Helene Lange, Helene Weigel und Else Meidner
Mehr weibliche Namensgeberinnen für die Berliner Schule
von Marion Wölki, Frauenvertreterin Mitte
Die Schulstrukturreform ist im vollen Gange. Die Berliner Schullandschaft verändert sich. Neben dem Gymnasium wird es künftig die integrierte Sekundarschule geben. Das führt auch zu Schulfusionen. Mir fiel auf, dass in der Region zwei Schulen fusionieren, von denen eine den Namen einer weiblichen Persönlichkeit, die andere den Namen eines bekannten Mannes trägt. In der Region Mitte gibt es nur 4 Schulen mit Frauennamen, aber 36 mit Männernamen. Diese Relation ist 1:9. Außerdem tragen 25 weitere Schulen geschlechtsneutrale Bezeichnungen.
Eine statistische Auswertung aller Berliner Schulnamen ergibt ein niederschmetterndes Resultat: Unter den 692 öffentlichen Schulen, die berufsbildenden und staatlichen Spezialschulen sind hier ausgenommen, tragen nur 63 einen Frauen-, aber 340 einen Männernamen. 289 Schulen haben einen neutralen Namen. Das heißt nicht einmal ein Zehntel hat einen Frauennamen, aber fast die Hälfte der Schulen tragen Männernamen. Die bisherige Praxis der Namensgebung erweckt den Eindruck, als wären nur wenige Frauen berühmt und wichtig genug, um in Erscheinung zu treten. Bei Fusionen und Schulneugründungen sollte daher der Gender-aspekt berücksichtigt und auf die Ausgewogenheit der Geschlechter bei der Neubenennung von Schulen geachtet werden. Hier bietet sich eine Chance, weitere, bislang noch wenig bekannte Frauen ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Wenn eine Schule nach einer weiblichen Persönlichkeit benannt ist, kann dass sowohl den Schülerinnen als auch für das Kollegium eine Identifikationsmöglichkeit bieten. Zudem ist es an der Zeit, dass die Leistungen von Frauen endlich vermehrt gesehen, beachtet und wertgeschätzt werden — und zwar auch dadurch.
In Berlin nimmt Charlottenburg/Wilmersdorf mit neun weiblichen Schulnamen gegenüber 37 Männernamen eine »Spitzenstellung« ein, während Marzahn/Hellersdorf mit zwei Frauennamen das Schlusslicht bildet.
Eine Aktion der Bremer Senatorin für Bildung und Wissenschaft, Renate Jürgens-Pieper, könnte für Berlin ein Modell darstellen. Sie hat bei der Umwandlung der Schulen zu gemeinsamen Oberschulen alle Schulleitungen und die betroffenen Gremien aufgefordert, den Aspekt der Ausgewogenheit der Geschlechter bei der Namensgebung zu berücksichtigen. Gleichzeitig schickte sie eine Liste verdienstvoller Bremerinnen an alle Beteiligten und machte die Richtlinien für eine Umbenennung bekannt. Senator Jürgen Zöllner könnte sich an Bremen ein Beispiel nehmen, eine Liste berühmter BerlinerInnen zusammenstellen und die Berliner Schulen und Gremien anregen, dem Bremer Vorbild zu folgen.
In Berlin ist es die Aufgabe der Schulkonferenz, über den Schulnamen abzustimmen. Dem geht jedoch stets eine Diskussion im Kollegium voraus. Schließlich müssen die StadträtInnen für Bildung und Kultur in der jeweiligen Region ihre Zustimmung geben. Wenn wir ernsthaft eine Geschlechterdemokratie anstreben, böte sich hier eine gute Gelegenheit für einen Schritt in die richtige Richtung. Die Frauenvertreterinnen unterstützen Sie hierbei gerne.
Helene Lange, 1848 bis 1930, Pädagogin und Frauenrechtlerin. Helene Weigel, 1900 bis 1971, Schauspielerin und Theaterintendantin. Else Meidner, 1901 bis 1987, Grafikerin und Malerin
|