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Nr. 11 / 2009: Lehrbeauftragte unter Druck

Lehrbeauftragte unter Druck

SprachdozentInnen kämpfen immer noch um angemessenes Honorar

von Linda Guzzetti und Cornelia Techritz, Lehrbeauftragte an den Sprachenzentren

Am Sprachenzentrum der TU (ZEMS) sind derzeit große Veränderungen im Gange. Ende März hatte die Senatsverwaltung die zuvor von den Gremien der TU beschlossene Honorarerhöhung auf 30 beziehungsweise 35 Euro pro Unterrichtseinheit für die lehrbeauftragten SprachdozentInnen bestätigt. Im Sommersemester wurden diese neuen Vergütungssätze gezahlt, doch dann verschlechterte sich die Situation, weil die Zentralverwaltung der TU der ZEMS nicht die für die neue Honorarhöhe nötigen zusätzlichen Mittel geben wollte. Nach Auffassung des Vizepräsidenten für Lehre arbeite die ZEMS nicht nach der 2005 vom Akademischen Senat beschlossenen Satzung und habe zu viele Kurse für AnfängerInnen. Durch einen Vermerk an die Fakultäten wurde Anfang Juli mitgeteilt: In Zukunft sollen an der TU Studienpunkte nur noch für kostenfreie Fachsprachenkurse auf hohem Niveau (d.h. auf dem Niveau C1) vergeben werden. Alle anderen Kurse werden kostendeckend angeboten.

An den anderen Berliner Universitäten werden Studienpunkte für Sprachkurse aller Niveaus vergeben, unabhängig davon, ob sie kostenfrei oder -pflichtig sind. Zudem sehen die Studienordnungen vieler Fakultäten der TU vor, dass »Sprachkenntnisse« für die Bachelorabschlüsse anerkannt werden, und zwar ohne Bezug auf bestimmte Niveaus. Mit der Ausnahme von Englisch besuchen die Studierenden überwiegend die Grund- und Mittelstufenkurse.

Die Reduzierung der Grund- und Mittelstufenkurse nimmt den Lehrbeauftragten einen Großteil ihrer Arbeitsmöglichkeiten und den Studierenden wird das Erlernen einer Sprache noch einmal erschwert. Vizepräsident Steinbach argumen-tiert, das Erlernen von Sprachen sei kein Bestandteil der Ingenieurausbildung, sondern ein Extra, das die Universität in Zeiten knapper Kassen nicht mehr anbieten dürfe. Anfang Oktober wurde ein Kompromiss erreicht: Das Sprachangebot der ZEMS für das Wintersemester wird zwar gekürzt im Vergleich zum Sommersemester – aber nicht so dramatisch, wie ursprünglich geplant. Die gegenwärtige Lösung wird durch die Evaluation externer ExpertInnen überprüft.

Die Lage an der Humboldt Universität

Am Sprachenzentrum der HU gab es schon am Anfang des Semesters schlechte Neuigkeiten. Einige Kurse von Lehrbeauftragten sollten kurz vor Unterrichtsbeginn an hauptamtliche MitarbeiterInnen übergeben werden, bei denen Kurse nicht zustande gekommen waren. Bisher hatten hauptamtliche KollegInnen mehrere Semester Zeit, ein Minus in ihrem Unterrichtsstundenkonto auszugleichen. Da einige der betroffenen lehrbeauftragten sowie hauptamtlichen KollegInnen dies nicht akzeptierten und auf die Folgen für das Einkommen der Lehrbeauftragten und für das Arbeitsklima an der Einrichtung hinwiesen, konnte die Entscheidung in mehreren Fällen rückgängig gemacht werden. Aber das Thema war damit nicht vom Tisch: Bei den Kursen des Wintersemesters 2009/10 werden die Kurse der hauptamtlichen KollegInnen zuerst buchbar sein; erst wenn diese voll sind, können die Studierenden die parallelen Kurse der Lehrbeauftragten buchen. Damit wälzt die HU die Planungsunsicherheit komplett auf die Lehrbeauftragten ab.

Zur Honorarhöhe gab es im Sommersemester eine erneute Initiative der Lehrbeauftragten am Sprachenzentrum der HU. Dort liegt der Satz bisher weiterhin bei 21,40 Euro pro Unterrichtseinheit, gefordert werden 30 Euro. Mit der vom Direktorium des Sprachenzentrums verabschiedeten und vom akademischen Senat genehmigten neuen Gebührenordnung werden jetzt aber die Kursgebühren für die Studierenden von 7,50 Euro pro Semesterwochenstunde auf 10 Euro steigen. Damit soll dann ab Sommersemester 2010 die versprochene Honorarsteigerung auf 25 Euro finanziert werden. Es ist erfreulich, dass sich in der Frage der Honorarhöhe an der HU im Sommersemester endlich etwas bewegt hat, von einer angemessenen Bezahlung unserer Arbeit sind wir aber auch damit noch weit entfernt. Problematisch bleibt außerdem, dass eine Verbesserung für uns zulasten der Studierenden geht.  

 

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