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Nr. 09 / 2010: Bildungsmeile Wutzkyallee

Wie Perlen an der Schnur

Die Bildungsmeile Wutzkyallee in der Gropiusstadt

von Katrin Kleinhans, empirica

Vielen Schulen werden die Probleme bekannt sein, mit denen sich die Bildungs- und Freizeiteinrichtungen an der Wutzkyallee konfrontiert sehen: Abwanderung von SchülerInnen in Nachbarbezirke, schlechtes Image in der Öffentlichkeit trotz guter Bildungsergebnisse und anerkannt guter Leistungen der Mitar-beiterInnen, Raumman-gel, belastete Nachbarschaft mit schwierigen Bedingun-gen für das Lernen und die schulische Kar-rie-re der Kinder und Jugendlichen. Um diese Negativentwicklung aufzuhalten und umzukehren, haben sich in Berlin sechs Bildungs- und Freizeiteinrichtungen aus der südlichen Gropiusstadt zur sogenannten Bildungsmeile Wutz-kyallee zusammengeschlossen. Zu den Bündnispartnern zählen die Grundschule Martin-Lichtenstein-Schule, die Sekundarschule Hermann-von-Helmholtz-Schule, das Oberstufenzentrum Lise-Meitner-Schule, die Kindertagesstätte Wutzkyallee sowie der Abenteuerspielplatz und das Jugend- und Kulturzentrum Wutzkyallee.

Einrichtung einer Bildungsmeile

Die ersten Ideen für eine verbesserte und intensivere Zusammenarbeit der Einrichtungen entwickelten die MitarbeiterInnen auf einer Bildungskonferenz im Stadtteil Gropiusstadt im April 2008. Eine Konkretisierung erfolgte ein halbes Jahr später auf einem Studientag aller Partner der Bildungsmeile. Seit August 2009 wird die Bildungsmeile Wutzkyallee im Rahmen des Programms Soziale Stadt vom Quartiersmanagement Lipschitzallee/Gropiusstadt unterstützt. Marie-Therese Krings-Heckemeier und Katrin Kleinhans vom Forschungs- und Beratungsunternehmen empirica begleiten, koordinieren und moderieren den Entwicklungsprozess als externe Moderatorinnen.
Die Einrichtungen der Bildungsmeile sind mit Ausnahme des Oberstufenzentrums direkte Nachbarn. Ihre Schulhöfe und Freiflächen grenzen aneinander. Zwischen Kita, Schulen und Freizeiteinrichtungen kann man pendeln, ohne eine Straße zu überqueren. Trotz dieser idealen Lagebedingungen waren die Kooperationsbeziehungen zwischen den Einrichtungen über lange Zeit hinweg traditionell wenig ausgeprägt. Mit zunehmendem Austausch und stärkerer Vernetzung untereinander erkannten die Einrichtungen, dass die Probleme nicht auf der Ebene der einzelnen Einrichtun-gen lösbar sind. Vielmehr entwickelte sich die Überzeugung, dass nur eine gemeinsame Herangehensweise Erfolg versprechend sein kann. Ziel muss es sein, den Gesamtstandort als attraktiven Bildungsstandort zu profilieren und diesen in der öffentlichen Wahrnehmung als solchen zu platzieren. »Wir sind hier aufgereiht wie Perlen an der Schnur. Dieses Potenzial müssen wir besser nutzen!« Diese Aufforderung einer Schulleiterin verbildlicht das Vorhaben der Bildungsmeile treffend.

Die Bildungs-, Kinder- und Jugendarbeit im Quartier soll sinnvoll miteinander verknüpft werden, sodass Synergien erschlossen und genutzt werden. Kinder und Jugendliche in der Gropiusstadt sollen optimal auf ihrem Bildungs- und Lebensweg unterstützt werden. Sie sollen die Möglichkeit haben, eine qualifizierte durchgängige Bildungskette von der Kita über die Grund- und Sekundarschule bis in den Beruf zu durchlaufen. Damit dies gelingen kann, gilt es, die institutionelle Zusammenarbeit strukturell zu verbessern und die Einrichtun-gen der Bildungsmeile inhaltlich und räumlich-baulich zu verzahnen. Anknüpfend an bereits vorhandene Stärken sind die Themen Naturwissenschaften sowie Kunst/Musik/Theater hier Profil gebend. Stadtteilrelevante Angebote wie Elterncafé und Beratungsangebote werden in die Bildungsmeile integriert.

