Drei Frauen auf dem Weg …
GEW-Frauen haben in verschiedenen Positionen Verantwortung übernommen
Die Interviews führten Doreen Siebernik, Gesamtfrauenvertreterin und Elke Gabriel, Frauenvertreterin in Tempelhof-Schöneberg.
Marion Leibnitz, Vorsitzende des Gesamtpersonalrates
Wie kamst du zur Personalratsarbeit und wann zum GPR?
Im Personalrat bin ich seit 1992. Eigentlich hat alles durch die Wende mit den Wahlen zur Bezirksleitung der GEW in Treptow begonnen. Ich war auf einer der ersten Mitgliederversammlungen und dort bin ich aufgestanden und habe für die Erzieherinnen gesprochen. Schon war ich in der Bezirksleitung und gleich stellvertretende Vorsitzende. Dementsprechend schloss sich bei den ersten Personalratswahlen meine Tätigkeit dort an.
1995 wurde der erste Gesamtpersonalrat gegründet. Alle örtlichen Personalräte waren aufgefordert, VertreterInnen zu entsenden. In meiner Region entschieden wir uns, eine Erzieherin zu entsenden. Insgesamt waren wir nur zwei Erzieherinnen, was sich übrigens bis zum heutigen Tag nicht geändert hat. In der Vorbereitungsphase wurde festgelegt, dass auf jeden Fall eine Erzieherin in den Vorstand sollte. Durch ein gemeinsames Seminar aller Interessierten kristallisierte sich heraus, dass ich im Vorstand mitarbeiten würde. So bin ich Gründungsmitglied des GPR und von Anfang an im Vorstand.
Warum hast Du für den Vorsitz kandidiert?
Diese Entscheidung fiel sehr kurzfristig und war beeinflusst durch den Entschluss von Rosi Seggelke (damals Vorsitzende des GPR) den Vorsitz der GEW Berlin zu übernehmen. Ich habe mich getraut. Dadurch, dass ich mehrheitlich die Vorstandsmitglieder hinter mir hatte, habe ich mich zur Wahl gestellt. In dieser Position wirst du vom Team getragen, du bist Mitglied des Gremiums und vertrittst es nach außen. Aber Du bist nicht die Chefin im Sinne einer Vorgesetzten. So verstehe ich mich. Ausschlaggebend war, dass ich wirklich zu neunzig Prozent Rückenstärkung hatte. Und als Team entschieden wir, dass diese Position weiterhin in den Händen einer Frau bleiben sollte.
Hattest du hilfreiche Unterstützung?
Es gab keine Vorbereitung. Hilfe und Unterstützung habe ich ganz besonders von Sabine Marinski erfahren. Sie war damals Vorstandsmitglied und wir haben uns ein Büro geteilt. Sie hat viel für mich mitgedacht, mich bei der Büroorganisation und dem oft lästigen Alltagskram unterstützt. Das war unheimlich hilfreich. Sie fehlt mir an ganz vielen Punkten immer noch.
Wie bist Du vernetzt?
Durch die GEW. Eine Reihe von Vorstandsmitgliedern der GEW sind auch im Vorstand des GPR. Die örtlichen Personalräte, der Hauptpersonalrat und wir sind in unserer Arbeit sehr vernetzt. Ich bin weiterhin in vielen Arbeitsgruppen. Ganz wichtig ist, dass ich immer noch Mitglied im örtlichen Personalrat bin und in der Bezirksleitung meiner Region. Dadurch habe ich Kontakt zu den Kolleginnen, erfahre, was an den Schulen und Horten passiert.
Und heute, was reizt dich an der deiner Arbeit?
Diese Arbeit hat für mich ein gewaltiger Entwicklungsprozess in Gang gesetzt. In meinem eigentlichen Beruf hätte ich diese persönliche Entwicklungsmöglichkeit nicht gehabt. Und trotzdem denke ich, dass ich irgendwie meiner Berufswahl treu geblieben bin. Ich bin jetzt auf einer anderen Ebene tätig. Ich setze mich gern mit den VertreterInnen der Senatsverwaltung auseinander. Ich bin, wie die meisten Frauen, schon an Harmonie und Konfliktlösung interessiert. Aber ich habe keine Angst vor Auseinandersetzungen mit der Behörde. Sie bereiten mir kein Magendrücken, das halte ich gut aus. Und Erfolgserlebnisse, wie ich sie für die ErzieherInnen erreicht habe, motivieren mich.
