berlin und in Deutschland. Klar war uns sehr schnell, dass sich die kleine über-schaubare GEW Berlin verändern würde und dass tarifpolitische Themen im Vordergrund stehen werden. Wir haben dann ziemlich schnell neue Sachbearbeiter und Sachbearbeiterinnen eingestellt, vor allem im Bereich Arbeitsrecht und Tarifpolitik. Das war zwar vorausschauend und richtig, hat uns aber zeitweilig an den Rand der Liquidität gebracht. Denn neue Mitglieder, die Beiträge zahlen, gab es noch nicht, wohl aber wurde von der GEW Berlin schon unglaublich viel Beratung erwartet.
Jetzt noch einmal zu den gewerkschaftlichen Hintergründen in der DDR. Dieter, wie waren die Lehrkräfte und Erzieherinnen in der DDR organisiert? Welche Entwicklung nahm das Ganze nach der Öffnung? Wo fanden sich die reformerischen Kräfte wieder?
Dieter: In der DDR galt das Prinzip »Ein Betrieb – eine Gewerkschaft«. Hausmeister, Sekretärinnen, Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher in einer Schule waren in der Gewerkschaft Unterricht und Erziehung, kurz GUE, organisiert. Arbeiteten die Erzieherinnen in einer Krippe oder in einer Behinderteneinrichtung gehörten sie zur Gewerkschaft Gesundheit. Da aber alle Einzelgewerkschaften in der Dachgewerkschaft FDGB zusammengefasst waren, war dies nicht das Problem in der ersten Zeit nach der Maueröffnung. Erst mit der Wahl von neuen Gewerkschaftsfunktionären Anfang 1990 bekamen die Einzelgewerkschaften eine neue Bedeutung. In meinem Fall führte meine Bemerkung, dass wir neue unbelastete Kolleginnen und Kollegen wählen sollten, in einer Wahlveranstaltung zum Kreisvorsitz der GUE in Mitte dazu, dass ich es machen musste. Die reformorientierten Menschen wurden in allen Bereichen aktiv, ob in der Politik, in der GUE oder GEW Ost.
Wie sahen die ersten Begegnungen zwischen den Gewerkschaften aus den verschiedenen Blickwinkeln aus?
Erhard: Wir sind in die ersten Begegnungen mit einer unglaublichen Offenheit und wenig Strategie gegangen. Es gab ja keine Beispiele und Erfahrungen, an denen man sich orientieren konnte. Uns wurde allerdings schnell deutlich, dass es eine gemeinsame Arbeit mit dem alten Funktionärskörper der GUE nicht geben kann. Deren Gewerkschaftsverständnis ergab ja null Übereinstimmung mit unserem. Es passte nicht zum basisdemokratischen Selbstverständnis in der GEW Berlin. Und Dienstwagen mit Chauffeur? Ich bin sehr froh, schnell die Überzeugung gewonnen zu haben, dass es eine direkte Rechtsnachfolge der GEW Berlin nicht geben könne. Damit war auch klar, dass jede Kollegin und jeder Kollege individuell einen Antrag auf Mitgliedschaft in der GEW Berlin stellen musste. Kollektive Übernahme war ausgeschlossen.
Ilse: Da gab es natürlich auch andere, wie den Thomas Lippmann, der als Neugewählter in den Vorstand der GUE gewählt wurde und den Reformprozess vorantreiben wollte, und es gab Leute wie Petra Burkhardt, Bianka Tiedtke, Christiane Zschommler und Andreas Eckstein, die von vornherein sagten, dass die GUE nicht reformfähig sei und die deswegen ihren eigenen Weg gehen wollten. Leute vom Neuen Forum waren auch dabei. Es war deutlich, dass man ähnliche Ziele hatte. Von daher forcierten sie die Gründung einer Ost-GEW. Der Prozess dauerte über ein Jahr und die Strategie, die GEW OST zu gründen wurde schnell positiv entschieden. In den anderen neuen Ländern gab es zwar Partnerschaften zwischen alten und neuen Ländern, aber eben nicht die Berliner Situation, wo sich einzig und allein real Ost und West vereinigen mussten und das unter starkem Druck.