Erste Schritte

Zu Beginn war es wichtig, eine geeignete Organisationsstruktur für die Bildungsmeile festzulegen, die auch über die Zeit der externen Begleitung Bestand haben kann. Nach Einzelgesprächen mit den Leitern der Einrichtungen, in denen die besonderen Problemsituationen, Erwartungen und Motivationen besprochen wurden, trafen sie sich zu einer ersten konstituierenden Lenkungsrunde. Die Lenkungsrunde hat die Aufgabe, die wesentlichen Inhalte und Entwicklungsrichtungen der Bildungsmeile abzustimmen und Prioritäten festzulegen. Neben den Leitern der Einrichtungen nehmen auch das Quartiersmanagement, das Bezirksamt Neukölln und die regionale Schulaufsicht an der Lenkungsrunde teil. Die Mitglieder sorgen dafür, dass die Verbundidee in den jeweiligen Einrichtungen und Fachämtern verankert wird. Grundlage für die Zusammenarbeit und das weitere Vorgehen bilden eine Kooperationsvereinbarung und ein Aktionsplan, die gemeinsam entwickelt wurden. In dem Aktionsplan, der laufend fortgeschrieben wird, sind die zentralen Handlungsfelder, Maßnahmen und Projekte, Zuständigkeiten und ein Zeitplan festgeschrieben.

Für alle Beteiligten entsteht ein Mehrwert durch die Aktivitäten der Bildungsmeile. So unterstützen sich die Bildungs- und Freizeiteinrichtungen gegenseitig mithilfe von Räumlichkeiten und Fachpersonal. Einige Beispiele: Lehrkräfte der Grundschule ohne Fachausbildung in naturwissenschaftlichen Fächern bilden sich am Oberstufenzentrum fort; im Gegenzug kann das Oberstufenzentrum Platzprobleme durch ein Ausweichen auf Räume in der Sekundarschule lösen; die Kindertagesstätte nutzt für die frühe Kunsterzie-hung Overheadprojektoren der Sekun-dar-schule; die Technik-AG der Sekundarschule arbeitet künftig in der optimal ausgestatteten Fahrzeugwerkstatt im Jugend- und Kulturzentrum, der Abenteuerspielplatz bietet Pro-jekttage/-stunden ex-klu-siv für die Bündnispartner an.

Die Erfolgsfaktoren

Auch die Kinder und Jugendlichen pro-fitieren von der engen Zusammenarbeit der Einrichtungen. So lernen bereits die Kita-Kinder im Rahmen von gemeinsamen Projekten mit Schülern der benachbarten Schulen ihre künftigen Lehrer, die Institution Schule und die Räumlichkeiten kennen. Im Umgang mit den kleinen Kindern lernen die älteren SchülerInnen Sozialkompetenzen und haben Erfolgserlebnisse, wenn sie ihnen etwas erklären können. Schüler der Grund- und Sekundarschule nutzen die Labore im Oberstufenzentrum, und auch die Vorbereitung auf den Mittleren Schulabschluss ist hier optimal.
KollegInnen der Bildungs- und Freizeiteinrichtungen erfahren Unterstützung durch den gegenseitigen Austausch, durch institutionsübergreifende Teamarbeit oder bei organisatorischen Abläufen. Das Besondere der Bildungsmeile Wutzkyallee ist, dass sie von den Einrichtungen selbst initiiert wurde, innerhalb der Einrichtungen »Zugpferde« hat und auf Dauer angelegt ist. Die Leiter der Einrichtungen werben bei ihren KollegInnen für die Idee. Aus den bisherigen Erfahrungen lassen sich folgende Erfolgsfaktoren erkennen:

  • Bereitschaft der Beteiligten an Themen zu arbeiten, neue Ideen und Veränderungen zuzulassen und »Traditionen« kritisch zu prüfen
  • Vertrauen und Offenheit zwischen den teilnehmenden Einrichtungen
  • Organisationsstruktur
  • Abgestimmtes Leitbild, Handlungsfel-der, Maßnahmen und Prioritätensetzung (Aktionsplan, Kooperationsvereinbarun-gen)
  • Einbeziehung relevanter Partner (Quar-tiersmanagement, regionale Schulaufsicht, Fachabteilungen des Bezirksam-tes, Wohnungsunternehmen)
  • Respektvoller Umgang miteinander auf »Augenhöhe«, beispielsweise zwischen Lehrkräf-ten und ErzieherInnen
  • Schnelle Entscheidungen, Leuchtturmprojekte

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