| Die Fachtagung "Bildungsansprüche von Kindern - Kita und Grundschule im Dialog" hat im Juni rund 100 PädagogInnen aus Kitas und Schulen zusammengeführt.
von Monika Rebitzki, Referat C
Im Juni 2002 hat zeitgleich eine Arbeitsgruppe der Senatsverwaltung und die AG Veränderter Schulanfang der GEW BERLIN mit der Vorbereitung einer Fachtagung zum veränderten Schulanfang begonnen. Als die beiden Arbeitsgruppen Kenntnis voneinander nahmen, kam es zu der Entscheidung, die Veranstaltung zusammen durchzuführen.
Dem Kreis der Veranstalter war wichtig, die verschiedenen Institutionen miteinander ins Gespräch zu bringen als wichtige Voraussetzung für positive Veränderungen der vorschulischen und schulischen Bildung und Erziehung. Um das zu erreichen, sollte der Einleitungsvortrag den Blick auf die Kinder und ihre Bildungsbedürfnisse richten und die Arbeitsgruppen sollten paritätisch mit Kita- und SchulvertreterInnen besetzt sein. Bei den ModeratorInnen ist uns das gelungen. In den Gruppen waren die Vertreterinnen des Elementarbereichs denen des Grundschulbereich zahlenmäßig deutlich überlegen. Trotzdem kam es zu einem gleichberechtigten und konstruktiven Austausch von Konzepten und Erfahrungen.
Herausforderungen und Forderungen
Im einleitenden Vortrag ging es vor allem um Basiskompetenzen zur erfolgreichen Bewältigung vom Übergang von der Kita zur Schule:
- Resilianz - die Widerstandskraft bzw. die Fähigkeit, sich belastenden neuen Lebenssituationen anzupassen;
- lernmethodische Kompetenz, hier hatte das Lernen lernen die höchste Priorität;
- Bewältigungskompetenz bei Transitionen, d.h. bei Übergangsprozessen im Bereich Familie und Bildungsinstitutionen.
Diesen dritten Aspekt stellte der Vortrag in den Mittelpunkt.
Die Untersuchung hat ergeben, dass Kinder sich in der Regel auf die Schule freuen, dass Eltern eher besorgt sind und diese Bedenken sich den Kindern vermitteln und deren offene Haltung belasten. Eltern reagieren beim Übergang in die Schule eher traditionell. Während sie vorher viel Wert auf Selbstständigkeit und Autonomie gelegt haben, neigen sie vor dem Übergang in die Schule dazu, Sekundärtugenden wie Gehorsam, Pünktlichkeit und Ordnung in den Vordergrund zu rücken.
Es ist normal, dass Kinder bei Übergängen auch Schwierigkeiten zu bewältigen haben, die sich in ihrem Verhalten ausdrücken.
Schüchternen, kontaktarmen Kindern, deren Eltern selbst meist ihre Zurückhaltung gegenüber der Kita schlecht oder gar nicht bewältigen, ist schon in der Kita mehr Aufmerksamkeit zu widmen.
Soziale Kompetenz brauchen auch Eltern für einen gelungenen Übergang. Soziale Kompetenz erwirbt man, wenn man Probleme lösen lernt. Erwachsene sollten Probleme deshalb nicht für, sondern mit den Kindern lösen. Eltern, die sich ja nicht alltäglich begegnen, brauchen beziehungsfördernde Elternarbeit.
Kommunikationsfähigkeit fördert das Gelingen von Übergängen. Permanenter Dialog zwischen Kindern, Eltern, ErzieherIn und LehrerIn ist also notwendig.
Kontinuität und Diskontinuität sind gleichermaßen Bestandteil von Übergängen und haben ihren Platz. Ein gleitender Übergang vermindert Schulangst, aber die Herausforderung, sich auf Neues einzulassen, ist beim Kind gleichermaßen gefragt. Beide Aspekte müssen für das Kind passend gemacht werden.
