GEW Berlin
GEW BERLIN
Home  
Aktuelles  
Adressen  
Downloads  
GEW-Zeugnis  
Informationen  
Inhalt  
Lehrproben  
Mitgliederportal  
Mitglied werden  
Seminare  
Service  
Themen  
Veranstaltungen  
Zeitschrift (blz)  
Impr./Kontakt  
Nr. 12 / 2009: "Teach First" oder lieber doch nicht?

»Teach First« oder lieber doch nicht?

Ein Programm will Schule machen

von Klaus Brunswicker, Sophie-Scholl-Oberschule

Durch den Einsatz der Fellows können im Unterricht zum Beispiel Klassen im Teamteaching unterrichtet werden, durch Teilungsgruppen die individuelle Förderzeit erhöht werden, oder einzelne Schüler speziell gefördert werden. Außerhalb des Unterrichts entstehen Lern- und Förderangebote von Schülerfirmen über Lern-Clubs bis hin zu schülergeführten Sport-AGs.«

»Die Bundesländer ermöglichen den rechtlichen und finanziellen Rahmen des Fellow-Einsatzes, da die Gelder für die Fellow-Gehälter aus der öffentlichen Hand stammen. Alle Kosten, die u.a. durch die Anwerbung, Auswahl, Qualifizierung, Betreuung und Weiterbildung der Fellows entstehen, trägt Teach First Deutschland gestützt durch seine Förderer, bestehend aus Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen.« (aus der offiziellen Website von »Teach First«)

Ein fantastisches Projekt, das eigentlich die Arbeit an der Schule nur bereichern kann. Der kleine Webfehler: Das versprochene Geld der »öffentlichen Hand« für die Fellow-Gehälter wird natürlich nicht extra gedruckt, nicht einmal neu verteilt – es ist in Form von PKB-Mitteln bereits an den Schulen und wird von diesen verwaltet. Dennoch hatte die Erweiterte Schulleitung an der Sophie-Scholl-Oberschule beschlossen, sich zu bewerben. Als große Schule verfügt sie über einen gut ausgestatteten PKB-Etat – eine zwingende Voraussetzung, um über das Angebot überhaupt nachdenken zu können. Denn die Schule legt sich auf zwei Jahre fest, was den Einsatz der Mittel anbelangt – ihr Etat für notwendige Fachvertretungen schrumpft entsprechend und das nicht unerheblich.

Wir haben dennoch deshalb ernsthaft über das Projekt nachgedacht, weil die Ausstattung für notwendigen Kooperationsunterricht in unseren Integrationsklassen in den letzten Jahren deutlich geschrumpft ist. Unsere Überlegung: Wenn wir hier mit Hilfe von »Teach First« eine etwas dauerhaftere und fachlich qualifizierte Ausstattung hinbekämen, wäre das Geld vielleicht gut angelegt; entsprechend war also unsere Bedarfsanmeldung.

Nach wenigen Tagen kam das Angebot: Aufgrund »gründlicher und umfassender Recherche« war es »Teach First« gelungen, eine hoch qualifizierte Naturwissenschaftlerin (Molekularbiologin) aus der Ukraine zu gewinnen – mit Sicherheit eine Bereicherung und aufgrund des eigenen Migrationshintergrunds bestens geeignet für unser Integrationsprojekt. Nur: Es ging uns in diesem Fall gar nicht um die Integration von Migrantenkindern, sondern um Kinder mit besonderem Förderbedarf. Das war »Teach First« bei der angeblich so gründlichen und umfassenden Recherche leider nicht aufgefallen. Wir haben aus diesem Umstand geschlossen, dass es zumindest in diesem Fall weniger darum ging uns zu helfen, sondern eher darum einen Fellow gut unterzubringen.

Und die Zeit haben wir auch zum Nach-rechnen genutzt: Uns wäre der Einsatz einfach zu teuer geworden. Zudem verstehe ich als Schulleiter in diesem Fall auch einmal die Bedenken des Personalrates. Es geht immerhin um langfristige Verträge, die Mittel binden, welche primär für Vertretungszwecke zur Verfügung gestellt werden. Wenn die nicht ausgeschöpft werden, dürfen sie auch für andere, den Schülern unmittelbar zugutekommende Angebote genutzt werden. Diese Vorgabe aber steht – so sehe ich das – im Widerspruch zu einer vertraglichen Bindung der Schule an einen Fellow für den Zeitraum von zwei Jahren. Da ziehe ich die jetzige Flexibilität beim Einsatz der begrenzten Mittel doch vor.