Würdest du heute noch einmal kandidieren?
Erneute Kandidatur? Jein. Ich weiß es noch nicht. Im Augenblick befindet sich der GPR in einer Situation, die der »Klärung« bedarf. Wer übernimmt welche Rolle, wer hat welche Aufgabe und wie wird die-se wahrgenommen im Gefüge aus GEW, GPR, den örtlichen Personalräten und der Behörde. Für mich ist der GPR ja nicht nur ein Personalrat, sondern vorrangig auch ein gewerkschaftliches Gremium. Er könnte viel erreichen im Gespräch mit der Behörde, in Arbeitsgruppen zu verschiedenen Aufgabenfeldern, im Sinne der GEW und als Mittler zur Behörde. Derzeit werden die Chancen schlecht genutzt und aus guten Zielen, die alle Beteiligten verfolgen wollen, entstehen Reibungsflächen, die dem Gefüge schaden und den GPR sogar teils schwächen.
Hältst du eine gezielte Förderung von Frauen für einen beruflichen Aufstieg, wie es das Landesgleichstellungsgesetz vorsieht, für zeitgemäß und notwendig?
Für mich ist diese Frauenförderung, wir es das LGG vorsieht, zu eng. Ich habe meine Probleme damit, dass Frauenförderung immer Frauenbeförderung heißt. Frauenförderung wird immer nur in Richtung Leitungsposition verstanden. Leitungspositionen sind aber immer hierarchisch angesiedelt. Frauen denken, leben und handeln oft anders. Frauenförderung bedeutet für mich auch Qualifikation. Gegenfrage: Wie fördert das LGG zum Beispiel die Erzieherinnen?
Was tust Du aus deiner Position heraus für Frauen?
Viel. Ich denke, dass mein Werdegang für andere Frauen Motivation sein könnte. Ich habe viele Kolleginnen beraten und motiviert, beruflich voranzukommen, an Fortbildungen teilzunehmen oder Aufgaben zu übernehmen. Beispielsweise habe ich jetzt Marlies Matthai für eine Vorstandsposition im GPR motiviert und gewonnen.
MARION LEIBNITZ
Alter: 48 Jahre Wo geboren: in Berlin Wann ins Berufsleben: seit 1981 Wie lange als Erzieherin tätig? Zuerst als Heimerzieherin, dann gewechselt in den Schulbereich, weil ich alleinerziehende Mutter war. Seit wann als Personalrätin tätig? 1992 Privates? Verheiratet, eine Tochter und einen neuen kleinen roten Kater – einen kleinen Teufel
Helga Keppeler-Schrimpf, Schulleiterin einer Grundschule und jetzt frei gestellt zur Mitarbeit in proSchul
Was reizt Sie an der neuen Aufgabe bei proSchul?
Es hat mich schon immer begeistert, Schulen dabei zu unterstützen, die Schulentwicklung kind- und zeitgerecht einzuleiten. Zu meinen Aufgaben bei proSchul gehört es, moderne Arbeitsstrukturen zu implementieren und den persönlichen Kontakt mit der Schulleitung und dem Kollegium zu pflegen.
Warum haben Sie sich auf die Stelle als »Schulleiterin« beworben?
In erster Linie meine Leidenschaft für Kinder und Schule. Dabei half mir das Wissen, das ich mir auf den verschiedenen pädagogischen Feldern, wie in der Tätigkeit als Lehrerin, Schulleiterin und ebenso in der Fortbildung für Lehrkräfte erworben habe. Wichtig erscheint mir der Perspektivwechsel, einerseits als Lehrende der Umgang mit Kindern, andererseits der mit Studierenden/Erwachsenen. Ich habe durch meinen Lehrauftrag an der Universität noch einmal die Theorie intensiv studieren können und davon profitierte ich in der Praxis dann sehr. Nicht alles, was in der Theorie entwickelt wird, ist immer praxistauglich, das Wissen schärft aber den Blick auf die Praxis erheblich.
Auf welche Weise erhielten Sie aktive Unterstützung?
Ganz besonders durch den privaten Kontakt zu einer Kollegin, die Schulleiterin ist. Ebenso durch eine Person der betreuenden Schulaufsicht. Zu beiden Personen habe ich nach wie vor Kontakt.
Was halten Sie von begleitenden Mentoringprojekten zu Beginn einer neuen Funktionstätigkeit?
