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Nr. 07-08/2000
Standpunkt: Alles im Pool?

Dieses Jahr nun will Klaus Böger modern sein und „poolt": Die Klassenleitungsstunde, die Oberstufenermäßigung und die nach drastischen Kürzungen im Jahre 1999 verbliebenen kläglichen Verwaltungsstunden (0,5 Prozent der Unterrichtsstunden in Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen) werden in einem Entlastungsfaktor pro Schüler gepoolt, der für jede Schulart mit vier Stellen nach dem Komma ausgeworfen wird. Der Senator lässt sagen, dies sei (noch) keine Kürzung, sondern kostenneutral. Das mag im Augenblick so sein – wir sind trotzdem dagegen, weil

  • in vielen Schulen so die Klassenleitungsstunde nicht mehr gesichert ist. Schon jetzt sagen ehrgeizige Schulleiter, dass man die Stunden doch besser in profilträchtige AG-Angebote stecken solle.
  • der Poolfaktor schon jetzt zu Ungerechtigkeiten führt. So werden alle Klassen mit geringerer Frequenz, z.B. Integrationsklassen, gebeutelt, weil eine Frequenz von 21 in der Grundschule oder 23 (20 + 3) in der Sekundarstufe I nicht einmal mehr die Klassenleiterstunde erbringen. Auch werden die Schulen mit großen gymnasialen Oberstufen (Aufbaustufe) besonders getroffen, weil der neue Faktor viel geringer als die Oberstufenermäßigung ist.
  • der Poolfaktor eine Aufforderung zum Vollstopfen der Klassen ist. Mit drei 7. Klassen à 35 erhält man eine Stunde mehr!
  • ein solcher Faktor in der Zukunft eine Einladung zum Kürzen darstellt. Wenn z.B. in der Zukunft der Gesamtschulfaktor von 0,0357 auf 0,03 gekürzt wird, ist das zunächst einmal eine Verwaltungsvereinfachung, weil zwei Kommastellen wegfallen. Einer sechszügigen Gesamtschule mit rund 700 Schülern aber fehlt dann die Klassenleitungsstunde für fünf Klassen. Herr Böger, lassen Sie die Finger von dem Faktor und der Klassenleitungsstunde an den Schulen! Hören Sie auf die LehrerInnen, Eltern und Schülerinnen, die sich am 29. Juni vor dem Roten Rathaus geäußert haben. Sie haben im Herbst 1999 erklärt, dass an der Schule nicht gespart werden könne. Wirklich wurde die Arbeitszeitverlängerung im Wert von 1 200 Stellen. Machen Sie erst einmal über einige Jahre hinweg deutlich, dass die Menschen in der Berliner Schule sich auf Ihre Worte verlassen können. Dann kann man vielleicht auch über eine solche „Verwaltungsvereinfachung" reden. Derzeit glaubt Ihnen das kein Mensch!

Knut Langenbach

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