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Nr. 03 / 2010: Frauen steigen immer höher

Frauen steigen immer höher

Über Frauen, die einen Nobelpreis bekamen

von Hiltrud Quast, Frauenvertreterin Charlottenburg-Wilmersdorf

Im vergangenen Dezember erhielt Herta Müller als erste deutsche Frau den Nobelpreis für Literatur. Damit gehört sie zu den wenigen Frauen, denen seit der ersten Vergabe der Nobelpreise im Jahre 1901 die mit knapp einer Million Euro dotierte Ehrung zuteil wurde.

Nobel-Frauen sind eine Minderheit. Unter den 804 Gewürdigten sind nur 41 Frauen, also etwa fünf Prozent. Und das ist kein Zufall. Es ist vielmehr ein Lehrstück über Frauenleben vom Ende des 19. bis zum heutigen, dem 21. Jahrhundert. Nicht nur Marie Curie, die erste Nobelpreisträgerin, musste noch für ihre Ausbildung kämpfen. Auch Frauen, die nach ihr kamen, hatten noch lange nicht die gleichen Rechte wie Männer.

Mädchenbildung blieb über Jahrhunderte hinweg eine Privatangelegenheit der großbürgerlichen und adeligen Kreise. Hierbei war es ein vorrangiges Ziel, »gefällige Gattinnen« und »geschickte und züchtige Hausfrauen« heranzuziehen. Als schließlich die allgemeine Schulpflicht und der Besuch von Gymnasien auch die finanzschwachen Schichten erreichten, waren sie aber nur Knaben vorbehalten.
Erst unter dem Druck der Frauenbewegung des auslaufenden 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Mädchenlyzeen. Der Zugang zu Universitäten blieb Frauen jedoch weiterhin verboten. Ihr kleineres, leichteres Gehirn und die kürzeren Beine sollten die »Unmöglichkeit einer geistigen Bildung der Frau« und die »Begrenzung auf das häusliche Umfeld« »wissenschaftlich« belegen. Doch der Druck starker Frauen wie Helene Lange, Gertrud Bäumer, Hildegard Wegscheider und vieler anderer trug schließlich dazu bei, dass 1908 das Universitätsverbot für Frauen in allen Teilen Preußens aufgehoben wurde.

Heute scheint Mädchen- und Frauenbildung, zumindest in Europa, eine Selbstverständlichkeit zu sein. Um dieses Ziel zu erreichen, bedurfte es jedoch zäher politischer und gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Nobelpreisträgerinnen wie Marie Curie (Physik und Chemie), Selma Lagerlöff (Literatur), Bertha von Suttner (Frieden), Theresa Cori (Medizin) und nun auch Elinor Oström (Wirtschaft) hatten und haben dabei eine beispielhafte Vorbildfunktion. Viele von ihnen standen in einem Spannungsfeld der unterschiedlichen Ansprüche von Partnerschaft, Familie und Karriere – ein Preis, den in diesem Umfang keiner der männlichen Preisträger zahlen musste. Einige verzichteten ganz auf Partnerschaft und Kinder, aber keine gab ihren Beruf auf, um sich ganz der Familienarbeit zu widmen. Jede dieser Frauen steht symbolisch für das, was Mädchen und Frauen leisten können – wenn sie unterstützt und nicht gehindert werden.
Im Fall von Herta Müller langweilten zwar einige Kommentatoren wieder einmal mit Hinweisen zu Müllers Frisur, Kleidung und Bescheidenheit – man stelle sich so etwas doch einmal für Einstein oder Grass vor. Doch zwischen den Zeilen wurde auch die Erkenntnis deutlich, die bereits Pearl S. Buck während ihrer Nobelpreisverleihung im Jahre1938 so in Worte fasste: »Sie können vielleicht nicht ermessen, was es in vielen Ländern bedeutet, … dass ausgerechnet eine Frau in diesem Augenblick hier steht.« 

 

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