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Nr. 03 / 2010: Von Werk und Wirkung

Von Werk und Wirkung – Förderung als Chance

Der neue Frauenförderplan ist da

von Hiltrud Quast, Frauenvertreterin Charlottenburg-Wilmersdorf

Ob das ein Grund zum Freuen ist, bleibt umstritten. Und das nicht nur, weil sich manche Männschen schon durch dieses Papier benachteiligt fühlen. Auch die weibliche Seite ist gespal-ten: Da gibt es zum einen diejenigen, die im Frauenförderplan bei Einstellun-gen, beruflichem Aufstieg, familiengerechten Arbeitszeiten und beim Schutz vor sexueller Belästigung ein gutes Handwerkzeug sehen. Unbestritten sind seit dem Bestehen der Gleichstellungsgesetze und Förderpläne positive Entwicklungen zu verzeichnen. So haben wir im Berliner Schuldienst inzwischen fast 49 Prozent Frauen in Leitungspositionen, Fortbildungen sind eine Frauendomäne, Einstellungen trotz Schwangerschaft und kleiner Kinder in der Regel kein Problem und Teilzeitanträgen wird entsprochen. Bei Bewerbungsgesprächen wissen die meisten, dass das Landesgleichstellungsgesetz »etwas mit Frauen zu tun hat« und was man beim Stundenplanbau diesbezüglich bedenken muss. Das alles ist gut.

Die anderen aber entdecken eine Menge Makulatur. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass in den letzten beiden Jahren der Frauenanteil in den hoch dotierten Schulleitungsstellen an Gymnasien, Gesamtschulen und an Schulen des zweiten Bildungsweges um nahezu zehn Prozent zurückgegangen ist. Bei insgesamt 13 Leitungsbereichen, von der Schulleitung bis zur Fachleitung, wurde nicht einmal die Minimalsteigerung oder Zielvorgabe von vier Prozent erreicht. Das ist eine neue und eine klar negative Entwicklung.

Der Frauenförderplan selbst verschwindet oft ungelesen, geschweige denn in Konferenzen vorgestellt und diskutiert, in tiefsten Schreibtischschubladen. Die Verpflichtung der aktiven Unterstützung und Motivation durch die Stundenplangestaltung und für den »Weg nach oben« führt zwar oft zu verbaler Aufgeschlossenheit – kein Mensch, der bei Verstand ist, würde heutzutage noch hörbar äußern, dass Frauen hinter den Herd gehören –, aber es bleibt bei einer realen Verhaltensstarre. Dort, wo es konkret zu handeln gilt, funktionieren langjährige Seilschaften und heimliche Rollenbilder immer noch besser als Gesetze und gut gemeinte Pläne.

Apropos Pläne: Der Frauenförderplan ist meines Erachtens so schwer an den Mann zu bringen, weil es um Macht und Ressourcen geht. Wer sägt schon freiwillig an dem Ast, auf dem er sitzt? Bei Frauen liegt »die Sache« etwas anders. Sie haben längst nichts mehr gegen Macht und schon gar nichts gegen Geld, aber sie sollen nicht aus der »Förderecke« kommen. Fördern riecht nach Defizit, nach Handicap und Mangel. Davon distanzieren sich die gut ausgebildeten und kompetenten Frauen der Berliner Schullandschaft durchaus zu Recht.

Rein sachlich betrachtet bedeutet Förderung aber die »Unterstützung von Vorhaben und Personen, insbesondere durch Nachhilfe, Ermutigung und finanzielle Unterstützung«. Erstgenanntes können wir getrost hinten anstellen. Ermutigung und Gelder, zum Beispiel für Mentoringprojekte, das wäre schon was. So jedoch bleibt es bei einem Plan mit irritierendem Namen und inhaltlichen Absichtserklärungen. Wer Politik kennt, weiß, was das bedeutet.

Zum Schluss: Erstmalig wurde zum Frauenförderplan eine PowerPoint-Präsentation gemeinsam von der Behörde und den Frauenvertreterinnen erarbeitet. Nutzt sie zur gemeinsamen Diskussion in euren Gesamtkonferenzen.  

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