Das ist das wichtigste Instrument am Beginn einer Funktionstätigkeit! Learning by doing, keine Angst vor Fehlern zu haben. Mit einer MentorIn zentrale Punkte zu besprechen, dies ist sofort wirksam, nachhaltig und effektiv. Seminare und Fortbildungen sind dazu ergänzende, aber ebenfalls wichtige Maßnahmen. Informationen aus Seminaren lassen sich eben immer nur nach und nach in der eigenen Schule umsetzen.
Gehören Sie beruflichen Netzwerken an?
Ich bin seit Jahrzehnten Mitglied der GEW. Für besonders unterstützend halte ich die Teilnahme an der berlinweiten Intervisionsgruppe. Alle sechs bis acht Wochen treffen sich circa fünfzehn Frauen in Leitungsfunktionen, um gemeinsam einen schwie-rigen Fall zu besprechen. Natürlich pflege ich auch informelle Netzwerke auf beruflicher Ebene.
Welche Unterstützungsmaßnahmen halten Sie gemäß Frauenförderung LGG für unabdingbar?
Für unabdingbar halte ich Netzwerkarbeit. Meines Erachtens müsste auch hier die Schulaufsicht Treffen von Frauen initiieren, die Interesse an Leitungsaufgaben haben. Fortbildungen müssen zu den Bereichen Zeit- und Projektmanagement, ebenso zur Gesprächsführung und Konfliktbearbeitung speziell für Frauen angeboten werden, weil Männer andere Herangehensweisen pflegen und einen anderen Stil haben. Wichtig ist auch das Kennenlernen ergänzender Finanzierungsmöglichkeiten für den Schulbereich, um sich an übergreifenden Projekten beteiligen zu können; sowie Supervision/Intervision, um achtsam mit sich und den eigenen Ressourcen umzugehen.
Sie haben in Ihrem Berufsleben bereits mehrere Leitungsfunktionen ausgeübt. Auf welche Funktionsstelle würden Sie sich wieder bewerben und dieses Amt annehmen?
Auf jede einzelne wieder, weil sie mich intellektuell herausforderten und im Kontakt mit vielen Personen auf unterschiedlichen Ebenen bereichernd waren. So konnte ich meinen Horizont und meine Urteilskraft enorm erweitern und schärfen. Das hat mich sicher und gelassen gemacht im Umgang mit Menschen und der Arbeit.
HELGA KEPPELER-SCHRIMPF
Alter: 60 Jahre geboren: in Vöhringen/Bayern Start ins Berufsleben: seit 1976 Berufliche Erfahrungen: als Lehrerin, Mentorin der ReferendarInnen, Fortbildung für Lehrkräfte, Schulleiterin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Dortmund (Schulpädagogik), prozessbegleitende Schulberaterin bei proSchul Bei proSchul tätig: seit 2009 Persönliches/Privates: verheiratet, zwei Kinder (27/25), 1 Pflegekind (27)
Uta Schröder, Schulleiterin der Hermann-Gmeiner-Schule
Was reizte Dich an der Aufgabe einer Schulleiterin?
Die Berliner Schule anders mitzugestalten und Schule besser machen zu wollen, weil ich der Meinung bin, dass staatliche Schule attraktiv und günstig für alle Kinder sein muss.
Warum hast Du dich auf diese Stelle beworben?
Zum einen das gemeinsame Lernen aller Kinder von Anfang an. Schule muss Spaß machen, damit man später die Chance hat, mit ihnen weiterzuarbeiten. Wir müssen die Lust und den Spaß am Lernen erhalten. Ich bin ein großer Fan vom gemeinsamen Lernen, von Anfang an bis zum Ende. Gemeinschaftsschule als eine Schule für alle. Diese Schule liegt in einem sozial benachteiligten Gebiet. Ich habe mich lange vorher in diesem Kiez ehrenamtlich engagiert, als Mediatorin im Nachbarschaftszentrum. Ich bin der Meinung, eine gute Schule ist eine offene Schule. Ich bin eine Netzwerkerin und wollte zeigen, wie man offen in der Schule arbeitet kann. Die Stelle in dieser Schule, in diesem Kiez war frei und wurde zur Besetzung ausgeschrieben. Ich fand Schulleitung immer interessant und bin im Vorfeld an die Uni Potsdam gegangen und habe Master of Schulmanagement studiert.
