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Nr. 04-05/2000
Anders Lernen - Anders Leben
Lernfortschritt durch Freiarbeit

Anders Lernen – Anders Leben in der Schule hieß es am 25./26. Februar in der Ahornstraße. Lisa Glagow-Schicha, Studienrätin für Mathematik, Informatik und Englisch am Mercator-Gymnasium in Duisburg und Moderatorin in NRW, war eingeladen worden, um mit uns zum Thema Wochenplan und Freiarbeit in der Sekundarstufe I, Schwerpunkt Mathematik in einem GEW-Seminar zu arbeiten. Arbeit an Stationen. Ungefähr 30 Kolleginnen und Kollegen erhielten hierzu am Freitagabend nach einer kurzen Einführung die Möglichkeit, an 5 Stationen selber zu erfahren, wie Freiarbeit laufen kann. Vom gründlich zu erarbeitenden Informationstext über Kreuzworträtsel bis zum Spiel reichten die angebotenen Möglichkeiten, anhand deren wir uns methodisch und inhaltlich dem Thema annähern konnten. Die Abfolge der Stationen bestimmten wir selbst.

Forderten die Informationstexte (drei standen zur Wahl) eine konzentrierte Stillarbeit, so wurde allen schnell klar, dass das Kreuzworträtsel im Team besser zu lösen war. TeilnehmerInnen, die um 19.30 Uhr an einem Freitagabend nicht gerade begeistert waren, einen langen Text durchzuarbeiten, kamen über eine Station mit multiple-choice-Fragen ebenso zu den grundlegenden Informationen und konnten dort bereits ihre eigene Einschätzung an einem Lösungsbogen überprüfen. Auch für das Kreuzworträtsel lag ein Lösungsbogen zur Selbstkontrolle bereit, was dem Ehrgeiz, erst alles selbst zu lösen, überhaupt keinen Abbruch tat. Wer sich gleich zu Beginn der Arbeitsphase für das Würfelspiel entschieden hatte, musste sich an den einzelnen Fragefeldern mit Statements zur Freiarbeit auseinander setzen. Problemlos fanden sich hier immer wieder vier bis sechs MitspielerInnen zusammen. Schließlich gab es noch die Möglichkeit, die eigene Situation in Schule und Klasse zeichnerisch darzustellen. Die Abschlussrunde verlief trotz der späten Stunde sehr angeregt. Wie groß das Bedürfnis war, mehr zu erfahren und vor allem die konkrete Umsetzung zu erproben, zeigte sich am Sonnabendmorgen, als sich alle TeilnehmerInnen pünktlich um 10 Uhr wieder einfanden, um mit Lisa Glagow-Schichas Unterstützung eigene Freiarbeitssequenzen zu entwickeln.

Freiarbeitsmaterialien für den Mathematikunterricht

Folgende Grundregeln sollten wir beachten: verschiedene Lernformen anbieten, verschiedene Lernwege benutzen, wenigstens ein Spiel oder Puzzle einbauen, Veranschaulichung anregen, Bewegung nutzen.

Und wie nun bewerten?

Den meisten brannte das Problem der Bewertung auf den Nägeln. Wie bei allen Formen des offenen Unterrichts fehlt uns hier noch oft der Mut, neue und kreative Methoden auszuprobieren. Neben dem Hinweis darauf, dass Aufgaben aus der Freiarbeit in die nächste Lernkontrolle eingebaut werden können und eine Bewertung der Arbeitshaltung durchaus Teil der mündlichen Zeugnisbewertung sein kann (geht es hier doch um die Fähigkeit zum selbstbestimmten Arbeiten), beeindruckte uns vor allem folgendes Vorgehen, das Lisa Glagow-Schicha aus ihrer Praxis vorschlug: Bei Partneroder Gruppenarbeit wird eine Zensur gegeben, mit der TeilnehmerInnenzahl multipliziert und dann als Punktepool der Gruppe zur Verfügung gestellt und von den SchülerInnen untereinander aufgeteilt. Die Kritik in der peer-group ist nach ihrer Erfahrung ein gutes Regulativ.

Freiarbeit als Unterrichtsprinzip

Eine fünfte Arbeitsgruppe befasste sich mit dem Thema „Förderung sozialer Kompetenz durch Freiarbeit“. Ihr Ergebnis bezeichnete sie als eine Art Mutmachbogen für Kolleginnen und Kollegen. Aus der Zusammenstellung der Argumente seien hier einige genannt: Wochenplan und Freiarbeit dienen dem Abbau von Konkurrenz, da je nach Fach unterschiedliche Hierarchien innerhalb der Klasse oder Kleingruppe zum Tragen kommen. Sie geben unterschiedlichen Lerntypen die Möglichkeit, zum gleichen Ergebnis zu kommen bzw. mit verschiedenen Methoden den Lernstoff zu üben und zu festigen. Sie fördern Selbständigkeit und Organisationsfähigkeit und stärken die Selbstverantwortung. Sie tragen zum Abbau von LehrerInnendominanz bei. Viele von uns sind unzufrieden mit dem traditionellen Frontalunterricht. In diesem Seminar wurden Wege und Alternativen aufgezeigt, um anders und damit demokratischer und besser zu lernen. Wir wünschen uns noch viele ähnliche Veranstaltungen.

Christin Grohn-Menard
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