Dieter: Die neu gewählten Kreisvorsitzenden der GUE Berlin hatten einen dreiköpfigen SprecherInnenrat gewählt, um von der Zentrale unabhängig zu sein. Bei meinem ersten Treffen im Haus des Lehrers mit Erhard, Ilse und Safter war ich sehr skeptisch, weil ich das Gefühl hatte, dass diese Leute von der GEW uns ihre Meinung und einen vorgezeichneten Weg vorschreiben wollten. Diese Art der Bevormundung hatten wir aber gerade abgelegt. Auch wenn wir die gewerkschaftliche Vertretung erst lernen mussten, wollte ich keine Einmischung von »drüben«.
Das große Ziel hieß, aus allen – GUE, Gewerkschaft Wissenschaft, GEW Ost und GEW West – eine zu machen, spätestens mit dem vollzogenen Anschluss der Beitrittsgebiete am 3. Oktober 1990. Wie ist das gelungen?
Erhard: Uns als Vorstand war es wichtig, die reformerischen Kräfte der sich auflösenden DDR zu stärken, sie für die GEW Berlin zu gewinnen und in sie zu integrieren. Problematisch war aber, dass genau diese Menschen keine Organisationserfahrung hatten. Gleichwohl waren es diese KollegInnen, die die bildungspolitische Diskussion im Ostteil der Stadt maßgeblich bestimmten. Allerdings scheiterte frühzeitig der Versuch, die Dreigliedrigkeit des Schulwesens zu überwinden und ein transparentes, durchlässiges Schulsystem sich entwickeln zu lassen.
Ilse: Ja, aber Berlin ist ja nicht losgelöst vom Rest zu betrachten. Hier gingen die Bestrebungen vor allem der CDU-Länder ganz schnell in Richtung Gymnasium und gegliedertes Schulsystem. Ein Grund dafür war sicherlich auch die extrem niedrige Quote an AbiturientInnen in der DDR. Die politischen Wahlentscheidungen legten aber früh fest, dass das westliche Schulsystem ohne wesentliche Abweichungen auf den Osten übergeklappt wurde.
Wie haben die KollegInnen im Ostteil Berlins auf diesen Schnitt reagiert?
Dieter: Wie schon angedeutet, glaubten wir, dass die neugegründete GEW Ost ein von der GEW West initiierte Schwächung der an der Basis neu ausgerichtete GUE sein sollte. Deshalb waren wir skeptisch. Im Sommer 1990 wurde uns klar, dass es für die GUE keine Zukunft gibt und wir eine einheitliche durchsetzungsfähige Gewerkschaft brauchen. Deshalb haben wir mit unseren Mitgliedern den Übertritt zur GEW diskutiert und beschlossen.
Schauen wir mal in Richtung Tarifpolitik. Wie war der Stand da?
Ilse: Hinsichtlich der Beschäftigtenstruktur hatte der Einigungsvertrag die Weichen eindeutig gestellt. Aber die Entwicklung kann natürlich nicht ohne die Frage nach den Ängsten der Beschäftigten beantwortet werden. Sie bangten durchaus zu Recht um die Anerkennung ihrer Berufsqualifika-tion. Das war eine Herausforderung für die ganze GEW. Der Lehrkräfte im Osten wurden je nach Schulstufe sehr unterschiedlich ausgebildet. Die Lehrkräfte für die unteren Klassen wurden in der Regel an den Instituten für Lehrerbildung ausgebildet, für Sek I und II gab es eine einheitliche Diplom-Lehrerausbildung. Dieses Modell ist im Westen in den 60iger Jahren abgelöst worden und damit stand die Frage der Anerkennung von Abschlüssen ganz vorn an. Mit den berechtigten Existenzfragen der KollegInnen sind die reformpädagogischen Gedanken in den Hintergrund getreten, das war auch in Berlin so. Da gab es zum Beispiel eine Großdemo mit 50.000 Lehrkräften aus dem Ostteil, die nur um die Rechte und Anerkennung ihrer beruflichen Qualifikation gekämpft haben. Hinzu kam noch, dass die Lehrkräfte der DDR ja einheitlich bezahlt wurden, komplett anders als bei uns. Auch darum kamen große Ängste auf, was die Zukunft bringt. Dieses Problem hatten die anderen DGB-Gewerkschaften so nicht.