Wer und was haben dich unterstützt?
Die Behörde. Meine regionale Schulaufsicht war super. Ich wurde intensiv beraten, konnte in Ruhe arbeiten und alle Fragen stellen. Der Job umfasst drei Aufgabengebiete. Für die Schule da sein. Darauf war ich vorbereitet. Für das Kollegium da sein – Chefin sein. Überhaupt damit klarzukommen, dass du jetzt die Chefin bist. Klarzukommen mit der Erwartungshaltung des Kollegiums an dich. Alle erwarten, dass du Anweisungen gibst, dass du führst. Und sich im Unterricht zu zeigen, dass du fachlich Ahnung hast und guten Unterricht machst.
Die Frauenvertreterin in Lichtenberg hat mich sehr unterstützt, wenn ich »menschlich am Ende war«, hat sie mich wieder »zusammengeflickt«. Mein lieber Mann hat mich unterstützt. Es geht nicht ohne diesen Rückhalt. Freunde waren und sind da. Wenn dich dieses Umfeld nicht hält, dann geht es nicht. Ich habe am Mentoringprogamm der Senatsschulverwaltung teilgenommen. Frau Pape war meine Mentorin. Wir haben ein gutes Netzwerk aufgebaut.
Wie bist du über die Schule hinaus vernetzt?
Ich bin doch tatsächlich in der GEW und aktiv im Verband der Berliner Schulleiterinnen und Schulleiter. Seit dem vergangenen Jahr bin ich im Team mit Paul Schuknecht Vorsitzende der Vereinigung. Gut vernetzt bin ich durch das Mentoringprogramm der Senatsverwaltung. Wir haben ein Intervisionsteam gegründet und arbeiten schulartübergreifend miteinander. Weiterhin bin ich aktiv im Kiez der Schule. Ich bin im Vorstand des Nachbarschaftszentrums Kiezspinnen. Das ist noch aus meiner Mediatorinnentätigkeit. Wir setzen Partnerschaftsprogramme für benachteiligte Jugendliche um. In der Region Lichtenberg bin ich ebenfalls in der Intervisionsgruppe »Gesunde Schule«. Ich arbeite im Kinderschutz Lichtenberg mit und in den verschiedensten Arbeitsgruppen im Senat auf inhaltlicher und fachlicher Basis. Aber – über die Schule hinaus gibt es bei mir nicht. Es gibt ein afrikanisches Sprichwort: »Um ein Kind zu erziehen, braucht es das ganzes Dorf«. »Dieses Dorf« muss da sein. Alles, was ich tue, ist darauf ausgerichtet.
Würdest du dich heute wieder auf diese Funktionsstelle bewerben?
Mit meiner Erfahrung jetzt würde ich mich noch einmal bewerben, wenn ich eine Gemeinschaftsschule leiten könnte. Diese Schulform finde ich mit Abstand die wichtigste und die beste.
Hältst du eine gezielte Förderung von Frauen für einen beruflichen Aufstieg, wie es das Landesgleichstellungsgesetz vorsieht, für notwendig?
Ich finde man muss Frauen die Chance geben, Familie und Beruf zu vereinbaren. Familienarbeit darf kein Hinderungsgrund für Karriere sein! Frauen, die Familienarbeit leisten, müssen in der Schule bestmöglich unterstützt werden. Dafür halte ich eine Ausstattung von weit über 100 Prozent für notwendig, um das umzusetzen.
Was tust Du aus deiner Position heraus für Frauen?
Ich spreche Frauen zielgerichtet an. Ich motiviere sie, die Leitung von Arbeitsgruppen zu übernehmen, ermögliche Fortbildungen, auch am Vormittag und versuche den Stundenplan so zu bauen, dass sie das umsetzen können. Die Berücksichtigung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist mir sehr wichtig. Work-Life-Balance. Frauen, die sich qualifizieren wollen, versuche ich vieles zu ermöglichen. So habe ich eine gute junge Kollegin in eine andere Region ziehen lassen, damit sie in Wohnortnähe arbeiten kann.
UTA SCHRÖDER
Alter: 44 Jahre Wo geboren: in Neuruppin Wann ins Berufsleben: seit 1988 Wie lange als Lehrerin tätig? seitdem Seit wann als Schulleiterin tätig? 2006 Privates? verheiratet, eine gemeinsame Tochter – jetzt im Abitur
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