Für eine erfolgreichen Übergang sind die Stärkung kindlicher Kompetenzen wie ein stabiles Selbstkonzept, hohes Selbstwertgefühl, Selbstregulierung, sichere Bindungen an Eltern und ErzieherInnen, Konfliktlösekompetenz, Optimismus, sprachliche und interkulturelle Kompetenz erforderlich.
Am zweiten Tag wurde der Blick in die Zukunft gerichtet. Beide Referenten bezogen sich auf neuere Forschungsergebnisse der Schul- bzw. Hirnforschung. Während für Jörg Ramseger von der FU die Herausforderung in der gleichberechtigten Berücksichtung der Bedürfnisse der Kinder nach Geborgenheit, Offenheit und Herausforderung bestand, hatte Brigitte Gerhold vom Pestalozzi-Fröbel-Haus die Anforderung im Blick, Kinder als Individuen im Alltagsbetrieb zu fördern, sich Zeit für die Beobachtung anstelle von Beschäftigung zu nehmen und bei der Beobachtung den Blick eher auf Kompetenzen als auf Defizite zu lenken. Neuere Erkenntnisse von gemeinsamem Interesse im Bereich Deutsch als Zweitsprache, beim Schriftspracherwerb und im mathematisch-naturwissenschaftlich Bereich gilt es einzubeziehen.
Ignorierte Erkenntnisse öffentlich machen
Gefragt, womit man jetzt schon beginnen könne, waren die ReferentInnen sich einig, dass eine Inventur der bisherigen Praxis ansteht. Was kann vor den Hintergrund der veränderten Bildungsbedürfnisse und Erkenntnisse ausgemustert werden, was muss verändert werden? Für die Schule bedeutet dies, dass die Schulentwicklung an den Schulen Alltag werden muss. Die Schule muss sich Ziele setzen, die sie dann auch überprüft und fortschreibt. Es wurde aber auch die Notwendigkeit hervorgehoben, Eltern ins Boot zu holen, weil sie für die Bewältigung von Übergängen in diesem Alter von entscheidender Bedeutung sind. Der Dialog und die Kooperation zwischen Kita- und Grundschulbereich muss auf Landes-, Bezirks- und Institutionsebene institutionalisiert werden.
Als Probleme wurden Gruppengrößen, Ausstattung und Zeit benannt. Die Zuwendungszeit besonders für jüngere Kinder trägt entscheidend zum Erfolg von Bildungsbemühungen bei. Jörg Ramseger bezog sich auf neuere Untersuchungsergebnisse, die in Deutschland immer noch ignoriert werden. Danach hat die Gruppen- bzw. Klassengröße sehr wohl Einfluss auf den Lernerfolg insbesondere in den ersten Schuljahren. Auch die Entwicklung bzw. die Rahmenbedingungen und Konzepte für Ganztagsschulen spielten für Ramseger eine bedeutende Rolle für die Einlösung der Bildungsansprüche von Kindern.
Der Dialog wird fortgesetzt
Bei der Terminierung der Fachtagung gingen wir davon aus, dass in der abschließenden Podiumsrunde bereits das Berliner Bildungsprogramm für die Kitas und das Konzept der Schulanfangsphase diskutiert werden könnten. Diese Rechnung ist nicht aufgegangen. Das Bildungsprogramm war gerade erst veröffentlicht und das Konzept der Schulanfangsphase lag noch nicht vor. Das ist ein Grund neben anderen, den Dialog fortzuführen.
Gemeinsame Fortbildungen zum Übergang Kita/Grundschule werden ab 2004 geplant - sowohl im Senatsbereich von der Sozialpädagogischen Fortbildungsstätte gemeinsam mit dem LISUM als auch im GEW-Bildungsprogramm. Die Kommunikation soll in den Regionen gefördert werden mit Runden Tischen, Sozialraumkonferenzen oder im Rahmen des Quartiersmanagements. Für unsere Arbeit in der AG Veränderter Schulanfang haben wir sicher jetzt ein besseres Fundament, um zu einer Position zu kommen, sobald das Senatskonzept für die Schulanfangsphase vorliegt.
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