Respekt kann ab sofort trainiert werden
Die neue Ausstellung »7 x jung« startet in die Pilotphase und wartet auf entdeckungsfreudige Schulklassen
von Heidi Schulze, Gesicht Zeigen! e.V.
Entdecken kann man viel, in den Ausstellungsräumen des Vereins Gesicht Zeigen! Installationen, Hörstationen, Exponate, Filme, Bilder, Zitate, Computer und vieles mehr laden Schulklassen dazu ein, sich in verschiedenen Themenräumen mit Fragen zu beschäftigen, die eine große Rolle im Leben Jugendlicher spielen und spielten. Dabei geht es auf der ersten Ebene zum Beispiel um Musik, um Sport, ums zu Hause, ums Einkaufen oder ums Draußensein. Innerhalb dieser Lebensweltbezüge geht es um Diskriminierung und Zugehörigkeit, um Ausgrenzung und Antisemitismus, um Selbstbehauptung und Unterstützung.
Die Ausstellung spricht die Jugendlichen in ihrer gegenwärtigen, alltäglichen Situation an. Über eigene Bezugspunkte werden neue und persönliche Zugänge geschaffen, um die Zeit des Nationalsozialismus zu begreifen und für sich selbst daraus zu lernen. Die Ausstellung verknüpft künstlerische Elemente mit moderner technischer Ausstattung, um ein persönliches und sinnliches Nachspüren auch schwieriger Fragen zu ermöglichen und ein neues Nachdenken über die Vergangenheit anzuregen.
In einem Kurzfilm berichtet die gebürtige Berlinerin Marion House von ihren Erlebnissen 1933. Als Jüdin war ihr der Zutritt zum Schöneberger Schwimmbad untersagt. Dennoch konnte sie dort – unter dem Schutz von Lehrerin und Rektor – schwimmen lernen. Robert Thalheim hat die Begebenheit mit heutigen Jugendlichen inszeniert. »Dass die nicht ins Schwimmbad durften, nur weil sie Juden waren, das habe ich nicht gewusst. Das ist ja total ungerecht!« Workshopteilnehmer, 8. Hauptschulklasse.
Die Jugendlichen lernen, sich in bestimmte Situationen hineinzuversetzen, diese zu verstehen und Handlungsoptionen abzuleiten. Ein anderer Gegenstand ist die Geschichte unangepasster Jugendlicher in Deutschland. Swingjugendliche beispielsweise grenzten sich mit ihrem Musikstil bewusst von der Hitlerjugend ab. Wie ist das heute? Treffen Musikrichtungen auch heute Aussagen über deren Hörerschaft? Verbindet Jugendliche der gleiche Musikgeschmack enger als ihr Alter oder ihre Herkunft? In Kleingruppen kann die eigene Musik vorgestellt, neue Songtexte erprobt werden. Auch Bewegungsspiele sind Teil der Projektveranstaltungen.
Die Ausstellung »7 x jung – Dein Trainingsplatz für Zusammenhalt und Respekt« richtet sich an Jugendliche ab 12 Jahren, sie ist für alle Bildungs- und Herkunftshintergründe geeignet. Für Schulklassen bietet Gesicht Zeigen! Projekttage an, die mit kulturpädagogischen Methoden arbeiten. Das Programm kann individuell auf die Klasse und ihren Hintergrund abgestimmt werden. Durch die verschiedenen Erfahrungsbereiche passt ein Ausstellungsbesuch in unterschiedliche schulische Curricula, beispielsweise auch in den Sport- und Musikunterricht. Neben Deutsch, Geschichts-, Religion- u. Sachkunde-Lehrkräften sind daher auch alle anderen Berliner Pädagogen herzlich eingeladen, mit ihren Klassen einen Projekttag in den Aus--stellungsräumen zu verbringen. Das pädagogische Programm arbeitet mit kulturpädagogischen, anregenden Methoden und ist für alle Schultypen geeignet.
Die Ausstellung ist am 1. März 2010 in die Pilotphase gestartet. Von März bis Mai ist sie zunächst ausschließlich für Klassenbesuche und Jugendgruppen zugänglich. Anmeldungen und Vorgespräche sind jederzeit möglich – rufen Sie uns gerne an!
Kontakt: Gesicht Zeigen! Ausstellungsprojekt, Koppenstr. 93,10243 Berlin, Tel.: 030-3 03 08 08-25 oder -22, Fax: 030-3 03 08 08-29. Die Ausstellungsräume befinden sich unmittelbar am S-Bahnhof Bellevue: Ausstellung 7 x jung, Flensburger Str. 3, 10557 Berlin-Mitte (S-Bhf. Bellevue, U9 Hansaplatz). Weitere Informationen: www.7xjung.de und http://www.gesichtzeigen.de/ausstellungsprojekt
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