| Der Protest gegen die Bildungspolitik des Senats prägte die Aktionen in Berlin.
von Hartmut Schurig, stellvertretender Vorsitzender der GEW BERLIN
Der lang geplante Tag der Bildung am 27. Juni sollte bundesweit die Aufmerksamkeit auf die Förderung von Bildung lenken. Bildung sollte an diesem Tag zum zentralen Thema werden. In Berlin schwankten wir schon bei der Vorbereitung zwischen konstruktivem Optimismus und lähmenden Frust. Dem Optimismus, landesweit den Fokus auf die Bildungspolitik lenken zu können, und dem Frust an der Basis über den Bildungsabbau und die öffentliche Herabwürdigung der Arbeit der PädagogInnen durch den Berliner Senat. Und die Tarifauseinandersetzung schürte den Frust noch zusätzlich. Alles gleichzeitig: Senatsangriff auf die Bildungsqualität, Tarifkampf und Bildungstag mit Bildungsdemo - und das auch noch kurz vor der Zeugnisausgabe in den Schulen. Dieser Berg war wirklich nicht leicht zu besteigen. Viele KollegInnen fanden dennoch Möglichkeiten, diesen scheinbaren Widerspruch zu lösen. Das Berliner Aktionsbündnis konnte wieder aktiviert werden: SchülerInnen, Eltern und StudentInnen investierten eine Menge Mühe und Zeit für die Vorbereitung der geplanten Bildungsdemo. Die GEW BERLIN mobilisierte an den Schulen für den Tag der Bildung unter anderem mit einem Wettbewerb zum Thema Bildung. In den GEW-Bezirken wurden der Warnstreik und andere Aktionen vorbereitet. Die Bundesebene organisierte in Berlin für diesen Tag ein zentrales Bildungsfest.
Wir bringen den Stein ins Rollen
Warnstreik mit oder ohne Beitrag zum Tag der Bildung oder Tag der Bildung mit oder ohne Warnstreikbeteiligung - das waren die unterschiedlichen Akzente, die an diesem Tag von den Beteiligten gesetzt wurden. Aber allen gemeinsam war, dass man für eine bessere Bildung Flagge zeigen wollte. Der Tag begann am Vormittag mit einem Warnstreik und bezirklichen Kundgebungen zum Beispiel auf dem Karl-Marx-Platz in Neukölln, in der Lichtenberger Fischerstraße, im Märkischen Viertel, an der Oberbaumbrücke, dem Fehrbelliner Platz und am Thälmann-Denkmal in der Greifswalder Straße. Daneben und dabei gab es eine Reihe origineller Aktionen. Akteure aus dem OSZ Verkehr, Wohnungswirtschaft und Steuern errichteten Bildungsblockaden in der Dudenstraße und am Rathaus Tempelhof. Damit es endlich losgeht mit mehr Bildung, wurde in Spandau vor dem Rathaus einen Riesenstein ins Rollen gebracht. Um einen weiteren Stein, nämlich den Stein des Anstoßes, ging es am Fehrbelliner Platz. Und die GEW Marzahn-Hellersdorf hielt im Zentrum von Hellersdorf ein Tribunal zur Bildungspolitik ab: Von "Zeugen" unterstützt wurde durch "Anwälte" und "Richter" die Senatsbildungspolitik öffentlich "verurteilt".
Auch in Kitas und Schulen fanden Aktionen statt. So führten SchülerInnen des Marzahner Siemens-Gymnasiums mehrere Projekte zum Tag der Bildung durch. Ein weithin sichtbares Transparent an der Schulfassade fasste den Protest in Worten zusammen: "Bildung von gestern für die Wähler von morgen".
StudentInnen an der Humboldt-Universität luden ein zu einer Podiumsdiskussion über "Die Bildungsmisere an den Berliner Hochschulen". Sehr kulturvoll ging es wiederum zu beim "Gemeinsamen Gesang" der SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen der Alt-Lankwitzer Grundschule in der Dreifaltigkeitskirche unter dem Motto "Schule ist mehr...".
In den frühen Nachmittagsstunden hatte dann die GEW-Bund Gäste aus Politik, Wissenschaft und der pädagogischen Praxis zu einer Diskussionsveranstaltung in das ehemalige Staatsratsgebäude eingeladen. 300 Meter davon entfernt begann um 16 Uhr die Bildungsdemonstration, die sich vom Roten Rathaus entlang der "Linden", Friedrichstraße, Leipziger Platz zum Brandenburger Tor bewegte und hier nach einer kurzen Kundgebung nahtlos in das Bildungsfest mit Musik und Tanz überging.
Wie geht es weiter?
Es war allerdings kein rauschendes Bildungsfest - die Mischung aus Wut, Trauer und Trotz über den Bildungsabbau und den Arbeitszeitbetrug in Berlin überlagerte den Tag der Bildung. Die ständigen Angriffe und Übergriffe, angeblich zum Nutzen des Berliner Haushaltes, haben viele resignieren lassen. Sowohl in der Vorbereitung als auch bei der Durchführung des Tags der Bildung hat dies deutlich bremsende Wirkung gehabt. Der Tag der Bildung hat leider unter diesen negativen Voraussetzungen eine breite Wirkung nicht entfalten können. Jetzt kommt es darauf an, den Frust umzulenken in widerständisches Denken, in widerständische Aktionen. Allerdings: die Zeiten der schnellen Erfolge sind vorerst leider vorbei. Auch das müssen wir lernen - und trotzdem
|
WIR MACHEN UNS EIN BILD VON BILDUNG
Zum Tag der Bildung hatte die GEW BERLIN einen Wettbewerb ausgeschrieben für Einsendungen unter dem Motto "Wir machen uns ein Bild von Bildung". Zwar war die Resonanz an den Schulen etwas bescheiden, aber dafür war die Qualität der eingereichten Arbeiten um so höher. Ausgewählte Arbeiten stellen wir in den nächsten blz vor. Hier schon die Namen der PreisträgerInnen (keine Rangfolge):
GRUPPENPREISE
Klasse 4b der Robert-Reinick-Grundschule Spandau - ein Klassenprojekt "Wir träumen unsere Schule bunt", Hortgruppe der Regenbogen-Kita - ein Buch mit selbstgeschriebenen Geschichten und selbst gefertigten Linolschnitten wird produziert, Klasse 2b der Alfred-Adler-Grundschule Tempelhof mit einer Collage zum Thema "Bücher müssen selbst gekauft werden", Klasse M1/2II der Bücherwurm-Grundschule Hellersdorf - ein digitales Fotoalbum über das Leben und Arbeiten in dieser Klasse, 11. Jahrgang des OSZ Verkehr, Steuern und Wohnungswirtschaft mit einer Fotodokumentation ihrer Projektwoche, Klasse 2b der Schorfheide-Grundschule Marzahn - zwei Klassenprojekte: Zeichnungen DIN A3 zum Thema "Wie soll deine Traumschule sein?" und eine Projektwandzeitung über ein Projekt zum Thema "Gemeinsam sind wir stark".
EINZELPREISE
Sophia Schönborn und Olga Maus mit einer Zeichnung auf DIN A3, Laura Müller und Nadja Lung vom G.-Chr.-Lichtenberg-OG mit zwei Arbeiten, die sich kritisch mit dem Schulalltag auseinandersetzen: "Die Schüler von HEUTE werden von Lehrern von GESTERN in Schulen von VORGESTERN auf das Leben von MORGEN vorbereitet."
| |