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Nr. 09 / 2010: Was, schon wieder ein neues Schuljahr?

Was, schon wieder ein neues Schuljahr?

Die Schulen werden mit viel zu wenig Personal starten

von Dieter Haase, Gesamtpersonalrat

Immer wieder wird die Bildungsverwaltung davon überrascht, dass das neue Schuljahr unmittelbar nach den Sommerferien beginnt! Deswegen gelingt es ihr weder die notwendigen Einstellungen von Lehrkräften und Erzieherinnen vor den Ferien abzuschließen noch die Schulen flächendeckend zu Beginn des Schuljahres mit einer 100-Prozent-Ausstattung zu versorgen.

Dabei hat der Senator noch unwahrscheinliches Glück, dass die für die Einstellungen zuständigen MitarbeiterInnen der Abteilung I trotz Unterbesetzung und unzureichender politischer Vorgaben die Sache im Griff haben: Ungefähr 1000 LehrerInnenstellen sind durch Entfristungen, den Vertretungspool, die zentrale Nachsteuerung oder erneute befristete Verträge im Umfang von 230 Stellen besetzt worden. Die befristete Einstellung trotz Regelbedarf muss endlich ein Ende haben. Für die originären Aufgaben der Bildung müssen gesicherte Arbeitsverhältnisse die Regel sein. Die Einstellungsverfahren für die weiteren, nun doch noch im letzten Moment bewilligten 70 Einstellungen werden sich bis in die Ferien hinein ziehen oder sogar bis ins neue Schuljahr. Der Beginn des Schuljahres gestaltet sich mal wieder als Blindflug, weil abzusehen ist, dass nicht genug Lehrkräfte an Bord sind.

Keine verlässliche Bedarfsanalyse
 

Aber nicht nur das: Die regionalen Dienststellen bezweifeln, dass mit den geplanten Einstellungen tatsächlich der Bedarf abgedeckt ist. Über Jahre haben die örtlichen Dienststellen den Bedarf über die realen Meldungen der Schulen ermittelt, der allerdings in der Regel nicht mit den zentralen Prognosen des Referates von Bernd Gabbei »Bedarf und Prognose der Lehrkräfte« übereinstimmte. Die Zentrale in der Senatsverwaltung ermittelte den Bedarf über Schülerbestand, Lehrkräftebestand und die Zumessungsrichtlinien und lag meistens in der Prognose daneben. Trotzdem wurde den Regionen die Stellen anhand der fehlerhaften Prognose zugewiesen. Mit Beginn des Jahres wurde das bezirkliche Verfahren abgeschaltet, jetzt gibt es nur noch die Senatsprognose – und es zeichnet sich auch für das Schuljahr 2010/11 ab, dass diese nicht mit der sich abzeichnenden Realität in den Schulen übereinstimmt.

Es gibt aber nicht nur ein Problem mit den Daten, sondern auch eins mit den Finanzen. Finanzsenator Ulrich Nußbaum propagiert zwar in der Öffentlichkeit, dass mehr Geld in die Bildung fließen muss, mauert aber mit der Bewilligung so lange, bis eine rechtzeitige Einstellung nicht mehr möglich ist. Müsste da nicht mal der Regierende Bürgermeister ein Machtwort sprechen, um dieses unwürdige Schauspiel auf dem Rücken der Lehrkräfte und der Schülerinnen endlich zu beenden? Er spricht ja auch gern von der Priorität, die angeblich die Bildung hat. »Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehn«, sagte schon Goethe.

Es kommt noch dicker

Eigentlich glaubt man, dass es nicht schlimmer kommen kann. Aber bei den ErzieherInnen an den Berliner Schulen ist die Situation noch katastrophaler. Seit zwei Jahren sind die Schulen mit ErzieherInnen unterausgestattet. Fast zehn Prozent des Bedarfes fehlen zu Spitzenbelastungszeiten. Langzeiterkrankte werden nicht ersetzt, selbst nachgewiesener Bedarf wird nicht abgedeckt oder nur über Fristverträge.

Erst eine Woche vor Schuljahresende sind die Entfristungen und 100 Neueinstellungen von der Finanzverwaltung freigegeben worden. Das reicht zwar nicht, aber so kann man den Eltern vorgaukeln, dass die Bildungsverwaltung aktiv ist. Ob diese Stel-len überhaupt besetzt werden können, ist angesichts der fehlenden Fachkräfte zudem recht fraglich.

Verschleißerscheinungen in Berlin

Vergleiche hinken manchmal, aber trotzdem drängte sich mir das Dilemma mit der S-Bahn auf. Die Züge wurden auf Verschleiß gefahren. Alte und neue Baureihen sind nicht ordnungsgemäß gewartet worden. Dem Management ging es lediglich um Kostenreduzierung. Irgendwann fuhren die Züge aber nicht mehr oder nur in halber Länge und der Fahrplan konnte mit den verbliebenen Triebwagen nicht mehr erfüllt werden. Die Berliner Bevölkerung protestierte und es wurde wieder mehr Geld investiert. Aber wahrscheinlich ist der Schaden für die Bahn nun größer als die Einsparungen bei der Wartung. Es ist zu erwarten, dass die Situation in den Schulen mit Beginn des Schuljahres ähnlich unzureichend ist wie die Situation bei der S-Bahn. Denn es wird sich zeigen, dass die Personalausstattung nicht reicht und der Unterricht entsprechend nicht ordnungsgemäß erteilt werden kann.

Aus Fehlern kann man auch lernen, aber die Verantwortlichen für die Berliner Bildungspolitik in Berlin sind ziemlich beratungsresistent. Die machen lieber ihre Fehler selbst. 

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