»Personalrat leave us kids alone – we want education not only from teachers!«

Zur Ablehnung des »Teach First«-Programms durch den Personalrat Friedrichshain-Kreuzberg

Unsere Freude über unseren gelungen Assembly-Start ist getrübt! Die vorgesehene Moderatorin des Assemblys darf nicht an unserer Schule arbeiten! Dieses ist sehr schade, da der Personalrat damit unsere monatelange Planung zunichte macht, obwohl die Fellows keinen angehenden Lehrerinnen und Lehrern einen Arbeitsplatz streitig machen; so sollte der Fellow an unserer Schule keinen eigenständigen Unterricht erteilen. Teach First vermittelt Hochschulabsolventen, die nicht zwingend Lehrer sein müssen, für zwei Jahre an Schulen, damit diese zusätzliche Erfahrungen erhalten und sich in Schulen engagieren. Das in Amerika erfolgreiche Konzept ist so gestaltet, dass eine Win-Win-Situation entsteht und beide Partner voneinander lernen. Gerade die Krisen des letzten Jahres haben uns alle oft wünschen lassen, dass Manager und Mitarbeiter in den Wirtschaftsunternehmen mit mehr Mitgefühl agieren würden, dazu könnte ein zweijähriger Einsatz an Schulen durchaus beitragen.

Unser Personalrat führt daher aus unserer Sicht eine politisch-ideologische Debatte über unsere Köpfe hinweg und auf unsere Kosten. Warum z.B. ist er dagegen, dass Unternehmen sich in Schulen engagieren? Wer die Carl-Friedrich-Zelter-Schule kennt, weiß, dass wir längst mit Unternehmen und freien Trägern sehr intensiv zusammenarbeiten, und kennt den Nutzen, den beide Partner und vor allem die Schüler von diesem Engagement ziehen. Die Argumentation des Personalrats ist nicht nur gestrig, sie verkennt auch den Hauptadressaten unserer schulischen Arbeit, unsere Schülerinnen und Schüler. (...) Bezogen auf die großen Veränderungen die anstehen und die Aufgaben, die im Zusammenhang mit der Umsetzung der Schulstrukturreform auf uns zukommen, hätte uns eine zusätzliche Mitarbeiterin sehr geholfen und die Lehrerinnen und Lehrer wären ein wenig entlastet worden. Es ist daher umso unverständlicher, dass uns unser eigener Personalrat derartig behindert. Unsensibel sind wir nicht, uns geht es nicht um einen Konflikt mit dem Personalrat, sondern um Lösungen. Das heißt, wir erwarten von unserem Personalrat einen Kompromiss im Sinne der Schüler und Lehrer und keinen dogmatischen »Feldzug« gegen den Senat bzw. die Personalkostenbudgetierung (dieses Gefecht sollen sie woanders ausfechten).
 MitarbeiterInnen der Carl-Friedrich-Zelter-Schule


Anmerkung: »Assembly« bedeutet Schulversammlung. An jedem Mittwoch zur ersten Stunde treffen sich alle SchülerInnen, Lehrkräfte, die Schulleitung und die Angestellten der Schule in der Turnhalle, um wichtige Informationen auszutauschen und aktuelle Geschehnisse zu besprechen. Der Fellow sollte die Assembly organisatorisch vorbereiten und moderieren.


DAS »TEACH-FIRST«-PROGRAMM

Das »Teach-First«-Programm ist auf zwei Jahre ausgelegt – so lange wird uns das Problem begleiten. In der letzten blz haben wir über die Argumente der Personalräte informiert; jetzt sollen Schulen zu Worte kommen. Wir haben beide Seiten des Spektrums – die Sophie-Scholl-Oberschule, die sich gegen den Einsatz ausgesprochen hat, und die Carl-Friedrich-Zelter-Schule, die einen Fellow wünschte, der aber vom Personalrat abgelehnt wurde. Wer die Auseinandersetzung auch in der Berliner Presse verfolgt hat, weiß, dass es deswegen eine ziemlich heftige Kontroverse zwischen Schule und Personalrat gibt. Wir dokumentieren den Brief der KollegInnen der Zelter-Schule in Auszügen. Weggelassen sind die Passagen, die sich mit den konkreten Einzelheiten des Konflikts beschäftigen; das möge auf der Bezirksebene weiter besprochen werden. Ein Punkt ist aber wichtig: Es gibt nun einmal unterschiedliche Sichtweisen; es gibt an einigen Punkten »eingebaute« Interessenkonflikte zwischen einem Kolle-gium und einem Personalrat. Diesen Interessenkonflikt zu negieren wäre töricht; entscheidend ist, wie man im Einzelfall damit umgeht. Peter Sinram

 

zurück nach oben
Login
Registrieren
Hilfe
Beitragsquittung für 2011 ausdrucken
Mitmachen: Projekte
blz - die Zeitschrift der GEW BERLIN
Mediadaten
Terminplan
Jahrgang 2012
Jahrgang 2011
Jahrgang 2010
Jahrgang 2009
Jahrgang 2008
Jahrgang 2007
Jahrgang 2006
Jahrgang 2005
Jahrgang 2004
Jahrgang 2003
Jahrgang 2002
Jahrgang 2001
Jahrgang 2000
Jahrgang 1999
Wir über uns
Kalender 2011/2012 bestellen
Service und Beratung
Ich möchte Mitglied werden
Mitglieder werben Mitglieder
Markt / Kleinanzeigen
Zeugnisprogramm