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Nr. 09 / 2010: Belastungsprobe fürs Gymnasium

Belastungsprobe fürs Gymnasium

Doppeljahrgang und weniger Funktionsstellen sind keine guten Startvoraussetzungen

von Michael Brüser, Vorsitzender der Fachgruppe Gymnasien

Das gerade begonnene Schuljahr stellt die Berliner Gymnasien vor neue Herausforderungen. Diese erwachsen einerseits aus den Folgen der Schulzeitverkürzung, andererseits wird es spannend sein zu beobachten, wie sich die Integrierten Sekundarschulen (ISS) als »Konkurrenz« oder Ergänzung entwickeln.

Die in fast allen Bundesländern durchgeführte Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf 12 Jahre führt im neuen Schuljahr zur Zusammenlegung der ehemaligen zehnten und elften Klassen zum neuen Qualifikationsjahrgang Q 1. Im Jahr 2012 werden dann alle SchülerInnen der beiden Jahrgänge das gleiche Abitur bewältigen. Am ehesten bereiten naturgemäß die SchülerInnen der ehemaligen zehnten Klassen Kopfzerbrechen. Sind sie angemessen auf die Anforderungen vorbereitet? Zwar gab es für diese Klassen seit dem fünften Schuljahr durch eine erweiterte Stundentafel 20 Stunden mehr Unterricht (und dafür nachmittags kaum Zeit für andere spannende Dinge), doch reichen die drei bis vier Stunden mehr Unterricht wöchentlich nicht aus, um die KMK-Vorgabe von 265 Semesterwochenstunden zu erfüllen. Was diesen SchülerInnen komplett fehlt, ist die eigentliche Einführungsphase (11.Klasse), in der sie vorrangig auf das wissenschaftspropädeutische Arbeiten vorbereitet wurden.

Von der Senatsseite wieder einmal allein gelassen (euphemistisch ausgedrückt könnte man sagen, die Schulen hatten Freiräume), wurde die Vorbereitung an den Gymnasien sehr unterschiedlich gehandhabt. Von längeren Klassenarbeiten (als Vorbereitung für Klausuren) bis hin zur Einrichtung von Quasi-Profilkursen reicht die Palette.

Aber die eigentliche Krux des Doppeljahrganges ist, dass sich für alle KollegInnen zwangsläufig vor-übergehend der Anteil erhöht, den sie in der Qualifikationsphase zu unterrichten haben. Wer »da oben« Unterrichtserfahrung hat, wird ein Lied davon singen können, was es heißt, den Klausurkorrekturstress bewältigen zu müssen. Den Schulen ist für die erhöhte Belastung ein Brosamen vonseiten der Senatsverwaltung hingeworfen worden. Der Zumessungsfaktor wurde von 1,67 auf 1,95 je Schüler erhöht. Da dieser nur für die Ex-Zehntklässler gilt, wird damit aber faktisch fast ausschließlich die Erhöhung der Kursanzahl (Zusatzkurse) abgedeckt, eine tatsächliche Entlastung ist das nicht. Wenigstens ist von Senatsseite (Frau Rösch) signalisiert worden, dass man an feste Korrekturtage im Abitur denkt. Diese Forderung existiert aber vonseiten der Fachgruppe schon lange, denn noch immer werden in einigen Schulen die Korrekturtage (zur Vermeidung von Härten) von den SchulleiterInnen in Gutsherrenmanier vergeben.

Die stärkere Belastung der Pädagogischen Koordina-tion (Päkos) ist von der Senatsseite sinnigerweise mit einer Verschlechterung der Anrechnungsstunden gerade für diesen Personenkreis in den neuen Zumessungsrichtlinien bedacht worden. Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, wurde aus dem Hause Zöllner nun das neue Modell der Leitungsstruktur bekannt. Im Klartext heißt dies, dass neben der zu begrüßenden Gleichstellung der Funktionsstellenstruktur mit den ISS jetzt an den Gymnasien Funktionsstellen auf Fachbereichsleiterebene abgeschmolzen werden. Zudem wird zwischen großen und kleinen Schulen (auch Gymnasien) unterschieden. Erst ab 850 SchülerInnen sei man dann ein großes Gymnasium. Eine clever gewählte Zahl, denn auf diese Zahl kommen perspektivisch nicht einmal durchgängig vierzügige Schulen. Der Senat spart auf Kosten der Gymnasien!

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