Vom Verlust des Arbeitsplatzes bedroht waren vor allem ehemalige MitarbeiterInnen der Staatssicherheit. Als neue Mitglieder forderten sie zum Teil Rechtsschutz von der GEW. Wie hat die GEW den Spagat zwischen dem Kampf gegen Berufsverbote und der Vertretung dieser Kolleginnen und Kollegen bewältigt?
Erhard: Als Berliner haben wir einen sehr klaren Trennstrich gezogen zwischen denen, die als informelle Mitarbeiter für die Stasi gearbeitet haben und damit in unseren Augen nicht mehr in die Schulen gehörten, und dem Rest. Es konnte keine Solidaritätsaktionen für diese KollegInnen geben. Wer andere Menschen – Schülerinnen und Schüler, Eltern und Kolleginnen und Kollegen – ausspioniert, Persönlichkeitsrechte verletzt, denunziert, gehört nicht in die Schule! Das hieß nicht, dass sie keinen Rechtsschutz von uns bekamen, weil ja jeder ein Anrecht auf Verteidigung hat. Bei der Kampagne gegen Berufsverbote in den siebziger Jahren ging es um das Recht auf freie politische Betätigung, was schon ein klarer qualitativer Unterschied ist.
Ilse: Dass es viele Kontakte zwischen der Schule und dem Apparat der Staatssicherheit gab, das haben alle gewusst. Aber für die GEW war früh klar, dass stark belastete Personen nichts in der Schule verloren haben. Ich habe im Rahmen meiner Arbeit in der Rechtsschutzstelle viele Erfahrungen sammeln müssen, wie unterschiedlich die Menschen mit ihrem Tun umgegangen sind. Da gab es die, die wirklich über ihre Handlungen reflektiert und diese auch zugegeben, Verantwortung übernommen haben, mit der Folge der Kündigung, die sie hingenommen haben. Und es gab diejenigen, die so lange nichts zugegeben haben, bis die Beweislast so groß war, dass ein Leugnen nicht mehr möglich war. So kam es, dass teils Existenzen bedroht und vernichtet wurden und andere geschont. Leider gab es auch Funktionärinnen der GEW BERLIN, die stark verstrickt waren. Das war immer wie eine kalte Dusche, wenn gegen all deren Beteuerungen vor Gericht die Wahrheit ans Licht kam. Schließlich hatte man ja schon länger miteinander gearbeitet. Das war eine harte Zeit für die GEW. Ich habe mich damals auch in Menschen getäuscht, was sehr schmerzlich war.
Dieter: Die Entscheidung, ob jemand entlassen werden muss oder entlastet wird, war sehr schwierig. Wir haben uns im Personalrat Mitte mit jedem Einzelfall intensiv beschäftigt, weil es kein klares Gut oder Böse gab. Die Methoden der Staatssicherheit waren so perfide, dass wir nachvollziehen konnten, wenn Menschen unter Druck und Erpressung zum informellen Mitarbeiter wurden. Wenn dann keine Tätigkeiten vorlagen, die anderen geschadet haben, waren wir für die Weiterbeschäftigung. Es gab ja auch Kolleginnen und Kollegen, die in herausgehobenen politischen Positionen ihre Macht missbraucht haben, um andere zu schädigen. In solchen Fällen stimmten wir den Kündigungsvorlagen zu.
Wie wurde entschieden, wer als stark belastete Person galt?
Ilse: Aus den Unterlagen, die im Rahmen der Gerichtsverfahren vorgelegt wurden, konnte man Unterschiede erkennen. Da gab es zum Beispiel welche, die aus Dienstgesprächen Auffälligkeiten und Informationen preisgegeben haben, seitenlange Berichte geschrieben und damit KollegInnen denunziert haben. Und es gab welche, die die Einwilligungserklärung als informeller Mitarbeiter nicht einmal persönlich unterschrieben hatten und »abgeschöpft« wurden.
