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Nr. 04-05/2000
Ein „Meister“ der Interkulturellen Erziehung
Noch relativ unbeachtet in der Berliner Lehrerschaft besteht seit dem Wintersemester die Möglichkeit, an der Freien Universität Berlin einen neuen europäischen Master-Degree zu erwerben, den „European Master in Intercultural Education“. Leider war es nur einer kleinen Gruppe von zwölf Studierenden möglich, diesen sehr kurzfristig angebotenen neuen Studiengang für LehrerInnen wahrzunehmen. Während sich der erste Jahrgang nach einem anspruchsvollen, die Leistungskapazität voll ausschöpfenden Theoriesemester zurzeit auf die Durchführung seiner Praxisprojekte vorbereitet, ist es bereits Zeit, die Studierenden auf den nächsten Durchgang aufmerksam zu machen.

Am 30. April endet die Bewerbungsfrist für die Teilnahme an dem Studiengang, der von der FU Berlin gemeinsam mit den Universitäten in Uppsala und Thessaloniki durchgeführt wird. Der Studiengang folgt dem europäischen akademischen Jahr und beginnt vor dem eigentlichen Wintersemester am 1. Oktober 2000. Zulassungsvoraussetzung ist neben einer in der europäischen Union anerkannten Lehrerprüfung (für deutsche TeilnehmerInnen mindestens das erste Staatsexamen) sowie eine gute aktive Beherrschung der englischen Sprache. Die Erfahrungen des ersten Durchganges zeigen, dass es sich um ein Vollzeitstudium in der Wortbedeutung handelt, d.h., die Möglichkeit, nebenher einem Broterwerb nachzugehen, muss als nahezu ausgeschlossen gelten. Da die europäische Union in die Erprobungsphase, in der sich der Studiengang noch befindet, bescheidene Mittel investiert, ist es in diesem Jahr eventuell das letzte Mal möglich, ohne Studiengebühren diese Qualifikation zu erwerben.

Der einjährige Studiengang gliedert sich in fünf Studienbereiche, die auch in der deutschsprachigen Studienordnung nicht übersetzt worden sind, um die Gleichartigkeit der Studieninhalte an den beteiligten Hochschulen zu garantieren:

  1. Migration and multicultural societies in Europe
  2. Racism and anti-racism in Europe
  3. Education in multicultural societies
  4. Language and education of immigrants and minorities
  5. Social exclusion and education

In jedem dieser Bereiche sind vier SWS zu belegen, und in drei Bereichen ist eine Hausarbeit anzufertigen. Aus einem dieser Bereiche entwickelt sich ein auf drei Monate angelegtes, umfangreiches TheoriePraxis-Projekt, über das ein Projektbericht anzufertigen ist. Die letzten drei Monate des Studienjahres sind für die Anfertigung einer so genannten Master Thesis reserviert, die einen Umfang von ca. 12.000 Wörtern haben soll und durch ein englisches abstract von 1000 Wörtern ergänzt wird. Der Studiengang kennt keine separaten Prüfungen, sondern stellt den Studienerfolg studienbegleitend fest. Als Abschlusszertifikat wird im Erfolgsfalle das Prädikat „bestanden“ oder „mit Auszeichnung bestanden“ verliehen. Mindestens ein Modul des Studienganges (2 bis 6 Studienwochen) sollte an einer der Partneruniversitäten studiert werden. Alternativ ist auch ein Auslandsaufenthalt während der Projektphase vorgesehen. Darüber hinaus soll die Möglichkeit zur virtuellen Kommunikation (Internet) mit den Beteiligten in den Partneruniversitäten extensiv genutzt werden. Zur Überwindung eventuell noch bestehender Ängste bei der Nutzung moderner Kommunikationsmittel wird im Rahmen des Studienganges ein besonderer Kurs angeboten.

Die beteiligten Hochschulen verhandeln zurzeit mit weiteren europäischen Universitäten über die erweiterte Beteiligung an diesem Programm. Es ist angestrebt, in jedem Partnerstaat der EU mindestens eine Universität für diesen Aufbaustudiengang zu gewinnen. Mittelfristig sollen damit europaweit anerkannte Qualifikationen geschaffen werden, die einen zeitweiligen oder dauerhaften Wechsel von LehrerInnen zwischen Schulen unterschiedlicher europäischer Staaten erleichtern.

Vorrangig ist für Teilnehmerinnen in Deutschland angestrebt, die völlig unzureichende Vorbereitung in der grundständigen Lehrerausbildung der ersten und zweiten Phase auf die multikulturelle Schulwirklichkeit zu ergänzen und zu verbessern. Die idealen Teilnehmer-innen dieses Studienganges sind Examinanden, die auf die Übernahme in die zweite Ausbildungsphase warten, examinierte LehrerInnen, die nach ihrer Staatsprüfung nicht gleich eine Anstellung finden können, und vor allem Kolleginnen und Kollegen, die ihr sabbatical mit dem Erwerb einer in der Schulpraxis dringend benötigten Zusatzqualifikation sinnvoll gestalten möchten.

Gerhard Harder/ Gerd Hoff

Informationsmaterial schicken wir Ihnen gerne zu. Wir verweisen gleichzeitig auf unsere web-site:
www.fu-berlin.de/interkultur/emindex.html

Bewerbungen oder Anfragen senden Sie bitte an: FU Berlin, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie, Institut für Interkulturelle Erziehungswissenschaft, z.H. Prof. Gerd Hoff, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin

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