www.Arbeiterkind.de
Eine Initiative für SchülerInnen aus bildungsfernen Schichten
von Ilke Glockentöger, Junge GEW
Ihre Eltern haben nicht studiert, sie selbst promoviert inzwischen an der Universität Gießen. Katja Urbatsch ist damit eher eine Ausnahme in Deutschland. Viele Studien belegen, dass im deutschen Bildungssystem die soziale Herkunft der wesentliche Faktor ist, der über den Bildungserfolg entscheidet. Laut der aktuellen Sozialstudie des deutschen Studentenwerks nehmen von 100 Kindern aus Akademikerfamilien 83 ein Hochschulstudium auf. Dagegen studieren von 100 Kindern nicht-akademischer Herkunft lediglich 23 – obwohl doppelt so viele die Hochschulreife erreichen. Dass sich so viele AbiturientInnen, deren Eltern nicht studiert haben, gegen ein Studium entscheiden, hat dabei nicht nur finanzielle Gründe. Katja Urbatsch weiß aus eigener Erfahrung, dass auch andere Faktoren wie die Unterstützung der Familie oder der Zugang zu Informationen eine wichtige Rolle spielen können.
Vor zwei Jahren gegründet
Deshalb gründete sie eine Initiative, dessen Internetportal als Arbeiterkind.de vor gut zwei Jahren online ging. Der strittige Name der Initiative verweist dabei nicht auf die Arbeiterklasse – unter »Arbeiterkindern« fasst die Initiative alle jungen Menschen zusammen, die aus Familien kommen, in denen (noch) niemand studiert hat. Die Initiative will SchülerInnen aus bildungsfernen Schichten zur Aufnahme eines Hochschulstudiums ermutigen. Viele praktische Tipps, von der Bewerbung um einen Platz an der Universität bis zur Studienfinanzierung, werden auf der Internetseite mit Informationen zu Praktika und Auslandsstudium sowie Hinweisen zum wissenschaftlichen Arbeiten und zum Studienabschluss ergänzt.
Netzwerk zur Unterstützung
Neben dieser Internetseite hat Arbeiterkind.de ein bundesweites Netzwerk von MentorInnen aufgebaut. Hunderte Studierende und Hochschulbeschäftigte beraten und unterstützen SchülerInnen und StudienanfängerInnen aus Nicht-Akademikerfamilien. In Deutschland gibt es inzwischen an über 70 Orten Gruppen und Einzelpersonen, die sich dafür engagieren. Dass sich innerhalb weniger Monate so viele MentorInnen für dieses ehrenamtliche Engagement entschieden haben, ist kein Zufall. Denn die meisten von ihnen sind selbst »BildungsaufsteigerInnen« und haben erlebt, wie schwierig es ist, als Nicht-AkademikerInnen in diesem Bildungssystem Erfolg zu haben. Die ungleichen Bildungschancen, die das deutsche Bildungssystem produziert, werden von der Initiative zwar beharrlich benannt, als Konsequenz wird aber nicht für die Beseitigung eines selektiven Schulsystems gekämpft, sondern stattdessen die Verantwortung des Individuums in den Vordergrund gerückt. Dahinter steht die Vorstellung, dass die Reproduktion von sozialer Ungleichheit in der Schule durch das Einwirken auf einzelne SchülerInnen verändert werden kann. Ob Arbeiterkind.de eine Etappe auf dem Weg zu einer »Schule für alle« ist, bleibt deshalb mehr als fraglich. Dass diese Initiative aber jungen Menschen aus nicht-akademischen Familien eine gute Unterstützung sein kann und das ehrenamtliche Engagement der MentorInnen sehr wertvoll ist, steht außer Frage.
Kontakt zu Lehrkräften an Berliner Schulen gesucht! In Berlin gibt es eine Ortsgruppe der Initiative Arbeiterkind.de, die Informationsveranstaltungen durchführt. Zwar richtet sich diese primär an junge Menschen aus bildungsfernen Schichten, aber die Veranstaltungen werden nur mit Jahrgangsstufen, Klassen oder Kursen durchgeführt, sodass alle SchülerInnen davon profitieren können. Arbeiterkind.de sucht deshalb Kontakt zu Lehrkräften in Berlin – vorrangig an Gymnasien, Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe und Berufsschulen, aber auch an Sekundarschulen. E-Mail: berlin@Arbeiterkind.de oder persönlich an jedem dritten Dienstag eines Monats im Pfeiffers in der Oranienstraße 17 in Berlin-Kreuzberg. Aktuelle Termine: www.Arbeiterkind.de.
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