Wie schätzt ihr heute die Durchmischung von Ost- und WestkollegInnen ein?
Ilse: In allen anderen neuen Ländern außer Berlin gibt es keine erkennbare Durchmischung. Es gibt jetzt junge Lehrkräfte, die durch die Abwerbung der alten Länder ihren Beruf im Westen aufnehmen, aber das ist eine andere Situation. Das sind keine »DDR Lehrer« mehr, die da abgeworben werden. In der Nachwendezeit gab es Austauschprogramme zwischen Hessen, Niedersachsen und Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Da sind die Kolleginnen und Kollegen dann nach Hessen und nach Niedersachsen gelockt worden und haben da, bezahlt aus den neuen Ländern, bis zu fünf Jahren gearbeitet. Im Anschluss daran sind sie aber nicht unbefristet übernommen worden und die Ausbildungen werden bis heute nicht als gleichwertig anerkannt. Bis heute verdienen sie weniger als ihre westdeutschen Kolleginnen und Kollegen, obwohl sie die gleiche Arbeit machen. Die Anerkennung ihrer Abschlüsse hing nämlich davon ab, dass sie gemäß Einigungsvertrag bis zum 31.12.1996 eine sogenannte Bewährungsfeststellung erhalten. Das haben die neuen Bundesländer – außer Berlin – abgelehnt. Wir haben in Berlin darauf geachtet, dass die Kolleginnen und Kollegen nach fünf Jahren Berufserfahrung Bewährungsfeststellungen erhalten und damit anerkannt sind und waren. Das haben die anderen Bundesländer versäumt. Das führt heute noch bei Versetzungen zu großen Schwierigkeiten. Bitter war auch, dass zur Stunde Null die gerade ausgeübte Tätigkeit zum Beispiel als Erzieherin im Hort oder als Lehrerin in der Grundschule ohne Rücksicht auf die Organisation des Schulalltages in der DDR darüber entschieden hat, welche Tätigkeit der / die Einzelne künftig dauerhaft ausübt. All das sind Riesenhemmschuhe für die Durchmischung. Anders sah und sieht es bei der Schulverwaltung aus. Hier hat ein Austausch stattgefunden.
Erhard: In den Schulen im alten Westteil der Stadt sind wesentlich mehr Lehrkräfte aus dem alten Osten als umgekehrt. In den durchmischten Schulen gibt es bis heute viele Diskussionen, gegenseitigen Austausch, aber nach wie vor auch Unterschiede, die sich in der unterschiedlichen Sozialisation und der Lehrerausbildung begründen. Natürlich fragt man sich heute, ob nicht eine radikale Zwangsdurchmischung sinnvoll gewesen wäre. Aber sie war immer unrealistisch. So machte beispielsweise der damalige Innensenator Heckelmann einmal Ilse und mir den ernst gemeinten Vorschlag, alle drei Monate 1000 Lehrkräfte von Ost nach West und umgekehrt umzusetzen, so ähnlich wie es bei der Polizei realisiert worden war. Zum Glück konnten wir ihm deutlich machen, was das für die pädagogischen Prozesse in der Schule und auch für die Schülerinnen und Schüler bedeutet hätte.
Dieter: Ich denke, wir pflegen unsere Vorurteile über Ossis und Wessis. Aber Spaß beiseite. In Berlin haben wir uns zusammengerauft, eine Vielzahl von Kolleginnen und Kollegen arbeitet erfolgreich in West-Bezirken und auch die West-Berliner Kolleginnen und Kollegen, die in den Ostteil gegangen sind, fühlen sich ganz wohl. Die Unterschiede aufgrund der Sozialisation werden bleiben. Es kommt nur darauf an, wie man damit umgeht. Wir haben da viel bessere Voraussetzungen durch den tagtäglichen Umgang als KollegInnen in den anderen Bundesländern.
Ein schönes Schlusswort. Ich danke euch dreien fürs Interview.
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