DIE WESTBERLINER EINHEITSSOZIALISTEN
Die »Sozialistische Einheitspartei West-berlin«, wie die SEW ab 1969 im Westteil der Stadt hieß (vorher SED-W), hatte einen großen Apparat: Rund 80 hauptamtlich Beschäftigte betreuten in den 70er Jahren gerade mal 7.000 Mitglieder. Trotzdem erreichte diese Partei nur Wahlergebnisse, die selten über zwei Prozent kamen. Dank der massiven finan-ziellen Unterstützung aus der DDR konnte der Misserfolg kompensiert werden, 12 bis 15 Millionen DM wurden dafür jährlich transferiert. Aber nicht nur der politische Misserfolg, sondern auch die persönlichen Folgen der massiven Un-terdrückung der SEW in Westberlin wurden mit dem Geld aus dem Ostteil der Stadt kompensiert, wie der Autor Thomas Klein in seinem Buch aufzeigt. Erst 1971 wurde durch ein Kammergerichtsurteil festgestellt, dass eine Mitgliedschaft oder Funktion in der SEW allein kein Ausschlussgrund von Entschädigungen nach dem Bundesentschädigungsgesetz für Verfolgung unter dem Hitlerregime sei. Und namentlich bekannte Mitglieder der Partei hatten Schwierigkeiten, einen Arbeitsplatz zu finden. Also wurde eine Wagenburg gebildet, die sich zwar im Gefolge der Studentenrevolte 1967/68 durch jün-gere Mitglieder etwas auflockerte, aber nicht auflöste.
Nicht zuletzt deshalb blieb die Partei sowohl beim Wahlvolk als auch als politischer Einflussfaktor erfolglos. Die heute gern kolportierte »Unterwande-rung« der Studentenrevolte durch SEW-Kader und IM’s, das weist Klein überzeugend nach, ist Unsinn. Und ebenso blieb der Einfluss bei anderen Organisationen oder Gruppierungen (Gewerkschaften, Friedensbewegung) durch die sogenannten Revisionisten (liebevoll Revis genannt) marginal – auch wenn 1989 kurzzeitig ein SEW-Mitglied Berliner GEW-Vorsitzende werden konnte.
Thomas Klein hat eine faktenreiche Darstellung abgeliefert, die sich zwar stellenweise etwas im Zahlensalat verheddert, statt leserInnenfreundlich die ausgebreiteten Daten zusammenzufassen, aber sonst fair und verständlich diese merkwürdige Partei beleuchtet. Klaus Will
|